Gib was auf die Birne

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Die Birnen aus Lleida sind etwas ganz besonderes. Eine Obsthändlerin musste das am eigenen Leib erfahren. Die Konsequenzen hätte sie sich wohl in ihren kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Foto: dpa

A Coruña – sk. Diese Geschichte aus Katalonien hat sich in Galicien zugetragen. Ein unbekannter Mann platzte in den Obst-und Gemüseladen von Sandra Castro und beleidigte die Inhaberin wüst, weil sie Birnen aus Lleida im Sortiment hat. Der 70-Jährige geriet immer mehr in Rage, verlangte, das separatistische Obst müsse aus der Auslage verschwinden. Sandra Castro fühlte sich zunehmend bedroht, griff zu ihrem Handy, um den Mann zu fotografieren. Da schlug er ihr mehrmals mit der Faust in Gesicht, entriss ihr das Handy und wollte auf und davon. Sandra Castro packte ihn am Arm, weil sie ihr Handy nicht verlieren wollte. Der Mann zerrte sie auf die Straße hinaus, Castro schrie am helligten Tag auf einer belebten Straße um Hilfe. Niemand kam, das Gerangel mit dem erbosten Senior ging weiter, bis schließlich ein junger Mann zu Hilfe eilte und die Gemüter beruhigen konnte. Der alte Herr gab das Handy heraus, leugnete aber, Sandra Castro geschlagen zu haben. Ihr Gesicht sprach eine ganz andere Sprache.

Sandra Castro erstattete Anzeige, die Polizei nahm den Fall auf, der Täter konnte identifiziert werden und die Presse berichtete darüber. Tage später nahmen die Dinge einen kuriosen Verlauf. Es kamen auf einmal immer mehr Kunden, so viele wie nie zuvor. Sie wollten alle Birnen aus Lleida kaufen. Im Nu war das Obst aus Katalonien weg. Sandra Castro erhielt Briefe von Katalanen und aus Katalonien, Blumen, Olivenöl und Glückwünsche. Ja, sie bekam sogar eine große Obstlieferung von Lleida Fruits, die sie überhaupt nie bestellt hatte.  Frutas Sandra gilt im Internet inzwischen als Trendladen, kann eine Bewertung von fünf Sternen und eine aberwitzge Anzahl von Kommentaren darunter vorweisen. Sogar das Fernsehen schaute vorbei.

Sandra Costra konnte mit ihrer geschwollenen Nase wenig mehr dazu sagen, als dass sie Obst der Saison verkauft und natürlich versucht, zu jeder Jahreszeit die beste Ware anzubieten unabhängig davon, wo Obst und Gemüse wachsen. “Meine Kakis sind aus Valencia. Wenn es dort Probleme geben sollte, soll ich sie dann nicht mehr verkaufen? Bestimmt nicht”, sagt sie. An dem Vorfall, der sie so erschrak, dass sie zurzeit in Begleitung ihres Vaters zur Arbeit geht, bedauerte sie, dass es so lange dauerte, bis ihr jemand wie jener junge Mann zu Hilfe kam.

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