Forschung in Spanien

Forscher aus Alicante fand CRISPR/Cas - Nobelpreis ohne „Vater der Gen-Schere“

  • vonStefan Wieczorek
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An der Costa Blanca von Spanien entdeckte Francis Mojica vor 30 Jahren das Verfahren CRISPR/Cas. Den Nobelpreis für die „Gen-Schere“ holten 2020 aber zwei Forscherinnen.

Alicante - „Wir sind zufrieden und enttäuscht zugleich!“, funkte die Universität Alicante am 7. Oktober nach Vergabe vom Chemie-Nobelpreis 2020. Grund zur Freude: Endlich wurde das Genetik-Verfahren CRISPR/Cas ausgezeichnet, das ausgerechnet an der Costa Blanca entdeckt worden war. Grund zur Enttäuschung: Ihr Entdecker, Mikrobiologe Francis Mojica aus Elche, ging leer aus. Der Forscher und Uniprofessor galt für den Durchbruch in der Gentechnik nicht nur in Spanien seit Jahren als heißer Anwärter auf den Nobelpreis in Chemie. Nun wird der „Vater der Gen-Schere“ ihn wohl nie mehr bekommen.

Francis MojicaMikrobiologe an der Universität Alicante
Geboren5. Oktober 1963 (Alter 57 Jahre), Elche
AusbildungUniversität Alicante
AuszeichnungenAlbany Medical Center Prize
Bekannt fürCRISPR, Cas9, CRISPR/Cas-Methode

CRISPR/Cas in Spanien entdeckt: Forscher aus Alicante war Nobelpreis-Kandidat

Denn die Wissenschaftlerinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna erhielten, quasi stellvertretend für die Forscher von Crispr/Cas, 2020 den Nobelpreis. Die Französin und die US-Amerikanerin – da ist die wissenschaftliche Welt auch in Spanien sicher – haben sich für die Weiterentwicklung der Methode für die Gentechnik die Würdigung absolut verdient. Dennoch wäre es aus Sicht der Costa Blanca und der Uni Alicante schön gewesen, wenn die Jury auch mit Francis Mojica den Mann berücksichtigt hätte, auf dessen Genetik-Studien die neuen Nobelpreisträgerinnen aufbauten.

Nicht nur Alicante und Elche, ganz Spanien habe eine „historische Chance“ verpasst, bedauerte Lluis Montoliu vom Obersten Rat für Wissenschaft CSIC. „Man muss wissen, dass es sehr, sehr schwierig ist, einen Spanier als Kandidaten für einen Nobelpreis aufzustellen“, erklärte Montoliu, „und Mojica war einer.“ Ohne die Vorarbeit des Forschers von der Uni Alicante hätten die Genetik-Forscherinnen ihre nun belohnte Arbeit zu CRISPR/Cas nicht durchführen können. Worum handelte es sich also bei diesen Grundlagen für die „Gen-Schere“?

Bei Alicante fand Forscher Mojica CRISPR - „Wunderbar und seltsam“, Immunsystem gegen Viren

Im Süden von Alicante, in den Salinen von Santa Pola, entdeckte Forscher Mojica vor 30 Jahren, wie die Mikrobe Haloferax mediterranei in einem sehr ungünstigen Umfeld überlebte. In ihrem Genom wiederholten sich Sequenzen auffällig oft. „Wunderbar und seltsam“ war die Entdeckung für den Wissenschaftler, wie er später sagte. Der Genetik-Forscher aus Spanien interpretierte das Phänomen als Immunsystem gegen Viren und er war es auch, der dafür den Namen „clustered regularly interspaced palindromic repeats“, kurz CRISPR, erfand.

CRISPR schuf – umgangssprachlich erklärt – ein „Fahndungsfoto“ vom Virus im Gencode. Tauchte es wieder auf, lenkte CRISPR eine „Cas“ genannte Schere, die das Erbgut des Virus „zerschnitt“. Forscher Mojica aus Spanien schlussfolgerte, dass das Verfahren in der Gentechnik zur gezielten Manipulation vom Gencode verwendet werden könnte. Charpentier und Doudna bewiesen 2012, dass CRISPR/Cas sogar bei höheren Organismen funktionierte. Damit hatte die Welt ein präzises und nicht allzu aufwändiges Mittel zum Verändern von Erbgut.

Forscher aus Alicante: Für CRISPR/Cas-Entdeckung 30 Preise - Bedenken gegen Anwendung

Nun musste man kein Nobelpreis-Kandidat mehr sein, um in CRISPR/Cas eine Wunderwaffe gegen bis dato unheilbare Krankheiten wie Krebs oder Aids zu vermuten. Allerdings stand dank der „Gen-Schere“ scheinbar die Tür auch für Wissenschaftler offen, die sozusagen „Gott spielen“ wollen, etwa um den sprichwörtlichen „perfekten Menschen“ zu erschaffen. Bekannt ist, dass CRISPR/Cas in China oder den USA schon an Embryos getestet wurde, und dass die Ergebnisse, vorsichtig gesagt, nicht vermuten lassen, dass die mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Methode in Kürze als medizinisches Wunder gelten wird.

Von Ethikern und Forschern weltweit - auch von der neuen Nobelpreisträgerin Charpentier - wurde die Anwendung von CRISPR/Cas jeweils harsch kritisiert. Wenn es doch mal so weit ist, und für die „Gen-Schere“ ein Medizin-Nobelpreis vergeben wird, werden ganz Spanien und die Costa Blanca wieder auf Francis Mojica hoffen. Er selbst nehme das mit dem Nobelpreis gelassen, sagt der Forscher, ein eher unaufgeregtes Gemüt, immer wieder. Wohl auch, weil er bereits 30 internationale Auszeichnungen für seine Entdeckung gewann, darunter den höchsten Medizinpreis der USA, den Albany Medical Center Prize.

Rubriklistenbild: © Universidad Alicante

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