Nadal-Djokovic vertagt

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Rafa Nadal verlässt den Tennisplatz. Er spielt das Halbfinale gegen Djokovic erst am Samstag weiter. Foto: Jonathan Brady/dpa

London – dpa. Nach dem zweitlängsten Spiel der Turniergeschichte in Wimbledon werden auch die Tennis-Stars Rafael Nadal und Novak Djokovic eine Extraschicht schieben müssen und ihr Halbfinale erst am Samstag beenden. Ihre Partie wurde am Freitagabend um kurz nach 23 Uhr Ortszeit in London bei einer 2:1-Satzführung für den früheren Weltranglisten-Ersten Djokovic abgebrochen. Der Serbe führte zu dem Zeitpunkt gegen den spanischen French-Open-Gewinner Nadal mit 6:4, 3:6, 7:6 (11:9).

In Wimbledon darf wegen der Anwohner offiziell nur bis 23 Uhr gespielt werden. Die ungewöhnliche Verschiebung des Halbfinals ergab sich dadurch, dass sich der südafrikanische Tennisprofi Kevin Anderson und der US-Amerikaner John Isner zuvor ein Marathonmatch geliefert hatten – das längste Halbfinale der Wimbledon-Geschichte.

In 6:36 Stunden gewann der 32-jährige Anderson mit 7:6 (8:6), 6:7 (5:7), 6:7 (9:11), 6:4, 26:24.

Nadal und Djokovic boten anschließend unter geschlossenem Dach drei Sätze lang beste Tennis-Unterhaltung mit hochklassigen Ballwechseln. Das Duell soll nun am Samstag um 14 Uhr MESZ fortgesetzt werden. Im Anschluss und nicht vor 15 Uhr MESZ (Sky und ZDF) beginnt das Damen-Finale zwischen der Kielerin Angelique Kerber und der US-Amerikanerin Serena Williams.

Der Weltranglisten-Achte Anderson erreichte zum ersten Mal das Endspiel des berühmtesten Rasenturniers der Welt, das an diesem Sonntag ausgetragen wird. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, meinte der US-Open-Finalist von 2017 anschließend. „Einer muss gewinnen. John ist ein großartiger Junge, ich habe wirklich Mitleid mit ihm.“

Der Weltranglisten-Zehnte Isner bleibt ein Spieler für besondere Momente und ist nun an den beiden längsten Partien auf der berühmten Tennis-Anlage im Südwesten Londons beteiligt. Unvergessen ist das längste Match der Tennis-Geschichte 2010, in dem Isner in der ersten Runde über drei Tage nach 11:05 Stunden mit 70:68 im fünften Satz gegen Nicolas Mahut gewann.

Das bisher zweitlängste Match zwischen Marin Cilic und Sam Querrey überboten die beiden Kontrahenten an einem denkwürdigen Tag um 65 Minuten. Der Kroate und der US-Amerikaner hatten sich 2012 in der dritten Runde 5:31 Stunden gegenübergestanden. Den Rekord für das längste Wimbledon-Halbfinale hatten die beiden Kontrahenten beim Matchball längst pulverisiert, er lag bei 4:44 Stunden.

Anderson hatte im Viertelfinale am Mittwoch trotz eines 0:2-Satzrückstands und eines Matchballs gegen sich den Schweizer Roger Federer geschockt und den Topfavoriten und Publikumsliebling im fünften Satz mit 13:11 aus dem Turnier genommen.

Zwischen Anderson und Isner dauerte allein der fünfte Satz 175 Minuten. Isner legte stets vor, mit stoischer Ruhe zog Anderson immer wieder nach. Bei 24:24 gelang dem Südafrikaner dann ein kurioser Punktgewinn, als er auf den Rasen plumpste, sich aufrappelte, den Schläger für einen Schlag in die linke Hand wechselt und dann von einem Fehler seines Gegenübers profitierte.

Kurz darauf stand es 0:40 bei Isners Aufschlag, einen Breakball wehrte er noch ab, dann landete eine Rückhand im Netz. Bei eigenem Aufschlag ließ sich Anderson den Finaleinzug nicht mehr nehmen. Er ist nun der erste Südafrikaner im Endspiel von Wimbledon seit Brian Norton im Jahr 1921.

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