Bunte Einigkeit für Klima

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Nicht das Klima, die Gesellschaft soll sich ändern. 6. Dezember in Madrid. Foto: RTVE

Madrid – mar. Zigtausende Menschen nahmen am Freitag in Madrid am „Marsch für das Klima“ teil, eine Aktion der Zivilgesellschaft, um den beim bis 13. Dezember stattfindenden UN-Klimagifpfel tagenden Staats- und Regierungschefs Beine zu machen. Die Nationalpolizei sprach von 15.000, die Veranstalter von 500.000, unabhängige Beobachter von rund 100.000 Teilnehmern aller Altersklassen.

Im medialen Zentrum stand die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die per Boot drei Wochen über den Atlantik fuhr, um an dem Event teilnehmen zu können. Sie sprach bei der Abschlusskundgebung in Richtung Politik davon, dass der „Klimawandel kommt, ob es euch passt oder nicht“ und „die politischen Führer verraten uns, es reicht“. Sie fordert, ebenso wie die teilnehmenden Organisationen „echte Maßnahmen“, statt warmer Worte. „Wir wollen Action sehen“, so die 16-jährige.

Zu den Rednern gehörte auch der Schauspieler Javier Bardem, der von der Bühne aus von den „Dummen“ an der Macht sprach und dabei namentlich US-Präsident Trump sowie den Madrider Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida nannte, die sich weigern würden, Schaden von der Menschheit abzuhalten. „Ihr braucht keinen Klimanotstand erklären, wenn ihr nicht aktiv werdet“, kritisierte die ugandische Aktivistin Vanessa Nakate den medialen Aktionismus der EU.

Reden, aber auch Plakate und Sprechchöre machten klar, dass die Klimabewegung eine soziale Bewegung darstellt, die Machtmechanismen und Systeme, aber auch Lebensgewohnheiten der Wohlstandsgesellschaften in Frage stellt. Gerade Letzteres erklärt auch den oft blinden Hass, der der Bewegung und in persona Greta Thunberg entgegenschlägt.

„Ändert das System, nicht das Klima“. Namentliche Proteste gab es auch gegen den chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera: „Mörder wie Pinochet“, „Gib die Augen zurück“, hieß es auf Transparenten. In Chile hatten bei wochenlangen, immer noch anhaltenden sozialen Protesten gegen einen repressiven, neoliberalen Staat mindestens 200 Menschen ihr Augenlicht durch Gummigeschosse oder Gaspatronen der Carabineros verloren. Diese Unruhen waren auch der Grund, warum der Gipfel kurzfristig nach Madrid verlegt wurde.

Morde an Umweltaktivisten in Kolumbien wurden ebenso thematisiert wie die Regenwald zerstörende Politik des rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro oder das „Fracking“ in den USA.

Umweltgruppen wiesen darauf hin, dass „die Fleischproduktion der Hauptgrund für den Klimwandel“ sei und daher „Veganismus der Weg ist“. Der „Planet ist für alle da“, also nicht nur für den Menschen. Andere Teilnehmer versuchten Zauderer und Leugner mit lebensnahen Argumenten für die Bewegung zu ködern: „Ohne den Planeten gibt es auch keine Kroketten“ oder „Auch das Bier kommt aus der Natur“.

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