Blick auf Wasserfall im Palmengarten von Alicante.
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Blick auf den Wasserfall im Palmeral von Alicante.

Stadtgeschichte(n) Alicante

Zäher Überlebender: Alicantes Palmenpark sah schon bessere Zeiten

  • vonMarco Schicker
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Alicantes Palmeral sei verkommen, die Bauten in schlechtem Zustand und der Park langweilig geworden, bemängelt die Opposition. Sie hat damit recht und unrecht. Denn der Palmengarten erfüllt noch immer den Zweck, den ein Park erfüllen sollte.

Alicante – "Der Palmeral von Alicante hatte Bächlein, Wasserfälle, man konnte Boot fahren, es gab intakte Spielplätze. Doch heute ist der einst schöne Park ein trauriges Bild des Verfalls, aufgegeben von der Stadtregierung. Die Brunnen sind verrostet, es liegen ausgerissene Palmen umher, viele Bäume sind krank, einige Stellen vertrocknen, während andere überschwemmt sind, von Toiletten und anderen Dienstleistungen kaum eine Spur, Pavillons sind beschmiert, abends gibt es Besäufnisse, von Booten keine Spur mehr“. Dieses Lamento stammt von Rafa Mas, Sprecher der oppositionellen Compromís-Partei.

Palmeral Alicante: Grüne Oase in expandierender Stadt - Kein Vergleich mit Elche

Kleiner Dschungel mit Meerblick: El Palmeral de Alicante.

Es stimmt schon, der Palmengarten von Alicante mit Meerblick direkt an der N-332 Richtung Airport fast schon am Ortsausgang von Alicante, hat schon bessere Tage gesehen. Aber auch schon viel schlechtere. Er ist abgeliebt. Und an das Weltkulturerbe in der Nachbarstadt, den Palmeral in Elche, kam er sowieso nie heran. 1997 wurde der Park eingeweiht, doch schon im 19. Jahrhundert gab es hier einen Palmeral, der damals mit der Finca El Carmen in gräflichem Besitz war.

„Aufgegebene Oase“, so Rafa Mas von der Opposition in Alicante. Jeder sieht, was er sehen will.

Nach und nach wurde das Grundstück immer kleiner, abgeschnitten von der Bahnlinie nach Murcia, dei 1884 eingerichtet wurde, bedrängt vom erweiterten Stadtviertel San Gabriel am Anfang und nochmal am Ende des 20. Jahrhunderts sowie einer Aluminiumfabrik, die in den 1950er Jahren in der Nähe ihre giftigen Dämpfe versprühte. Dass die Stadt die Reste umzäunte und eine Art tropischen botanischen Garten schuf, rettete das Gelände.

Fast spirituelles Ambiente herrscht im Palmeral von Alicante.

Die Stadtregierung von Alicante verweist auf vertragsrechtliche Probleme mit dem Unternehmen für Parkpflege, die nur eine notdürftige Pflege der dichten Vegetation gestatten würden. Ausreden sind das, denn man könnte die Betreung des Parks und seiner Anlagen finanzieren und ausschreiben. Doch wer den Palmeral heute besucht, wird neben den Mankos noch immer viel Charme und eine fast verzaubernde Ruhe vorfinden. Ohne Events, ohne Massenaufläufe und Full-Service. Und dazu sollte ein Park doch da sein.

Ruhe statt Events: Palmeral in Alicante bietet Schatten und Entspannung

7.000 Palmen, Hibiskus-Büsche, viele subtropische Pflanzen bieten zusammen mit den Teichen, Wasserläufen und dem manchmal funktionierenden Wasserfall eine natürliche Klimaanlage, die Cafeteria öffnet derzeit sporadisch, aber es gibt viele idyllische Picknickplätze, funktionierende Fitness-Geräte dazwischen, überall verborgene Bänke, kleine Brücken und Durchblicke, an denen sich auch Feng-Shui-Meister erfreuen würden.

Alles könnte wirklich besser gepflegt sein, auch die mittlerweile reduzierte Katzenkolonie, so niedlich die Mini-Tiger sind, sorgte dafür, dass kaum ein Vogel mehr hier singt. Und trotz aller Defizite ist der Palmeral von Alicante vielleicht der schönste Park der Stadt, eine grüne Hölle der Entspannung. Die Opposition soll sich engagieren, das gärtnerische Element ist zweillos verbesserungswürdig, aber sonst sollte man die Kirche im Dorf - oder die Palme im Palmeral - aber die Hunde weiter draußen lassen.

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