Spanien bietet Hafen für „Open Arms“ an

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Kleinkinder kurz vor ihrer Evakuierung von der "Open arms". Foto: Proactiva

Madrid – mar. „Auf was wollen Sie noch warten, auf Tote?“ fragt der Kapitän des Rettungsschiffs „Open Arms“ in Richtung des italienischen Innenministers Mateo Salvini, der, trotz eines gegenteiligen Gerichtsurteils, das Einlaufen des Schiffs in italienische Gewässer weiterhin verbietet.

Seit Anfang August kreuzt die Open Arms, völlig überladen auf dem Mittelmeer auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Die Menschen an Bord, teils seit Monaten auf der Flucht, ließen in Libyen, Folter, Raub und Vergewaltigungen hinter sich. Ein Zurück gibt es daher nicht. Der nächste sichere Hafen wird einer der Europäischen Union sein.

Trotz Salvinis Verboten wurden in den letzten Tagen 27 Minderjährige sowie mehrere Kinder, Frauen und schwer Erkrankte von Rettungskräften vom Schiff evakuiert. Italienische Behörden ignorierten damit aus humanitären Gründen das Verdikt des Innenministers, der bereits mehrfach durch fremdenfeindliche, rassistische und andere inhumane Äußerungen und Handlungen von sich Reden und auf Kosten der Schwächsten Politik machte.

Spaniens amtierender Regierungschef Pedro Sánchez hat am Sonntag den Hafen von Algeciras als Aufnahmehafen für die 107 verbliebenen Flüchtlinge an Bord der „Open Arms“ angeboten. Nach langer Denkpause. Auf Twitter sagte er, dass „Spanien immer auf humanitäre Notsituationen reagieren“ werde, es aber auch „notwendig ist, eine geordnete, solidarische europäische Lösung zu schaffen, welche die Herausforderungen der Einwanderung meistert, im Rahmen der Europäischen Werte des Humanismus.“

Die Regierung ließ verlautbaren, dass die Entscheidung der italienischen Regierung auf komplette Sperrung ihrer Häfen für aus Seenot gerettete Nichteuropäer „nicht nachvollziehbar“ sei. Im Übrigen verstößt sie gegen internationales See- und die allgemeinen Menschenrechte. Aus Kreisen des spanischen Innenministeriums verlautbart, dass man eine Klage gegen Italien vor internationalen Gerichten „zumindest nicht mehr ausschließt“.

Laut Auskunft von Medien an Bord der „Open Arms“, ist die Situtation dort so verzweifelt, dass sich Menschen ins Wasser stürzen, um schwimmend ins nahe Lampedusa zu gelangen. Die Fahrt ins andalusische Algeciras würde weitere sechs bis sieben Tage dauern. Das ist der Hauptgrund, warum die „Open Arms“ das Angebot am Sonntagnachmittag dankend ablehnte.

Von den 107 Geretteten würden indes nur zehn Prozent in Spanien ihren Asyl- und anderen Prüfungsverfahren zugeführt, denn weitere sechs europäische Länder, darunter Luxemburg, Deutschland, Rumänien, Frankreich haben ihre Bereitschaft zur Aufnahme eines Kontigentes erklärt.

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