Nur ein schwarzer Freitag

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Am Freitagmorgen war es sehr leise auf dem Rathausplatz. Foto: Stefan Wieczorek

Pinoso – sw. So schlimm sah es gar nicht aus. Klar stockte Besuchern der Atem, als der schwarze Stier den hell gekleideten Mann auf die Hörner nahm und ihn herumwirbelte. Augenblicke später stand das Opfer des Angriffs aber schon wieder. Das gab es immer mal, beim Stiertreiben auf der Fiesta von Pinoso. Doch diesmal ging kurz nach dem Unfall die Schreckensnachricht um: Der 26-Jährige sei tot, verblutet an der 20 Zentimeter großen Wunde, die ihm das Tier am Bein zugefügt hatte.
Übler konnte es Pinoso nicht treffen. Noch bevor die Fiesta richtig losging – die Attacke geschah am Abend des 1. August – war sie ruiniert. Am Freitagmorgen sagte die Stadt alle Festakte für die weiteren 24 Stunden vorerst ab und hielt auf dem bunt geschmückten Platz bei auf Halbmast hängenden Flaggen eine Schweigeminute ab.

„Mir tut der Mensch nicht leid“
Bürgermeister Lázaro Azorín (PSOE) sagte zur Presse, dass die Stadt „sehr traurige Fiestas“ erlebte. Weniger Trauer als vielmehr Schockstarre stellt die CBN am Morgen nach dem Unfall im Ort fest. Die Straßen sind mucksmäuschenstill, doch die Bars werden nach und nach voller. Mit Bier auf dem Tisch reicht man, immer heiterer werdend, einander das Handy. Auf den Displays stets dieselben Bilder: Das Foto des jungen Mannes – ein strahlender Lockenkopf vor zwei großen Spanien-Flaggen – und das Video von seinen letzten Minuten.
„Das Dorf ist traurig wegen der abgesagten Akte“, sagt José Luis Pérez, städtischer Hausmeister, der aufgewühlt die Straße entlangläuft. Vielleicht liegt es daran, dass das Opfer aus Petrer, von auswärts kam, dass im Ort die Trauer etwas gezwungen ausfällt.
Minütlich steigt die Spannung, wann das Fest wieder losgeht. Indes überschlagen sich auf der CBN-Facebookseite die Reaktionen. Dutzende Leser prangern die Stiertreiben an. Susanne Kruschi: „Mir tut der Mensch nicht leid. Er wollte es so. Wer Tiere zur Freude quält, sollte damit rechnen, dass es auch umgekehrt passieren kann.“

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2 KOMMENTARE

  1. Vor einem Jahr haben wir eine Kampagne gegen das Stiertreiben (Tierquälerei) in Moraira gestartet. Viele eingeladenen Vereine und die Presse sind leider nicht erschienen – traurig – traurig – traurig!

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