Ein spanischer Politiker spricht mit Maske in mit Plastik geschützte Mikrofone.
+
Orihuela: Bürgermeister Bascuñana mahnt Bürger zu Verantwortung.

Zweite Welle in Spanien?

Alicante: Corona-Ausbruch in Wahrheit im Norden von Spanien - Angestellte gesund

  • vonStefan Wieczorek
    schließen

Neue Corona-Ausbrüche in Spanien sind Fakt. Doch auch Fake News gehen um, und selbst seriöse Meldungen zu Neuinfektionen sollten richtig gedeutet werden, heißt es aus Alicante.

  • Lokal in Orihuela bei Alicante ist nicht Corona-Infektionsherd - Soziale Netzwerke hatten das gemeldet.
  • Falsche Covid-19-Nachricht basierte auf gleichnamigem Lokal im Norden von Spanien und Warnung aus Valencia.
  • Ortspolizei und Rathäuser aus Alicante mahnen: Jedes Gerücht gut prüfen und auch Nachrichten richtig einordnen.

Orihuela - Nein, das Café Samoa in Orihuela ist nicht wegen eines neuen Coronavirus-Ausbruchs geschlossen. Auf Whatsapp ging die falsche Nachricht um, dass sich Angestellte angesteckt hätten und die Bar eine der von der Landesregierung Valencia gemeldeten Infektionsherde in Orihuela sei. Doch das sei nicht die Wahrheit, lässt das Lokal im Süden der Costa Blanca die Medien wissen. Kein einziger Angestellter sei positiv auf Covid-19 getestet worden. Das Café im Herzen der Kreishauptstadt der Vega Baja sei offen und sicher. Woher aber diese Fake News? Von einem anderen Lokal Samoa in Spanien.

OrihuelaKreishauptstadt der Vega Baja
Bewohner:76.778 (Stand 2018)
Krankenhaus:Hospital Vega Baja (im Bezirk San Bartolomé)
Gesundheitsbezirk Orihuela:168.000 Bewohner aus Orihuela, Algorfa, Almoradí, Callosa de Segura, Cox, Granja de Rocamora, Bigastro, Benferri, Albatera, Catral, Jacarilla, Benejúzar, Redován, Rafal, Daya Vieja, Daya Nueva, Dolores

Die Bar Samoa, in der sich zuletzt Menschen mit dem Coronavirus ansteckten, befindet sich nicht in der Provinz Alicante, sondern auf der anderen Seite von Spanien, in Galicien. Offenbar hatten Nutzer von Sozialen Netzwerken da - ob absichtlich oder nicht, kann nicht festgestellt werden - auf falsche Weise eins und eins zusammengezählt. Ungefähr zeitgleich hatten das Land Valencia einen Infektionsherd im Umfeld eines Unternehmens in Orihuela gemeldet, und die Region Galicien den wahren Fall der Bar Samoa im Ort Santa Cruz. (Tweet: Ortspolizei von Orihuela korrigiert die Falschnachricht)

In Wahrheit kein Coronavirus: Bar in Orihuela offen und sicher, Stadt mahnt Bürger zu Verantwortung

Im Lokal Samoa in Orihuela seien alle in Wahrheit bei bester Gesundheit und sämtliche Sicherheitsvorkehrungen würden eingehalten, meldet das lokale Nachrichtenportal „Vega Baja Digital“. Was die tatsächlichen Neuinfektionen in der Stadt angeht, sind es laut Bürgermeister Emilio Bascuñana (PP) nur „einige Fälle“, die auf angemessene Weise von den Gesundheitsbehörden behandelt würden. Die Bürger bat er, „verantwortungsbewusst und umsichtig" zu handeln - und meinte damit Maske und Händewaschen, sicher aber auch den Umgang mit Coronavirus-Meldungen im Internet.

Orihuela sei für die aktuelle Covid-19-Lage in Spanien gewappnet, so Bascuñana. Die Stadt nahm diese Woche etwa neue technische Mittel zum Messen der Auslastung an den Stränden von Orihuela Costa in Betrieb. Auch sperrte sie Parks und Spielplätze, etwa die Glorieta Gabriel Miró, übrigens in direkter Nachbarschaft der besagten Bar Samoa. Kritik übte Bascuñana allerdings an der Kommunikation der verschiedenen Verwaltungen. „Wir forderten kontinuierlich Informationen an, und sie wurden ausdrücklich abgelehnt", schoss der PP-Politiker gegen das sozialistisch und grün regierte Land Valencia.

Wahre Corona-Meldung: Orihuela sperrte den Park Glorieta an der Bar Samoa.

Neue Coronavirus-Ausbrüche bei Alicante: "Isolierter Fall" in Aspe, schnelles Eingreifen in Monforte

Weiter nördlich in der Provinz Alicante, im ländlichen Hinterland bei Elche, sorgten zuletzt auch Meldungen über neue Corona-Ausbrüche für Ängste vor einer zweiten Welle der Pandemie. Kein Wunder: Ähnlich wie Orihuela hielt sich der Kreis Vinalopó lange schadlos. Ende Juli starb in Aspe jedoch ein Mensch an Covid-19. Nebenan, in Monforte wurde eine Apotheke wegen infiziertem Personal geschlossen. Doch diese Ereignisse sollten keineswegs zu Ängsten führen, mahnen die Rathäuser beider Orte. In Aspe sei es ein „isolierter Fall“ gewesen, versicherte Gesundheitsstadträtin Yolanda Moreno (Linke, IU).

Und in Monforte, hinter Alicante, war die Schließung der Apotheke ein gutes Zeichen dafür, dass die Gesundheitsbehörden in Spanien bei positiven Covid-19-Tests schnell handelten, so Bürgermeisterin María Dolores Berenguer (IU). „Es ist unwahrscheinlich, dass sich Kunden angesteckt hätten“, sagte sie. Eine klare Falschmeldung gab es schon Anfang Juli in Santa Pola. Hier dementierte Bürgermeisterin Loreto Serrano (PP) die vermeintliche Quarantäne eines ganzen Gebäudes. In Wahrheit erlitt eine Frau einen Infarkt. Die Sanitäter trugen auffällige - aber eben Corona-sichere Schutzkleidung - prompt ging das Gerücht in die Welt.

Aktueller Stand, 3. August 2020: In Krankenhäusern des Landes Valencia werden 117 Coronavirus-Patienten behandelt, davon 41 in Alicante und dort acht auf Intensivstation.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare