Alter Stil: Jesús Almenara führt eines der ältesten Geschäfte in Valencia.
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Kristin Suleng
Valencia
Valencia galt als Stadt der Kleinhändler. Die „ciudad dels botiguers“ zählte 1909 sage und schreibe 1.800 Einzelhandelsgeschäfte. An weniger als 20 von diesen Pionieren des valencianischen Einzelhandels hängt heute noch das Schild „abierto“ (geöffnet) an der Eingangstür. Viele von ihnen trotzen dem Zeitgeist mit viel Liebe zum Detail und wirken wie kleine Museen, in denen über Generationen hinweg das ursprüngliche Mobiliar, die alten Bilder und Anekdoten gepflegt worden sind.
Zwei geflügelte Löwen mit Drachenkopf umfassen mit ihren Pranken zwei Töpfe. So sieht von jeher das Sinnbild des Ladens „Las Ollas de Hierro“ (Die Eisentöpfe) in der Altstadt an der Plaza de Redonda aus – dort wo sich die Straßen Derechos und Jofrens kreuzen. „Es ist einfach, etwas zu verkaufen, aber schwierig, einen Kunden zu gewinnen“, sagt Jesús Almenara. Es ist nicht so, dass Jesús Almenara, sein Vater oder seine Großtante in dem 1793 gegründeten Geschäft jemals auch nur einen Eisentopf an den Mann gebracht hätten. „Las Ollas de Hierro“ bietet religiöse Figuren und Posamente feil – textile Accessoires für Uniformen und Trachten aller Art, etwa für die Fallas-Kostüme. Früher jedoch wurden im alten Gebäude Töpfe aus Marseille zwischengelagert, um sie in den umliegenden Dörfern zu verkaufen. Von dort kommen die meisten Kunden von Jesús Almenara. „Wir exportieren aber auch europaweit Konfektionsstoffe für Umhänge und Stickereien“, versichert Alemenara.
Geschäft mit der Fiesta
Sein tägliches Brot aber sind die religiös geprägten Fiestas. Hohe Zierkämme für die Fallas-Haarmode füllen die Regale, handgefertigte Schutzheilige und Marienfiguren aus Kork zieren die Auslagen. Während die Zedernholzschränke und der Ladentisch seit 150 Jahren darin stehen, wandelt sich die Dekoration ständig mit dem Lauf der Jahreszeiten und dem Rhythmus des Fiesta-Kalenders. So machen bereits im Januar die Krippenfiguren den Fallas-Utensilien im Laden Platz. „Wenn jemand im April hereinkommt und das nächste Mal wieder im November den Laden betritt, meint er, er sei in einem anderen Geschäft“, sagt Almenara.
In den 1790er Jahren verschlug es einen französischen Konfektionshändler nach Valencia, der nach der Französischen Revolution um seinen Kopf fürchten musste. An der Plaza Redonda gründete er seine neue Existenz. Mehr als sieben Eigentümer handelten im „Las Ollas de Hierro“ im Laufe seines über 200-jährigen Bestehens. Kurioserweise ging der Betrieb meist an Neffen über. „Seit fast 70 Jahren gehört das Geschäft meiner Familie. Meine Großtante übergab es in den 1960er Jahren an meinen Vater.“
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