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Freitag, 05. September 2008 |
Auf den Spuren der Opfer
Richter Garzón wagt sich an das Tabu der Franco-Diktatur – Geteiltes Echo im Land
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Symbolstätte der Franco-Diktatur: Valle de los Caídos bei Madrid. Foto: EFE |
Hubert Kahl (dpa)
Madrid
Spanische Richter führen Ermittlungen wegen Menschenrechtsverletzungen von Militärdiktaturen in Argentinien, Chile und anderen Staaten Lateinamerikas. Nur an die Verbrechen der Diktatur von Francisco Franco (1939-1975) im eigenen Land wagte die spanische Justiz sich bislang nicht heran. 33 Jahre nach dem Ende der Diktatur will der Madrider Ermittlungsrichter Baltasar Garzón dieses Tabu brechen.
Der Jurist, der vor zehn Jahren mit der Festnahme des chilenischen Ex-Diktators Augusto Pinochet weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, ordnete nun an, ein Verzeichnis der Opfer des Franco-Regimes anzulegen. Er will herausfinden, wo es in Spanien Massengräber von hingerichteten Opfern der Diktatur gibt, wer dort begraben ist und unter welchen Umständen die Betroffenen zu Tode kamen.
Nach einer Schätzung des britischen Historikers und Spanien-Experten Paul Preston ließ Franco im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) und in den ersten Jahren der Diktatur etwa 180.000 politische Gegner hinrichten.
Garzón forderte Ministerien, Stadtverwaltungen und Kirchengemeinden in ganz Spanien auf, ihn aus ihren Archiven mit Informationen über die Massengräber zu versorgen. Wenn die Fakten bekannt sind, will der Richter entscheiden, ob weiter ermittelt wird. Die Initiative gilt als die bislang bedeutendste Aktion der spanischen Justiz zur Aufklärung von Verbrechen des Franco-Regimes.
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