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Datteln der Costa Blanca: Vergessene Delikatesse von Alicantes Palmen-Küste

  • vonStefan Wieczorek
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Voller Datteln ist die Costa Blanca mit ihren Palmen. Doch die Spezialität wird kaum verzehrt. Ein Palmengärtner erklärt, wie der Sektor sich rettet und gibt Tipps: „Datteln vor Prüfungen oder wichtigen Terminen essen“.

  • Eine Delikatesse der Palmenküste Costa Blanca sind Datteln - nur isst sie im Raum Alicante kaum jemand.
  • Ein Palmengärtner gibt Tipps für den Verzehr der Datteln und erklärt, wie der Sektor sich retten kann.
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Alicante – In Elche, der Stadt der Palmen an der Costa Blanca, gibt es die Legende, dass bei jedem oder jeder Neugeborenen eine neue Palme wächst. Daher der Brauch beim Stadtfest, für jedes Kind eine Feuerwerksrakete gen Himmel abzufeuern – und daher die Idee, dass die Stadt im Südosten von Spanien genauso viele Bewohner wie Palmen habe. Doch nun sind die Elcher Bürger aufgerufen, ihre grünen Zwillingsschwestern zu unterstützen, indem sie zu deren Früchten greifen: Zu den Datteln. Golden-orange glänzen sie, wie Schmuck einer grünen Krone, von den Palmen entlang der Küste. Doch der Sektor der vergessenen Delikatesse von der Costa Blanca ist schwer in der Krise - mit oder ohne Coronavirus.

Datteln, Früchte der Costa BlancaNährwertangaben - Menge pro 100 Gramm
Kalorien 282
Fettgehalt 0,4 g
Cholesterin 0 mg
Kalium 656 mg
Kohlenhydrate 75 g

Alicante: Viele Dattel-Palmen, doch Delikatesse von Costa Blanca wird kaum gegessen

Auf die Krise im Sektor der Dattel von der Costa Blanca machte der Beginn der Ernte 2020 in Elche aufmerksam. Dabei trafen sich Stadtvertreter mit der Kooperative der Dattelhersteller Datelx und dem Verein der Palmengärtner. Benannt wurde vielleicht das größte Problem der süßen Spezialität: Kaum einer verzehrt die Delikatesse von den Palmen, von denen der Raum Alicante so viele hat. Allein die Palmenstadt Elche habe „einen Markt von 240.000 potenziellen Konsumenten“, so Miguel Ángel Sánchez, Vorsitzender der Palmengärtner, den Sie im Video in Aktion bewundern konnten - aufgenommen vor Coronavirus-Zeiten. „Wenn nur jeder Zehnte im Jahr ein Kilo Datteln äße, wäre der Sektor gerettet und würde Bauern zum Anbau von Dattelpalmen anregen.“

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Datteln aus Elche und Umgebung als Spezialität der Costa Blanca zumindest vor Ort gefragt. Heutzutage ist es auch im Raum Alicante schwierig, überhaupt einen Laden zu finden, der die regionale Delikatesse verkauft. Meist liegen aus Afrika oder dem Orient importierte Datteln in Supermärkten oder Märkten aus. Doch „die Dattel ist eines der emblematischsten Produkte unseres ländlichen Elche“, betont Felip Sànchez, Stadtrat für landwirtschaftliche Entwicklung. Die Palmenstadt mit den Weltkulturerbe-Palmengärten werde sich dafür einsetzen, dass die Dattel in lokale Geschäften zurückkehre, versprach Sànchez.

„Bei Datteln achte ich vor allem auf die Farbe. Bei hellem, goldenen Braun werden sie noch lange leben, im Kühlschrank bis zu einem Monat.

Miguel Ángel Sánchez, Palmengärtner aus Elche (Alicante)

Alicante: Palmen voller Datteln - Spezialität der Costa Blanca aber von Importen abgehängt

Bisher sorge nur die Kooperative aus Elche dafür, dass die Produktion der Dattel an der Costa Blanca überhaupt noch laufe. „Die Elcher Dattel erfüllt höchste Pflanzenschutz-Normen“, versichert Datelx-Chef Pascual Urbán. „Andere Länder, aus denen sie importiert wird, müssen nicht dieselben Kontrollen erfüllen.“ Keineswegs sind die Hersteller der Delikatesse mit solchen Klagen allein: An der Costa Blanca kritisierten solche Nachteile auch die Winzer. Diese „unfaire“ Lage haben die Dattelbauern aus Elche längst bei der Europäischen Union angezeigt. Doch sie warten nicht nur auf Maßnahmen, sondern sind dabei, den Sektor der Palmen-Früchte zu modernisieren. Dazu gleich mehr.

„Brot der Wüste“ nennt man Datteln wegen ihrem nahrhaften Inneren, wie in der Provinz Alicante etwa das Palmenmuseum in Elche erklärt. Manche Menschen der Sahara ernährten sich ihr Leben lang nur von Datteln und Wasser. „Aber in Elche wurde die Dattelproduktion zuvor nie richtig ernst genommen“, gibt Palmengärtner Miguel Ángel Sánchez zu. „Bei den Palmen ging es nicht um ihre Früchte, sondern sie sollten ein Mikroklima für den Anbau anderer Produkte schaffen.“ So sei zwar die Dattelpalme von der Costa Blanca dieselbe wie in Ägypten oder Israel – die Früchte aber grundverschieden. Einerseits liege das am feuchteren Boden Elches, weswegen die Frucht nicht austrockne und weniger süß schmecke.

Costa Blanca: Palmen und Datteln voller Vielfalt - Elches Palmeral „größte Genbibliothek“

„Zudem spezialisierte man sich in den anderen Herkunftsländern der Datteln vorwiegend auf bestimmte Sorten – und vernichtete den Rest“, erklärt Sánchez. In Afrika und dem Orient hätte man - im Gegensatz zur Costa Blanca - Palmen mit guter Frucht künstlich vermehrt, indem man ihre Sprösslinge in die Erde setzte. „Hierzulande pflanzte man Palmen nur natürlich fort: mit dem Samen.“ Der natürliche Stammbaum habe Vorteile: „Jede Palme trägt auf diese Weise eine eigene Sorte Datteln. Und das macht Elches Palmeral zur größten Genbibliothek.“ Auch schütze die Vielfalt bei Plagen.

„Einige Palmen von der Costa Blanca widerstanden dem Palmrüssler (Picudo rojo) eigenständig“, erklärt Sánchez. Allerdings hätten hiesige Palmengärtner nicht Eigenschaften wie Geschlecht und Qualität der Palmen kontrolliert. So entstand keine Premium-Sorte von Datteln. „In Elche kann man in einer Woche eine sehr gute Dattel kaufen – und in der Woche darauf herb enttäuscht werden“, sagt Sánchez. Eine neue Produktionstechnik an der Südostküste von Spanien soll nun Abhilfe schaffen und eine Premium-Dattel aus Alicante hervorbringen: Die Produktion im Reagenzglanz. Bereits 7.000 von Elches Palmen wurden in vitro erzeugt.

Costa Blanca: Palmen und Datteln überall in Palmenstadt Elche.

Costa Blanca: Die perfekte Dattel? - Palmengärtner gibt Tipps

Besonders attraktive Datteln bringe die Labor-Technik hervor, erklärt Sánchez. Dank In vitro haben die Hersteller von der Costa Blanca die ausländische Art Medjoul einführen und die heimische Confitera fördern können. So wollen sie vor allem den Delikatessenmarkt erobern. „Premium-Datteln sind sehr begehrt“, so Sánchez. Das wegen Geldproblemen geschlossene Institut Estación Phoenix entwickelte einst die In-vitro-Technik für Palmen in Elche. Ein neues Institut ist in Planung, um Elche zum „größten Zentrum von in-vitro-Palmen“ zu machen, wie Bürgermeister Carlos González beim Anschnitt der ersten Datteln ankündigte.

Bei allem Wettbewerb: Vergessen werden sollte nicht, dass auch die nicht ganz perfekte Dattel ihren Verzehr wert ist. „Vor allem dank ihrer Mineralstoffe wie Phosphor sollte man die Dattel vor Prüfungen oder wichtigen Terminen essen“, rät Palmengärtner Sánchez. Woran man eine gute Dattel auf dem Straßenmarkt erkenne? „Ich achte vor allem auf die Farbe. Bei hellem, goldenen Braun wird die Dattel noch lange leben, im Kühlschrank bis zu einem Monat. Beim Hineinbeißen sollte sie fleischig sein, die Haut eng anliegen, und der Kern so klein wie möglich sein, um den Genuss zu erhalten.“

Lust auf Palmen und Datteln von der Küste von Alicante bekommen? Dann laden wir Sie auf einen Ausflug durch die Gärten der Weltkulturerbe-Stadt Elche ein und nehmen Sie auf eine Reise durch die Geschichte der Palmen an der Costa Blanca mit. Die Datteln aus Elche bekommen Sie in lokalen Shops wie Todo Palmera, bei der Familie Serrano Valero, oder im Laden El cor d‘elx am Palmenmuseum, wo es neben lauter überraschenden Spezialitäten der Palmenstadt auch Dattellikör zu kaufen gibt.

Rubriklistenbild: © Stefan Wieczorek

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