Ein Mann geht an einem alten Laden in Valencia vorbei.
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Traditionelle Geschäfte suchen auch in Spanien in der Coronavirus-Krise ihre Rettung im Online-Business.

Einkaufen an der Costa Blanca

Black Friday lokal: Online-Startup aus Alicante will Amazon mit regionalen Produkten Paroli bieten

  • vonMarco Schicker
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Sich in der Coronavirus-Krise den Big Playern des e-commerce nicht kampflos geschlagen geben. Das ist der Plan von Lalicantina.com. 130 Geschäfte und über 1.400 Produkte aus der Region sind im Web des „alicantinischen Amazon“ verfügbar - zum Abholen oder zur schnellen Lieferung.

Alicante – Die kleinen Händler, vom Tante Emma-Laden im Barrio von Alicante, über den Fischstand in der Markthalle des Mercado Central bis zum Souvenir- und Kunstgewerbeladen an der Strandpromenade Explanda, aber auch die Baumschule am Rande der Stadt, waren die ersten, die unter der Coronavirus-Quarantäne im März und April litten. Sie mussten schließen und etliche waren auf eine schnelle Umstellung auf Online-Shop und Hauszustellung nicht vorbereitet.

Neuer Online-Shop für Produkte aus Alicante: Lokale Vielfalt, statt industriellem Einerlei

Davon profitierten einmal mehr die Big Player, allen voran natürlich Amazon und der Trend der Online-Bestellungen von der Pizza bis zum Fahrrad reißt seitdem nicht ab. Auch im jetzigen soften Lockdown überlegen es sich viele, ob sie einen Einkaufsbummel durchs Viertel wagen oder doch lieber in einem der Hypermärkte wie Carrefour oder Al Campo einkaufen, wo man zwar meist nur industrielles Einerlei erhält, dafür aber alles an einem Ort einsacken kann.

Online-Shopping-Boom hält an: Kleine Händler in Alicante schließen sich zusammen

Kräfte bündeln, um den lokalen Handel nicht gänzlich aussterben zu lassen, wurde das Gebot der Stunde und so entstanden zunächst meist mikro-lokale Initiativen über Soziale Netzwerke, die neben der Auslieferung von Fertigessen ihre Sortimente langsam erweiterten. Fleischer, Blumenhändler, Apotheken schlossen sich an, die oft ausgebeuteten Moped-Auslieferer von Uber Eat oder Glovo bekamen neue Kundschaft, manche Rathäuser halfen ein bisschen bei der Promotion.

Auf lalicantina.com haben sich mehr als 100 lokale Händler aus Alicante und Umgebung zusammengeschlossen.

Denn der Wille der Nachbarn, ihren Händler zu unterstützen, ist da, doch die Logistik lässt häufig noch zu wünschen übrig. Sogar die nationale spanische Presse fand da die Story von dem 24-jährigen Jungökonomen Alexis Sanz berichtenswert. Der hat die Quarantäne genutzt, um in kurzer Zeit einen lokalen Online-Marktplatz für Alicante auf die Beine zu stellen. „Das alicantinische Amazon“ titelt „El Mundo“ und übertreibt damit zwar maßlos, erkennt aber das schnelle Wachstum des Projektes an.

Auf Sanz’ Shopping-Portal, lalicantina, das seit Mitte September online ist, tummeln sich mittlerweile über 120 Händler, fast alle aus Alicante Stadt, doch allmählich auch aus anderen Gemeinden der Provinz wie Alcoy oder San Isidro. Rund 1.400 Produkte und Dienstleistungen sind erhältlich, sortiert in etliche Kategorien: Lebensmittel, Kosmetik, Möbel, Kunst, Elektronik, Souvenirs und so weiter. Die Händler führen an den Betreiber eine Provision von 10 Prozent pro Verkauf ab.

Die Waren können wahlweise abgeholt oder geliefert werden, die Zahlung ist über die gängigen Methoden mit einer einmaligen, unkomplizierten Anmeldung möglich. Geliefert wird europaweit und Alexis Sanz arbeitet daran, dass die Lieferungen in der Region Valencia möglichst binnen 24 Stunden an den Bestimmungsort kommen. Über eine interaktive Karte kann man sich in sein eigenes Viertel hineinzoomen, um so vielleicht Läden in der Nähe zu entdecken, die am Projekt beteiligt sind.

Produkte aus der Region Valencia: Von Alltäglichem bis Einzigartigem

Interview mit Alexis, dem Gründer des Online-Shops (span.):

Das Ziel ist natürlich, dass die lokalen Händler etwas von dem Kuchen zurück bekommen, das man durch Corona an die großen Plattformen verloren hat. Sanz legt Wert darauf, dass neben den Produkten des täglichen Bedarfs und allgemeiner Ware vor allem auch typische Produkte aus der Region in den Fokus gerückt werden, typisch Alicantinisches eben. Denn bei industriellen Allerweltsprodukten können die kleinen Händler auch über die Plattform kaum gegen die Großen bestehen, bei allem guten Willen, müssen die meisten Spanier eben sehr auf jeden Euro achten. Wer aber mag, kann sich auch sein neues Handy beim Händler um die Ecke bestellen.

Von Turrón bis Bio-Kosmetik

Doch originalen Turrón aus Jijona, Käse aus La Nucía, Dattellikör aus Elche, Wein aus Monóvar, Olivenöl aus Villena oder Orangen aus Valencia, Bio-Kosmetik aus dem Viertel Benalúa oder junge Mode aus Alicantiner Studios, die gibt es so gebündelt nur auf www.lalicantina.com. Die Basisfunktionen sind auf der Webseite auch auf Englisch abrufbar, aber selbst mit geringen Spanischkenntnissen kommt man gut durch die Menüs zum Ziel.

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