Ein junges Paar macht ein Selfie vor der großen Krippe in Alicante.
+
Allemal ein Selfie wert: Alicantes Weihnachtskrippe ist die größte der Welt. Über Geschmack sollte man wohl nicht streiten...

Weihnachten an der Costa Blanca

Größte Weihnachtskrippe der Welt in Alicante: Jesusmariaundjosef!

  • vonMarco Schicker
    schließen

Von der Bibel ins Guiness-Buch: In Alicante steht die höchste Weihnachtskrippe der Welt. Musste das sein, fragen sich viele Bürger, auch angesichts der Corona-Not in Stadt und Land. Immerhin: Einen echten Weihnachtsmarkt gibt es in Alicante auch.

Alicante – Die Corona-bedingte Absage der wichtigsten Fiestas von Alicante, der Hogueras de San Juan mit ihren großen Pappmaschee-Figuren im Frühling, scheint den Stadtoberen von Alicante sehr auf der Seele zu lasten. Anders als mit einer Freudschen Überkompensationshandlung lässt sich die monumentale Heilige Familie auf dem Rathausplatz von Alicante kaum erklären.

Es sollte die größte Weihnachtskrippe der Welt werden und wurde es auch, wahrscheinlich auch eine der teuersten. Das erklärte Ziel des Rathauses von Alicante war der Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde. Das gelang. Doch Guinness spielte vielleicht auch eine Rolle bei der Entscheidung für dieses Betlehem-Monstrum.

17 Meter groß ragt Josef in den Himmel und ist damit dreimal höher als der bisherige Rekordhalter in Mexiko mit seinen popeligen 5,20 Meter. Dass Maria mit ihren 10,50 Meter neben ihm sehr klein erscheint, ist nicht die einzige Desproportionalität am Werk des Alicantiner Figuristen José Manuel García Esquiva.

Denn das heilige Ensemble, zu dem noch ein fast vier Meter langes, comicartiges Jeuslein zu Füßen der säulenartigen Eltern gehört, zerstört jede Proportion auf der Plaza de Ayuntamiento mit ihrem altehrwürdigen Rathaus. Nur mit weit in die Nacken gelegten Köpfen wie in Reihe 1 im Kino, kann man das Monument des provinziellen Größenwahns überhaupt betrachten.

Eine Sensation ist die Riesen-Krippe in Alicante allemal, die Ortspolizei kann nur mühsam verhindern, dass die Schaulustigen beim Selfie-Schießen die Corona-Abstandsregeln über den Haufen werfen. „Warum trägt der denn keine Maske?“ fragt ein vorlautes Kind seine Eltern, auf den unverantwortlichen Josef weisend. Kinder.

TV-Sender aus ganz Spanien finden sich ein und vermelden, dass Alicante dieser Spaß 140.000 Euro gekostet hat, obwohl die Opposition noch allerlei versteckte Kosten vermutet. Schon für die Weihnachtsbeleuchtung der Straßen und Plätze hat man dieses Jahr deutlich mehr ausgegeben.

Nachts wird die Gigantomanie noch deutlicher: Der 17 Meter-Josef sprengt in Alicante alle Dimensionen.

In Sozialen Netzwerken, vor allem in den Alicante-Gruppen, kocht die Bürgerseele. Nichts gegen Rekorde und Stadtmarketing, heißt es da, aber musste diese Aktion unbedingt in diesem Jahr sein, wo so vielen Familien Weihnachten in einer Existenzkrise verbringen werden, materiell oder auch psychologisch? Wo sie Angehörige verloren haben oder nicht wissen, wie sie ab Januar die Miete bezahlen sollen? Die Monumental-Krippe sei eine „Perversion des Weihnachtsgedankens“, städtische Marktschreierei in einer Zeit, wo innere Einkehr und die Besinnung auf die Geschichte von Jesus, dem Menschenkind, uns viel darüber lehren könnte, was im Leben wichtig und erstrebenswert ist und was eitler, verzichtbarer Tant.

Am Ende der Hogueras-Fiestas werden die Ninots-Figuren, auch die größte auf dem Rathausplatz, in einer mythischen Apotheose in heidnischer Tradition verbrannt. Diese spirituelle Reinigung, die für viele damit einhergeht, wünscht man den Stadtoberen Alicantes für diese Weihnachten. Doch wer traut sich schon, die Heilige Familie anzuzünden?

Weihnachtsmarkt in Alicante: 30 Stände, aber kein Glühwein - Öffnungszeiten

Immerhin, einen echten Weihnachtsmarkt mit 30 Ständen mit weihnachtlichem Kunsthandwerk sowie einer Figuren-Ausstellung für Kinder bietet Alicante auch. Auf der Plaza Séneca, dem alten Busbahnhof von Alicante. Geöffnet ist der Markt auf 600 Quadratmetern vom 4. Dezember bis 10. Januar täglich von 11 bis 14.30 Uhr sowie ab 16.30 Uhr. Eine Led-Anzeigentafel informiert über die aktuelle Besucherzahl, ab 260 heißt es warten. Zum Covid-Protokoll gehört neben den Masken auch, dass es auf dem Markt keine Speisen und Getränke gibt, rund um den Platz finden sich aber zahlreiche Kneipen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare