Benidorm gilt als Hochburg des Schwulentourismus – Rathaus gibt eigenen Prospekt heraus
Immer mehr Homosexuelle zieht es zum Strand- und Partyurlaub an die Costa Blanca. Foto: Ángel García
Judith Finsterbusch
Benidorm
Queen Elizabeth hat es an die Costa Blanca verschlagen. Laut scherzend sitzt sie auf der Terrasse des Cafés Refuel in Benidorm, neben ihr Prinz Charles. Der wirkt eher ein bisschen schüchtern, anders als die Queen, die anzügliche Witze und Gesten macht – und ihre unrasierten Beine unter dem Tisch übereinanderschlägt. Männerbeine. Bei den beiden handelt es sich tatsächlich um Engländer, keinesfalls aber um blaublütige, vielmehr fließt wohl regenbogenbuntes Blut durch ihre Adern: Ein britisches Schwulenpärchen, das seinen Urlaub in Benidorm verbringt und offenbar königliche Spitznamen mag.
Am Tisch nebenan sitzt vor der gehissten Regenbogenflagge ein Dreiergrüppchen: John Robinson, Tony Dale und Kevin Elliott. Sie sind um die 50 und kommen seit etlichen Jahren nach Benidorm. Warum? „Weil die Sonne scheint, die Leute gut drauf sind und man sich jedes Jahr wieder trifft. Benidorm ist sehr schwulenfreundlich, es gibt Dutzende Angebote“, erklärt einer von ihnen. „Und natürlich, damit wir Michaels Beine bewundern können“, lacht sein Tischnachbar, als Barbesitzer Michael Doherty gerade in Unterhemd und kurzer, knallroter Hose den Biernachschub auf einem Tablett balanciert. In der Tat kommen immer mehr Touristen aus der Szene – überwiegend aus Großbritannien – in die Stadt, weil sie dort Gleichgesinnte treffen und den Urlaub ohne neugierige oder verächtliche Blicke genießen könnnen.
Werbe für die Nische
Dass Benidorm den Schwulen und Lesben gewogen ist, hat sich mittlerweile auch bis ins Rathaus herumgesprochen. Und das will aus dieser Tourismusnische, die sich quasi ganz von selbst entwickelt hat, ebenfalls Kapital schlagen, will sie – noch – bekannter machen. Also wurde ein Werbeprospekt speziell für die Zielgruppe entwickelt, der erste offizielle, der sich explizit an schwule und lesbische Touristen richtet. Ihn zieren die Fotos lachender Männer und Frauen, Postkartenmotive mit Benidorm-Ansichten und der Slogan „Open, 365 días, 24 horas“.
Im Innenteil sind 32 Bars, Restaurants, Discos, Hotels und Cafés aufgeführt, allesamt mindestens schwulenfreundlich, zumeist ausschließlich von Homosexuellen besucht. Offenbar kommt das gut an, bei der Tourismusmesse in Barcelona gewann Benidorm im April den nationalen Tourismuspreis – die Preisverleihung ging im „pink corner“ (rosa Ecke) über die Bühne, in der Benidorm erstmalig den „gay guide“ präsentierte.
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