Ryanair streikt

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Im September könnte das Ryanair-Personal in Spanien streiken. Foto: dpa

Madrid – sk. Nun fliegt die Ungewissheit mit: Ryanair hat die zeitnah die Schließung der drei Basen auf den Kanaren sowie der in Girona zum 8. Januar 2020 angekündigt. Damit schultert Spanien den größten Teil des Sparplans, mit dem der Billigflieger den wirtschaftlichen Schaden ausgleichen will, den angeblich die Verspätung der Inbetriebnahme der Boeing 737 Max sowie die höheren Kosten bei Personal und Treibstoff versucht haben.

Damit müssen 512 Angestellte um ihren Job fürchten, vor allem Flugpersonal und Piloten der Basen Las Palmas, Tenerife Sur und Lanzarote. Mit dieser Ankündigng sinken die Chancen gewaltig, die zehn Streiktage im September noch abzuwenden. Die Gewerkschaft USO hat den 1., 2., 6., 8., 13., 15., 20., 22., 27. und 29. spanienweit den Streik ausgerufen, praktisch jeden Freitag und Sonntag im September.

Auch die Piloten wollen sich nach Angaben der Gewerkschaft Sepla diesem Streik anschließen, ohne aber bisher Zeitpunkte veröffentlicht haben. Ryanair-Passagiere müssen im September spanienweit mit Änderungen bei ihren gebuchten Flügen rechnen falls sie aus- oder einreisen. Beim jüngsten Ryanair-Streik am 25. und 26. Juli 2018 wurden rund 400 Flüge abgesagt, wovon wiederum über 100.000 Passagiere am Boden blieben. Da könnten chaotische Verhältnisse auf Spaniens Flughäfen zukommen.

Residenten wie Touristen auf den Kanaren versetzt Ryanair damit auch einen schweren Schlag. Die spanische wie kanarische Reigerung wollen zusammen mit dem Flughafenbetreiber Aena Verhandlungen mit der Fluggesellschaft in der ersten Septemberhälfte aufnehmen, um sie zu einer Kursänderung zu bewegen. Die mittelfristigen Folgen für den Tourismus auf den Kanaren dürften deutlich zu spüren sein, sollte diese günstige Verbindung zur Iberischen Halbinsel und nach Europa eingeschränkt werden. “Für uns ist diese Verbindung von den Inseln nach Europa sehr wichtig, deswegen hoffen wir, dass die Folgen der Entscheidung so gering wie möglich ausfallen”, sagte Staatssekretärin Isabel Oliver. Den Billigflieger aber mit Subventionen oder Förderungen zum Bleiben auf den Inseln zu bewegen, schloss sie aus.

Ryanair hat in den vergangenen zehn Monaten zweimal vor einem Einbruch des Geschäftsergebnisses gewarnt. Die Rede ist von 41 Prozent in den vergangenen zwei Jahren. Da spielt nicht nur die Untersuchung der Unfälle der Boeing 737 Max eine Rolle, die dieses Modell auf dem Boden hält, sondern auch der Brexit sowie die “Überkapazität” was die Kurzstreckenflüge in Europa anbelangt. Die Verhandlungen für das angekündigte Ausstellungsverfahren sollen am 8. September beginnen. Der Konzern versichert, mit freiwilligen Versetzungen und anderen Maßnahmen zu versuchen, möglichst viele Jobs zu erhalten.

Weitere Streiks

Nicht nur Ryanair streikt. Am Flughafen El Prat in Barcelona legt das Bodenpersonal von Iberia am 30. und 31. August die Arbeit nieder. Auch das Bodenpersonal von Iberia am Barajas-Flughafen will sich am 30. und 31. August diesem Streik anschließen, wobei diesbezüglich noch Verhandlungen laufen. Den Flughafen von Bilbao könnte dieser Streik am 8. und 9. September erreichen. Der Streik des Bodenpersonals betrifft nicht nur Iberia, sondern das Personal fertigt vor allem auch Vueling sowie British Airways, Aer Lingus und Level ab.

Am 30. August und 1. September streiken auch die Renfe-Mitarbeiter. Viele Züge insbesondere in den Zeitfenstern 12 bis 16 Uhr und 20 bis 24 Uhr könnten ausfallen oder sich verspäten.

Entschädigung

Verbraucherschutzgesellschaften und das Verkehrsministerium weisen darauf hin, dass von Streik betroffene Passagiere eine Entschädigung von 250 bis 600 Euro wegen Nichterfüllung des Vertrags zustehen, unabhängig davon, ob Ryanair Betroffenen einen anderen Flug zuweist oder mindestens 14 Tage vor Abflug die Rückerstattung des Ticket-Preises anbietet. Diese Entschädigung gilt es gegenüber der Fluggesellschaft Ryanair einzufordern. Allerdings zahlt Ryanair seit dem Streik im Sommer 2018 diese Entschädigungen nicht mehr automatisch aus. Man muss den Rechtsweg beschreiten. Der Erfolg hängt davon ab, ob die Gerichte die Streiks als einen “außergewöhnlichen Umstand” einschätzen oder nicht. Unter “außergewöhnlichen Umständen” versteht man normalerweise unvorhersehbare klimatologische Verhältnisse, nicht unbedingt angekündigte Streiks. Dennoch gibt es in solchen Fällen Urteile, die im und gegen die Interessen der Passagiere ausfielen. Die Verbraucherschutzorganisation OCU hat eine Sammelklage angekündigt, der sich Betroffene anschließen können.

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