Einführung der Gemeinschaftswährung brachte Spanien Vorteile, aber auch Probleme
Zehn Jahre nach der Euro-Einführung zeigen sich die Schattenseiten der Gemeinschaftswährung. Foto: dpa
Thomas Liebelt
Alicante
In der Regel lässt die Politik keine Gelegenheit aus, sich selbst zu feiern. Jubiläen sind besonders beliebte Anlässe. Doch 2012 hat sich am 1. Januar zum zehnten Mal ein Ereignis gejährt, von dem nicht wenige meinen, dass es viele weitere Jahrestage möglicherweise gar nicht geben wird: die Einführung des Euro. Die Gemeinschaftswährung bietet derzeit in der Tat mehr Anlass zur Sorge als zur Freude. Das liegt weniger an dem Geld an sich als vielmehr am Zustand einzelner Euro-Länder. So droht im März wieder einmal ein Staatsbankrott in Griechenland. Zu den Sorgenkindern in der Eurozone zählt auch das hoch verschuldete Spanien. So wundert es wenig, dass die Politik das Zehnjährige geflissentlich übergangen hat.
Als Spanien vor zehn Jahren Abschied nahm von der vertrauten Peseta und den Euro einführte, war ein Artikel der absolute Renner im Weihnachtsgeschäft: ein simpler Taschenrechner zum Umrechnen von der alten auf die neue Währung. Denn was damals in Deutschland recht einfach war – kamen ungefähr zwei D-Mark auf einen Euro –, verlangte hierzulande echte Rechenkünste ab: 1 Euro gleich 166 Pesetas.
„Sechs Euro, 1.000 Pesetas“ war eine der Eselsbrücken, die dem spanischen Konsumenten zur Währungsumstellung eingehämmert wurde. Und selbst heute nach zehn Jahren scheint der Abschied nicht gänzlich überwunden. Auf Kassenbons etwa findet sich noch immer auch der Peseta-Betrag. Kein Wunder: Anders als die D-Mark für Deutsche war die Peseta immerhin 133 Jahre lang treue Begleiterin des Spaniers.
Die „gefühlte“ Teuerung
Vielleicht auch wegen der Umrechnungsprobleme erwarb sich der Euro in Spanien ebenfalls schnell den Ruf eines „Teuro“. Wobei die „gefühlte“ Teuerung im Zuge der Einführung des Euro oftmals nicht mit der realen Preissteigerung übereinstimmte, wie Statistiker nachweisen konnten. Wie auch immer: Nach fünf Jahren mit dem neuen Zahlungsmittel zog die Hausfrauen- und Konsumentenvereinigung Ceaccu ein erstes vernichtendes Fazit: Teilweise um 60 Prozent seien die Preise in Spanien seit der Euro-Einführung gestiegen.
Brot etwa, zählte Ceaccu auf, habe sich im Preis verdoppelt. Kostete 2001 die barra 40 bis 45 Pesetas, zahlte man 2007 gut 50 Cent, umgerechnet 83,2 Pesetas. Für einen café con leche, einst für 110 Pesetas zu haben, seien nun im Schnitt 1,30 Euro hinzulegen, meinte die Verbraucherorganisation. Was nach altem Geld 216 Pesetas gewesen wären.
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