In einer Stadt in Alicante führt ein Wasserkanal durchs Viertel zum Hafen und Meer.
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In Alicante leitet Kläranlage Abwasser ins Meer - aber nicht durch Kanal Barranco de las Ovejas (Foto)

Umwelt in Spanien

Bei Alicante Gifte im Meer - Kläranlage an Costa Blanca wehrt Vorwürfe ab

  • vonStefan Wieczorek
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Alicantes Kläranlage leite keine Gifte ins Meer der Costa Blanca ein, sagt die zuständige Behörde aus Valencia. Ökologe Miguel Ángel Pavón widerspricht: Umwelt werde durch „Überläufe des Systems“ geschädigt.

  • Vor Alicante sei das Meer durch Gifte schwer belastet, warnen Ökologen und geben der Kläranlage die Schuld.
  • Behörde aus Valencia entgegnet: Kläranlage schone das Meer und leite keine Gifte ins Wasser.
  • Ökologe Miguel Ángel Pavón verweist auf Proteste und Umweltstudien an der Costa Blanca.

Alicante - Die Kläranlage (Edar) Rincón de León verärgert seit Jahren umweltbewusste Bewohner von Alicante. Laut Ökologen und Anwohnervereinen spuckt die Anlage Gifte und Fäkalien ins Meer vor der Costa Blanca und belaste das Fauna-Flora-Habitat (Lic) Tabarca, das in der Südstadt beginnt, wie auch costanachrichten.com zuletzt berichtete. Der alte Vorwurf kam im Sommer 2020 in Form einer Anzeige sogar beim Petitionsausschuss des EU-Parlaments an. Wir wollten im Zuge der erneuten Umwelt-Proteste auch die Gegenseite hören und kontaktierten die für die Edar zuständige Behörde Epsar der Landesregierung von Valencia.

AlicanteStadt in Spanien
Fläche:201,3 km²
Höhe:3 m
Bevölkerung:1,863 Millionen (2019)

Alicante: Gifte im Meer nicht von Kläranlage, meint Behörde in Valencia

In einer formellen Antwort erklärte Epsar aus Valencia uns die Funktion der Kläranlage, die an der Costa Blanca bei der Autobahn A-31 steht und unter anderem durch den offenen Kanal Barranco de las Ovejas schädliche Stoffe ins Meer einleiten soll. „Die Edar Rincón de León reinigt und regeneriert städtische Abwässer aus Alicante und San Vicente gemäß der EU-Richtlinie 91/271/CEE vom 21. Mai 1991 und dem königlichen Dekret 1620/2007 vom 7. Dezember 2007 zur Wiederverwendung von aufbereitetem Wasser.“ Bezüglich der Emissionen aus der Edar seien zwei Arten zu unterscheiden.

Erstens werde das regenerierte Wasser landwirtschaftlichen Böden der Costa Blanca zur Verfügung gestellt, zweitens gelange nicht verwendetes gereinigtes Wasser durch einen Unterwasserkanal ins Meer vor Alicante. Wie oft das geschehe, fragen wir. „Permanent“, lautet die Antwort aus Valencia, aber die Menge der Emissionen hänge vom Bedarf und Verbrauch in den Gemeinden zu jeder Stunde ab. In jedem Fall jedoch seien keine Gifte im abgeleiteten Abwasser vorhanden. Die Wasserqualität sei mindestens so hoch, wie es die EU-Richtlinien zur Wiederverwendung von Wasser und Umweltschutz vorgäben.

Kläranlage in Alicante leite kein Gift ins Wasser des Meeres, so die Behörde aus Valencia

Die für die Kläranlage in Alicante zuständige Behörde in Valencia bestreitet nicht, dass es fäkale oder chemische Stoffe im Meer vor der Küste der Südstadt gebe, aber „das aufbereitete Wasser gelangt nicht durch den Kanal Barranco de las Ovejas ins Meer. Und die Reinigung in der Edar ist ein biologischer Prozess, bei dem keine chemischen Reagenzien gebraucht werden, sodass die Verschmutzung nicht aus der Aktivität der Kläranlage stammt.“ Diese sei so gebaut, dass sie die Umwelt vor festen Abfällen und Wasser vor Giften schütze – „wie es Kläranlagen im ganzen Land Valencia, Spanien und der Europäischen Union tun“, so Epsar.

Wir legen die Antworten der Kläranlagen-Behörde Miguel Ángel Pavón vom Umweltverein Ahsa vor. „Wir stimmen mit den Aussagen nicht überein“, sagt der frühere Linkspolitiker im Rathaus Alicante. Pavón verweist auf den seit Jahren andauernden Protest unterschiedlicher Kollektive der Costa Blanca und auf Umweltstudien in der geschützten Tabarca-Umgebung. Die schädlichen Ausstöße seien Fakt und „Überläufen des Systems“, etwa bei Regen, geschuldet. Woher man sicher wisse, dass die Gifte im Meer von der Kläranlage kommen, fragen wir noch, bekommen von Pavón auch auf erneute Nachfrage keine Antwort.

Miguel Ángel Pavón und Ahsa sind in Alicante auch federführend bei den Umwelt-Protesten gegen das geplante Treibstofflager im Industriehafen der Provinzhauptstadt. Vor allem sind die Ökologen aber bekannt für ihr Engagement im Schutz der Umwelt der Feuchtgebiete im Süden der Costa Blanca.

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