Echtes Leder mit Biss
Seit 32 Jahren ist „Lederhilde“ in Jávea jedem ein Begriff – Drei Fränkinnen regieren dort

Hilde (l.) mit einem Lieferanten aus der Anfangszeit, Tochter und Enkelin.
Foto: Susanne Eckert |
Susanne Eckert
Jávea
Einer der ältesten Läden in Jáveas Altstadt, „Lederhilde“, wird von einem deutschen Trio geleitet: Die jetzige Chefin Kitty Kratzer wird von ihrer Tochter Jenny und Mutter Hilde Kratzer unterstützt. Obwohl sich die Seniorin aus Nürnberg vor Jahren zurückgezogen hat, kommt sie jeden Donnerstag in den Laden. Dort trifft sie Stammkunden und treue Lieferanten.
Hilde und ihr Mann kamen einst wegen ihrer Tauchleidenschaft nach Jávea. „Wir waren eigentlich immer auf Mallorca, aber ich wollte kein Wasser zwischen mir und meiner Heimat haben, deshalb sind wir hier hängen geblieben“, berichtet sie. „Damals hatte der Ort 9.000 Einwohner, und am Arenal-Strand gab es nur einen einzigen Kiosk“, erinnert sie sich. „Das erste Restaurant wurde gerade fertig gebaut. Meine Tochter Kitty gab dem Besitzer Deutschunterricht, weil er sich auf die Touristen vorbereiten wollte.“
Kitty sei elf gewesen, als sich die Familie entschloss, ganz herzuziehen. „Damals wurde Tossalet gebaut, die erste Urbanisation in Jávea. Und weil mein Mann ein Sprachtalent war, bot man ihm dort Arbeit an“, erzählt die Deutsche.
Erste Erfolge
Das Paar lebte sich gut ein, und Hildes Mann schrieb sogar eine Zeit lang für die CBN, die damals noch „Hier in Spanien“ hieß. „Einmal suchten wir Pilze im damals noch unberührten Gebiet von Balcón al Mar“, erinnert sie sich. „Und wir fanden so viele, dass er ein Bild in der Zeitung veröffentlichte.“
Hilde war zu jener Zeit in Jávea ein Exot: „Ich glaube es gab nur eine andere Deutsche, die vorher in Madrid gewohnt hatte“, überlegt sie. Und die Preise seien unglaublich gewesen: So kostete ein Liter Wasser neun, ein Liter Wein gar sieben Peseten.
Hilde hatte in Deutschland die Lederabteilung eines Kaufhauses geleitet. „Und Garten und Haushalt haben mich nicht ausgefüllt“, sagt sie. „Deshalb eröffnete ich den Laden 1976, als Kitty etwas älter war.“
Zunächst lief alles optimal. „Die Mütterchen, die damals hier wohnten, brachten mir Orangen, Schinken und Brot, das sie in ihren Holzöfen gebacken hatten“, erzählt sie. Das Geschäft ging gut. Sodass ihr Mann sogar bei ihr einstieg.
Doch dann kam die Katastrophe: Das Ehepaar hatte einen schweren Unfall, bei dem Hildes Mann ums Leben kam und sie schwer verletzt wurde. „Da musste Kitty einspringen, die damals in der Urbanisation Balcón al Mar als Übersetzerin arbeitete. Die war da nämlich gerade in Bau.“
Als sich ihre Mutter Hilde erholt hatte, blieb Kitty bei ihr. „Meine Tochter Jenny ist hier aufgewachsen, wir hatten im Büro einen Laufstall“, erinnert sich Kitty. Deshalb hätten viele Stammkunden die Kleine im Arm gehalten. Das ist Jenny heute oft peinlich: „Es kommen oft Leute herein und sagen, sie hätten mich schon gekannt, als ich noch ein Baby war“, seufzt sie.
Doch auch die 21-Jährige gehört seit zweieinhalb Jahren fest zum Team, in das sie nach Abschluss ihrer Ausbildung einstieg. „Ich fühle mich hier eben wohl“, begründet sie das. „Schließlich war ich schon immer nach Schulschluss hier.“
„Jenny passt zu uns, sie liebt Leder“, meint auch ihre Mutter. „In den Laufstall haben wir sie überhaupt nur gesteckt, weil sie als Baby immer in die Handtaschen biss. Aber nur in die aus echtem Leder.“
Auch eine zweite Leidenschaft teilen die Frauen der Familie. „Wir haben schon vier Hunde aufgelesen“, klärt Kitty auf. „Manchmal nerven sie schon. Aber wenn sie mich stürmisch begrüßen, ist mir egal, ob ich heute eine oder zehn Handtaschen verkauft habe.“
Durchhaltewillen
Denn nach 30 Jahren einer Erfolgsgeschichte steckt das Geschäft heute in einer ernsthaften Krise. Das Problem ist die Altstadtsanierung in Jávea. Da die Arbeiten zunächst scheiterten, haben die Händler schon seit zwei Jahren mit aufgerissenen Straßen zu kämpfen. „In Gegensatz zu vielen anderen haben wir uns aber entschlossen, hier zu bleiben“, sagt Kitty. „Denn unsere Stammkunden – viele kommen von weit her – rufen uns vorher sogar an, um sicher anzukommen.“
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