Valencias Stadtviertel bewahren ihre historischen Zentren und Vergangenheit als Huerta-Gemeinden
Malerische Beschaulichkeit im Campanar-Viertel.
Foto: Kristin Suleng
Kristin Suleng
Valencia
An der Plaza de la Iglesia in Campanar schießt Andrea Barzan, Tourist aus Venedig, Fotos vom Glockenturm und der Fassade der im 15. Jahrhundert erbauten Pfarrkirche Mare de Déu de la Misericordia. „Ich besichtige gern Orte, die weniger touristisch sind als die Plaza de la Virgen oder Ciudad de las Artes y las Ciencias“, sagt er.
Um die Plaza herum verteilen sich alte Häuser, manche mit einem Hauch von Jugendstil. In den Straßen rund um den Dorfkern rührt sich nichts. „Campanar, das ist eine Oase des Friedens, ein Dorf in einer Stadt. Es wirkt fast wie ein Freiluftmuseum, in dem das Leben in den 1950er Jahren eingefangen wurde, das aber kein Reiseführer je erwähnt hat“, erzählt Historiker Eduard Pérez Lluch.
Doch Campanar ist längst kein Dorf mehr, die Stadt Valencia hat es verschluckt. Auf der anderen Seite der Avenida, die an dem ländlichen Kleinod vorbeiführt, ragen gewaltige orangefarbene Wohntürme in die Höhe, ausgestattet mit den obligatorischen eingezäunten Gartenanlagen und Schwimmbecken. In Nou Campanar wohnen Familien der oberen Mittelschicht und die Söhne und Töchter der Landwirte, die vor Jahren ihren Grund gegen eines der sündhaft teuren Apartments eintauschten.
Die Stadt Valencia hat sich etliche der kleinen historischen Zentren seiner Umgebung einverleibt. Ein Rundgang durch diese ehemaligen Dörfer bedeutet ein Rundgang durch die Geschichte. „Valencia kennt sich eigentlich selbst noch nicht. Über Jahrhunderte gab es diese Dualität zwischen denen, die innerhalb, und denen, die außerhalb der Stadtmauern wohnten. Und beide Gruppen wissen noch heute herzlich wenig voneinander“, sagt Pérez Lluch.
Campanar verleibte sich die Großstadt Valencia 1897 ein, plötzlich war es keine eigenständige Gemeinde mehr, sondern nur ein „Lloc“ – was so viel wie Ortschaft bedeutet und die Huerta-Dörfer bezeichnet, die in einem Radius von fünf Kilometern vor den Stadtmauern Valencias liegen.
Noch heute sagen Bewohner, die jenseits der einstigen Befestigungsanlagen und des Turia-Flusses wohnen, „wir gehen nach Valencia“, wenn sie diese Grenze überschreiten. Und das obwohl sie längst mittendrin wohnen in der Stadt. „Der Turia markierte, was Stadt und was Dorf war“, sagt Pérez Lluch. Der Historiker wurde in den 60er Jahren geboren und gehört der letzten Generation an, die das ländliche Leben in Campanar mit seiner einst 100.000 Hektar großen Huerta noch erlebt hat.
Einige Landhäuser und die Mühlen der Huerta wie die von El Pouet stehen heute noch zwischen den Wohnblocks und Alleen von Nou Campanar. „Man hat die Gelegenheit versäumt, in dem Viertel die traditionelle Bauweise zu bewahren. Campanar fehlt heute jede Persönlichkeit, als ob es irgendein Viertel in irgendeiner Stadt wäre“, beklagt Pérez Lluch.
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