Franco wird im Juni umgebettet

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In dem Monument bei Cuelgamuros in der Nähe von El Escorial in der Sierra de Guadarrama befinden sich die Grabstätten des Diktators Francisco Franco und des Gründers der faschistischen Bewegung Falange, José Antonio Primo de Rivera. Foto: dpa

Madrid – dpa. Trotz vieler Proteste soll Diktator Francisco Franco (1892-1975) in Spanien mehr als vier Jahrzehnte nach seinem Tod aus dem Grab geholt werden. Man werde den Leichnam am 10. Juni in dem Mausoleum im sogenannten „Tal der Gefallenen“ nordwestlich von Madrid exhumieren, um ihn umzubetten, teilte die sozialistische Regierung am Freitag in der Hauptstadt mit. Noch am selben Tag solle die Familie des Gewaltherrschers die Gebeine auf dem Pardo-Friedhof nördlich der Hauptstadt neu bestatten, erklärte die stellvertretende Regierungschefin Carmen Calvo vor Journalisten.

Die Familie des Diktators hat zwar beim Obersten Gericht in Madrid eine zeitweilige Aussetzung der Exhumierung beantragt, und die Richter haben sich noch nicht dazu geäußert. Aber die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez ist nach Berichten gut informierter Medien davon überzeugt, dass das „Tribunal Supremo“ ihr keine Steine in den Weg legen wird.

Mit Blick auf die für den 28. April angesetzte Neuwahl des Parlaments könnte Sánchez mit diesem Vorstoß viele Punkte sammeln. Beobachter glauben, dass er damit zahlreiche bisherige Wähler der linken Protestpartei Unidos Podemos dazu bringen kann, für seine Sozialistische Arbeiter-Partei PSOE zu stimmen und so eine Machtübernahme einer konservativen Koalition zu verhindern. „Franco nimmt nun endgültig am Wahlkampf teil“, kommentierte die Digitalzeitung „El Confidencial“.

Seit vielen Monaten hält in Spanien ein heftiger Streit um die Umbettung an. Sánchez hatte kurz nach seiner Amtsübernahme im Juni 2018 angekündigt, die Leiche an einen anderen Ort bringen zu wollen. Bis heute ist das gigantische Mausoleum mit dem 155 Meter hohen Granitkreuz eine Pilgerstätte für Menschen, die den toten Diktator verehren und rechtsextremes Gedankengut pflegen.

Aber nicht nur Rechtsextreme und die Enkel des Diktators zogen in den vergangenen Monaten gegen die Pläne von Sánchez zu Felde. Auch Vertreter der Kirche und konservative Politiker erhoben Protest. Pablo Casado, Chef der Volkspartei (PP), bezeichnete es als „unverantwortlich, bereits geheilte Wunden wieder aufzureißen“. Die einflussreiche rechte Tageszeitung „ABC“ sprach von „Revanchismus“.

Eine echte Aufarbeitung der Vergangenheit, der Unterdrückung großer Bevölkerungsteile während der Diktatur (1939-1975) hat es in Spanien bis heute nicht gegeben. Auch nach dem Tod des Generals im November 1975 war es in Spanien nahezu tabu, über Franco und die Diktatur zu sprechen. Es war eine Art stillschweigender Pakt, der dazu beitragen sollte, den Prozess der Demokratisierung möglichst konfliktlos zu bewältigen. Nach dem Amnestiegesetz von 1977 blieben die schrecklichen Verbrechen der Diktatur ungestraft.

Den 43. Todestag des „Caudillo“, des „Führers“, begingen Anhänger am 20. November vorigen Jahres unter anderem mit zahlreichen katholischen Messen im ganzen Land. Vor einer Kirche an der Madrider Nobel-Shoppingmeile Calle Serrano hoben viele ungeniert den rechten Arm zum Faschisten-Grruß und sangen Hymnen des Regimes. Dabei erklangen Rufe wie „Viva Franco!“ und „Viva España!“.

Calvo betonte, die Umbettung erfolge im Rahmen des „Gesetzes des historischen Gedächtnisses“ von 2007. Sie werde einer „sonderbaren Situation“ ein Ende bereiten, bei der in Spanien einem Diktator öffentlich gehuldigt werden könne. Das sei unter anderem von den Vereinten Nationen kritisiert worden. Sánchez hatte zuvor erklärt: „Ich denke, dass es in einer reifen, europäischen Demokratie wie der unseren keine Symbole geben darf, die die Spanier trennen.“ Das Mausoleum solle zu einem „Ort der Versöhnung“ werden.

Die Sozialisten wollen am 10. Juni kein Medienspektakel veranstalten. Weder Medienvertreter noch Öffentlichkeit würden der Umbettung beiwohnen dürfen, sagte Calvo. Man werde auch keine Fotos oder Film- und Tonaufnahmen veröffentlichen, denn man wolle „die Intimität der Familie“ von Franco schützen.

Die Umbettung war vom Ministerrat im vorigen August beschlossen worden. Die Familie des Diktators hatte bis zuletzt mitgeteilt, sie wolle einer Exhumierung nur dann zustimmen, wenn der Leichnam in ein angekauftes Familiengrab in der Almudena-Kathedrale gebracht werde. Die Regierung entgegnete mehrfach, man werde eine Verlegung in dieses Gotteshaus im Zentrum Madrids nicht zulassen.

Im Mausoleum in der Sierra de Guadarrama, das von 1940 bis 1959 von 20 000 Zwangsarbeitern in den Fels getrieben wurde, ruhen neben dem Diktator auch Zehntausende Opfer des von Franco durch einen Militärputsch ausgelösten Bürgerkriegs (1936-1939). Die Leiche Francos befindet sich unter der 52 Meter hohen Basilika-Kuppel. Der Ort 60 Kilometer nordwestlich von Madrid wird jährlich von rund 400 000 Menschen besucht, darunter auch von vielen Franco-Anhängern.

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