Verfassungsgericht kippt Stierkampfverbot

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Protest gegen Stierkampf in Pamplona. Foto: dpa

Madrid/Barcelona – tl. Das Verfassungsgericht in Madrid hat heute das seit 2012 geltende  Stierkampfverbot in Katalonien gekippt. Der Stierkampf gehöre zum kulturellen Erbe Spaniens, heißt es in der Urteilsbegründung. Über ein Verbot könne demnach nur die Zentralregierung in Madrid entscheiden und nicht eine Regionalregierung. Insofern sei das Verbot in Katalonien verfassungswidrig.

Im Sommer 2010 hatte das katalansiche Landesparlament in Barcelona über eine Petition von rund 180.000 Tierschützern beraten und nach mehrtägiger Debatte ein Verbot von Stierkämpfen – allerdings nicht von Stiertreiben – beschlossen. 2012 trat das Verbot in Kraft. Sofort formierte sich Widerstand – mit Unterstützung der Regierung Rajoy. So wurde der Stierkampf mit der absoluten Mehrheit der konservativen Volkspartei (PP) im Parlament zum „immateriellen Kulturgut“ Spaniens erklärt. Die Regierung reichte Verfassungsklage ein.

Nicht nur Tierschützer dürften nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts jetzt außer sich sein. Auch die Befürworter eines unabhängigen Kataloniens werden sich nach dem Urteil in ihrer Meinung bestätigt sehen, dass Madrid die Region nur gängeln will. Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau sagte in einer ersten Reaktion: „Das Verfassungsgericht kann sagen, was es will. Wir werden Tierquälerei verbieten.“

Derweil bleibt offen, was aus dem Stierkampfverbot auf den Kanaren wird. Dort gibt es bereits seit 1991 keine Corridas mehr.

 

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