Innenminister hält Terrorzelle für zerschlagen – Mossos nicht

0
276
Die Fahndung geht weiter: Kontrolle an der spanisch-französischen Grenze. Foto: Bob Edme/dpa

Barcelona – dpa/tl. Nach dem Anschlag von Barcelona hält die spanische Regierung die Terrorzelle für zerschlagen. Dies sagte Innenminister Juan Ignacio Zoido am Samstag vor Journalisten. Darin hätten die Sicherheitsexperten der Madrider Regierung auf einem Treffen übereingestimmt. „Wir können sagen, dass die Zelle von Barcelona total zerschlagen ist – und zwar auf der Grundlage der Personen, die ums Leben gekommen sind oder die festgenommen worden sind, sowie aufgrund der Identifizierungen, die vorgenommen wurden“, so Zoido. Die spanische Regierung lehnte es auch ab, die Terrorwarnstufe anzuheben.

In Spanien gilt bereits seit zwei Jahren die zweithöchste Terrorwarnstufe 4. Sie bedeutet, dass ein „erhebliches Risiko eines terroristischen Anschlags“ besteht. Allerdings würden die Sicherheitsvorkehrungen ab sofort verschärft, kündigte Zoido an. Einzelheiten wollte er aus Sicherheitsgründen nicht nennen.

Die katalanische Landespolizei Mossos d’Esquadra wollte die Worte des spanischen allerdings nicht bestätigen. Albert Oliva, Sprecher der Mossos, sagte gegenüber der Zeitung „El País“: „Wir werden das weder dementieren noch bestätigen. Wir Mossos leiten zusammen mit der Nationalpolizei und der Guardia Civil die Ermittlungen. Wenn wir die Terrorzelle für zerschlagen halten, werden wir das mitteilen.“

Unterdessen ist der Haupttäter des Terroranschlags allerdings möglicherweise noch auf freiem Fuß. Medienberichten zufolge richtet sich die Aufmerksamkeit der Polizei auf einen derzeit flüchtigen 22 Jahre alten Marokkaner. Dabei handele es sich um den Bruder eines der getöteten Terrorverdächtigen von Cambrils. Demnach stammt er aus Ripoll rund 100 nördlich von Barcelona.

Die Ermittler gehen derzeit von einem Netzwerk von zwölf Verdächtigen aus. Fünf von ihnen wurden in Cambrils getötet, vier wurden festgenommen. Drei weitere sind noch nicht gefunden. Einer oder zwei von ihnen könnten bei der Explosion in dem Wohnhaus in Alcanar am Mittwoch umgekommen sein. Die Beamten vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff für ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Angriffe in Spanien für sich. Mehrere Glaubenskämpfer hätten sie in zwei Gruppen ausgeführt und „Kreuzfahrer“ ins Visier genommen, teilte der IS in einer Erklärung am Samstag über das Internet mit. Bisher war das IS-Bekenntnis nur von seinem Sprachrohr Amaq verbreitet worden.

Die erste Zelle habe eine Ansammlung von „Kreuzfahrern“ auf dem Boulevard Las Ramblas, zwei Polizisten an einem Kontrollpunkt und danach mit leichten Waffen einen Pub angegriffen, hieß es. Die zweite Zelle habe mehrere „Kreuzfahrer“ in dem Küstenort Cambrils mit einem Fahrzeug attackiert.

 

Mehr in der Printausgabe

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.