Der kleine König in Madrid

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Die deutsche Spaltung als Folge des Zweiten Weltkrieges. Zonenübergang in Berlin. Foto: BILD/Klessinger
Mar. 30 Jahre Mauerfall. Ein epochales Ereignis für Deutschland und Europa – und für viele ganz persönlich. Doch immer mehr Menschen kennen die DDR nur noch vom Hörensagen, bald schon ist die zweite Nachwendegeneration volljährig. Für die, die dabei waren, ist es, als sei der 9. November 1989 gestern gewesen. Die CBN würdigt das Jubiläum mit einem Überblick über die offiziellen, teils absurden Beziehungen zwischen Spanien und der DDR sowie einem ganz persönlichen Rück- und Einblick in ein Kapitel Alltagsgeschichte.
Operation Bolero-Paprika
Anfang der 50er Jahre kamen rund 500 spanische Republikaner, vor allem Mitglieder der verbotenen Kommunistischen Partei, PCE, in die DDR. Sie waren nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936 bis 39) in höchster Not nach Frankreich geflohen, viele von ihnen kämpften dort später gegen die deutsche Besatzung. Doch jetzt galten sie der französischen Regierung als fünfte Kolonne der stalinistischen Sowjetunion und mussten weg. Die DDR nahm sich ihrer an, die Aktion lief unter dem absurden Decknamen „Bolero-Paprika“.

Sie waren zunächst sehr willkommen, konnte man so nicht nur einmal mehr den Franco-Faschismus brandmarken, sondern auch das angeblich demokratische Frankreich als Komplizen vorführen. Der Antifaschismus der DDR-Führung war zunächst echt, über die deutschen Spanienkämpfer, von denen nicht wenige jetzt den Ton im „demokratischen“ Deutschland angaben, gab es auch emotionale Bande. Mit der Zeit verkam er allerdings immer mehr zum starren Kult, einem Fetisch der Selbstrechtfertigung, einschließlich aller Untaten.

Auch die Begeisterung der Machthaber für die spanischen Neubürger kühlte sich bald ab, als diese nicht zur Niederschlagung der Volksaufstände 1953 in der DDR oder 1956 in Ungarn jubelten. Die alten Kampfgenossen, die noch dazu in den Westen reisen konnten, wurden zum Teil selbst Objekte der Überwachung.

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