An der Küste in Spanien lugt ein Rohr aus Felsen ins Meer - im Hintergrund Palmen und eine Fabrik.
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Alicante: Kläranlage kippt Abwasser ins Meer - Schadstoffe in Umwelt.

Umwelt Costa Blanca

In Alicante kippt Kläranlage Abwässer ins Meer - Ökologen klagen, EU schaut zu

  • vonStefan Wieczorek
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Das Ökosystem der Costa Blanca leidet, weil eine Kläranlage in Alicante Abwasser ins Meer pumpt. Ökologen und Anwohner zeigten die Umweltverschmutzung bei der Europäischen Union an.

Alicante – SOS funken stellvertretend für das Meer mehrere Umwelt-Kollektive von der Costa Blanca: Massive Emissionen von Schadstoffen bedrohen die Natur im Süden der Stadt Alicante. Die Quelle der Ausstöße: die Kläranlage (Edar) Rincón de León. Sie führe an sechs Stellen der Provinzhauptstadt kontaminiertes Wasser ins geschützte Meeresgebiet der Insel Tabarca, das bis zum Kap von Santa Pola reicht. Der Anlass des grünen Alarms der Ökologen ist eine Umweltoffensive der Regierung von Spanien. Das Ministerium für ökologischen Wandel hatte angekündigt, sieben Vogelschutzzonen (Zepa) und zehn Fauna-Flora-Habitate (Zecs) Konservierungsmaßnahmen zu unterziehen. Darunter fällt – als Zepa und Zec – auch das Küstengebiet Isla Tabarca.

Alicante Stadt in Spanien
Fläche: 201,3 km²
Höhe: 3 m
Bevölkerung: 1,863 Millionen (2019)

Alicante: Kläranlage kippt Abwasser ins Meer - Schadstoffe bei EU angezeigt

Nun mahnen in Alicante der Umwelt-Verein Ahsa, der Anwohner-Verein Gran Vía Sur und die Plattform Democracia en Verde, dass das Ministerium die Emissionen der Kläranlage an der Costa Blanca nicht beachte. Die Anlage Rincón de León – das erfasse das Gutachten der Regierung von Spanien korrekt – steht zwar außerhalb des geschützten Gebiets, doch die Rohre führen geradewegs hinein in die schützenswerte Tabarca-Zone. Als Beispiel nennen die Ökologen die Leitung, die am Alicantiner Palmenpark in der Südstadt endet. Durch das Rohr gelangten regelmäßig chemische Reste und Fäkalien ins Meer, und zwar nicht seit gestern. Sondern seit Jahrzehnten und mit Zustimmung der Verwaltungen. Der Fall ist bei der Europäischen Union angezeigt.

Die Folgen der laut Ökologen illegalen Abwässer im Meer sind auf den ersten Blick vielleicht nicht zu erkennen. Die Meeresflora an der Costa Blanca sei aber stark beeinträchtigt, am Meeresgrund seien weite Flächen Neptungras tot. Seit 1994 seien an die 400 Hektar des Unterwasser-Ökosystems im Süden von Alicante zerstört worden, ermittelten Forscher der Universität. Doch warum erlaubt das Rathaus diese schädlichen Emissionen? Laut Ahsa hat die Kläranlage 42 Einleitungspunkte, die in den 90ern anerkannt, aber nie legalisiert wurden. Stillschweigend akzeptierten Stadt und Land Valencia die permanente Umweltverschmutzung. Den Umstand zeigten die Anwohner im Juli 2020 beim Petitionsausschuss des EU-Parlaments, der die Klage auch akzeptierte.

In Alicante kippt Kläranlage Abwässer ins Meer - Rathaus sperrt nur Strand am EU-Büro

Im Sommer hatte die Stadt Alicante damit für Aufsehen gesorgt, dass sie im Süden der Stadt den Strand San Gabriel sperrte. Die Begründung blieb nebulös. Das Rathaus begründete, dass die Playa nicht als solche anerkannt und zudem nicht sicher sei. Doch Ökologen und Anwohner klagten die Stadt an, sich der schädlichen Emissionen durch die Kläranlage bewusst zu sein und deshalb den Strand geschlossen zu haben. Der Strand befindet sich in unmittelbarer Näher von zwei Einleitungspunkten, durch die die Abwässer ins Meer gelangen - übrigens in Sichtweite der Europäischen Union. In der Nachbarschaft steht das EU-Amt für geistiges Eigentum der Europäischen Union.

Das durch die Abwässer aus der Kläranlage verschmutzte Areal in Alicante schrieb im Sommer 2020 auch noch weitere traurige Umwelt-Schlagzeilen. Ein Hobbytaucher veröffentlichte auf Instagram ein Unterwasser-Video aus der Bucht, in der der Grund des Meeres mit Plastik-Resten nur so bedeckt war. Unter Ökologen und Anwohnern, aber auch Betrachtern aus ganz Spanien, löste der Anblick der in Kunststoff gewickelten Flora und Fauna des Mittelmeeres Bestürzung aus. Und das ausgerechnet in der Zone der Costa Blanca, in der der Slogan entstand - „Alicante - beste Erde der Welt“.

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