Feuerwerke mit viel Rauch explodieren auf der Plaza Luceros in Alicante.
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Die Plaza Luceros in Alicante. Schauplatz der Knallfeuerwerke, mascletá, bei den Fiestas de Hogueras. Die Explosionen beschädigen auch den Brunnen, der jetzt renoviert wird.

Stadtgeschichte Alicante

Alicante: Plaza de Luceros und der Brunnen der Geschichte

  • vonMarco Schicker
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Allegorie und Pulverdampf: Der berühmte Brunnen auf Alicantes zentraler Plaza Luceros wird aufwendig restauriert. Die Alicantiner freut es, von der Verherrlichung der Franco-Zeit wollen die meisten nichts wissen.

  • Die Plaza de Luceros in Alicante ist Treffpunkt der Bürger für Feste und Feiern, der Brunnen wird endlich renoviert.
  • Der allegorische Brunnen wurde 1930 aufgestellt und erlitt viele Schäden durch Umwelt und Menschen.
  • Die Plaza Luceros geht auf die Franco-Huldigung zurück. Alicante war die letzte Großstadt der Spanischen Republik 1939.

Alicante – mar. Die Plaza de Los Luceros ist der zentrale Platz der Provinzhauptstadt Alicante. Hier startet die Tram, die Provinzverwaltung liegt in Sichtweite, Fans des Stadtvereins Hércules CF feiern hier ihre seltenen Siege, der große Kreisverkehr ist von Bars und Lokalen umstellt und zu den Hogueras-Fiestas pilgert die halbe Stadt zum täglichen Knallfeuerwerk.

Im Zentrum des Geschehens befindet sich seit 1930 ein Brunnen, die rund 15 Meter hohe Fuente de Luceros, dem Tauben, Autoabgase und auch die mascletás, die Knallfeuerwerke, heftig zusetzen. Im Mai 2019 bearbeitete zu allem Überfluss noch ein durchgedrehter Mann – Lästermäuler sagen, ein wahrer Kunstkenner – die Statuen mit einem Hammer.

Alicantes Wahrzeichen: Griechische Mythologie in Zigeunerbarock

Der Brunnen mitten auf der Plaza Luceros in Alicante wurde 1930 eingeweiht. Sein Erschaffer ist nicht unumstritten.

Schöpfer des vor Metaphorik triefenden Brunnens im Herzen von Alicante war Daniel Bañuls, der sein Werk 1930 zunächst Fuente de Levante nannte. Pferde, Löwen, Figurinen, die Venus, Jupiter, seine Tochter Minerva und Saturn und gleichzeitig die vier Himmelsrichtungen repräsentieren, werden an einer obelisken Säule von Nymphen in ihrem Hesperiden-Garten überragt, die als Verbindung zwischen Himmel und Erde aufreizen. Über den künstlerischen Wert könnte man streiten, Fach-Einschätzungen schwanken zwischen Modernismus für Arme und entgleistem Zigeunerbarock. So oder so, die Alicantiner haben den Brunnen zu ihrem Wahrzeichen - natürlich neben dem Castillo de Santa Bárbara - erklärt.

Nach mehreren Flickschustereien hat die Alicantiner Stadtregierung jetzt über 300.000 Euro freigegeben, um das modernistisch-eklektizistische Brunnenkonstrukt von rund 20 Metern Durchmesser einmal rundzuerneuern, eine langjährige Forderung der Bürgerschaft. Die Arbeiten dürften mindestens sechs Monate dauern, meint Alicantes Infrastrukturstadtrat José Ramón González, „dazu gehören der Austausch und die Restaurierung kaputter Teile, eine Gesamtreinigung des Ensembles, eine neue Beleuchtung und die Aufrüstung des hydraulischen Systems an unserem wichtigsten Brunnen der Stadt.“

Luceros: Vom Platz der Unabhängigkeit bis zur Huldigung Francos

Einen geistig-moralischen Hochdruckreiniger hätte neben dem Brunnen auch die Plaza de Luceros insgesamt nötig. Der Platz lag bis Mitte des 19. Jahrhunderts praktisch an der Stadtgrenze und war nichts weiter als die Auffahrt zur Festung San Fernando. Mit der Schleifung der Stadtmauern und dem industriellen Boom wurde der Platz zu einem Verkehrsknotenpunkt.

Er hieß bis 1941 Plaza de Cataluña, zwischendurch auch Plaza de la Independencia, Platz der Unabhängigkeit und erhielt ihren neuen Namen „Luceros“, weil das Wort in einer Strophe der Hymne der spanischen Faschisten „Cara al sol“ vorkommt. Republikaner nennen ihn bis heute daher lieber "Plaza de leones", Löwenplatz, wegen der Tiere am Brunnen.

Auch der Brunnenbauer Daniel Bañuls erfüllte Auftragswerke für die Franco-Diktatur, darunter ein Monument der „Gefallenen der Vega Baja“, das eine Gruppe von Falangisten würdigte, die 1936 versuchten, den in Alicante verhafteten und später hingerichteten Falange-Gründer Jose Antonio Primo de Rivera mit einem Putschversuch gegen die Republik zu befreien. Das Denkmal stand unberührt bis 2009 im Barrio Agua Amarga am Ortseingang von Alicante, bis es von der faschistischen Symbolik befreit und allen Opfern des Bürgerkrieges gewidmet wurde.

Soweit, den historischen Pulverdampf wegzublasen, ist man im Zentrum Alicantes noch nicht. Stattdessen huldigt der Platz weiterhin der Hymne des Franco-Faschismus. Manche sagen, es sei auch kein Zufall, dass gerade hier die Vox-Aufmärsche der Stadt stattfinden und die Cazeroladas, das Topschlagen währen der Coronavirus-Zeit gegen die Regierung besonders laut zu vernehmen war.

Dabei hätte Alicante gerade im Zentrum mehr Feingefühl verdient, war sie doch die letzte Großstadt Spaniens, die bis April 1939 die Flagge der Republik hochhielt, bevor sie in die Hände italienischer Faschisten und dann der Franco-Truppen fiel und in ein riesiges Konzentrationslager verwandelt wurde. Die Refugios, die Schutzbunker gegen die Franco-Bomben auf die Alicantiner sind nur wenige Schritte von Luceros entfernt.

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