Auf einem Platz in Alicante kickt ein Kind.
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Costa Blanca: Schönste Plätze in Alicante - Kicken im alten Stadion

Ausflugstipps im Frühling

Schönste Plätze in Alicante - Kaffee im alten Stadion

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Im Frühling der Costa Blanca lädt zum Genießen des Wetters ein. Auf einem Platz treffen wir zwei Rentner, die hier heute Kaffee trinken, aber einst an selber Stelle dem Club Hércules zujubelten.

Alicante – Im Coronavirus-geprägten Frühling sind in Spaniens Städten Plätze gefragte Orte: Wo Abstände gut eingehalten werden können, wo zumindest etwas „Normalität“ - beim Kaffee im Freien etwa - winkt. Besonders schöne Plätze finden sich in Alicante an der Costa Blanca. Ein solcher ist die frisch restaurierte Plaza de la Viña. Bars und Spielgeräte locken bei gutem Wetter alt und jung an, Kunstwerke verleihen dem Platz das besondere Etwas. Und wenn Kinder den Fußball durch die Gegend schießen, knüpfen sie an die Geschichte an: Denn just hier, im alten Stadion von Alicante, jubelten früher die Fußballfans dem Club Hércules zu.

AlicanteStadt in Spanien
Fläche: 201,3 km²

Alicante: Schönste Plätze - Kaffee im alten Stadion

Davon erzählen Eduardo Durá und Manuel López, die wir bei bestem Wetter auf dem schönen Platz in Alicantes Viertel La Florida beim Kaffee treffen. Die Fußballfans sind heute rüstige Rentner, fiebern aber weiter mit dem Club Hércules mit, der heute zwar im prächtigen Stadion Rico Pérez spielt, aber im Niemandsland der dritten Liga herumdümpelt. Seit den 1920ern bis in die 70er spielte Hércules in der Arena auf der heutigen Plaza de la Viña. „Da vorn war die Straßenbahn, da konnte man sich ins Stadion schleichen“, sagt der 73-Jährige Durá, der noch im Viertel wohnt. „Das ging aber auch am Kino Asturias“, fügt López, 69, lachend hinzu.

Costa Blanca: Schönste Plätze in Alicante - Spektakel im alten Stadion La Viña.

Die beiden Rentner, mit denen wir entspannt in Alicante Kaffee trinken, sind Kinder des Nachkriegs-Hércules. Die Fußballfans wuchsen mit dem Club auf, der im Frühling ihres Lebens immer sonntags um 17 Uhr im alten Stadion in ihrem Viertel kickte. Tolle Zeiten erlebten sie mit ihren Helden, teilen uns die leuchtenden Kinderaugen der zwei Rentner auf einem der schönsten Plätze der Stadt mit. Besonders die Torhüter von damals haben es den beiden Spaniern angetan. „Amador – oder Umberto, der Paraguayer“, nennt Eduardo Durá. „Oder Santoro, der Weltmeister“, fällt ihm Manuel López ins Wort. Ganz rosig waren die Zeiten aber nicht.

Als Jugendliche arbeiteten die beiden Fußballfans aus Alicante in einer Fabrik. Die Bedingungen dort waren hart. Bei einem Unfall verlor Manuel López einen Finger, zeigt der Spanier uns an seiner Hand. „Am Wochenende darauf war ich aber natürlich, wie immer, im Stadion. Und was passierte? Ein Spieler zog ab, und der Ball traf die bandagierte Stelle!“

Schönste Plätze in Alicante - Spanien und die Welt im Viertel

Nein, in Ordnung war die Welt von „damals“ auch nicht. Auch im Fußball nicht. „Gegen Burgos gab es hier im Stadion mal ein vereinbartes 0:0“, erzählt Maniel López. „Eine Schande!“, ruft Eduardo Durá dazwischen. „Die Spieler von Hércules vergaßen damals, einen jungen Spieler einzuweihen. Als der ein Tor schießen wollte, bekam er Rüffel!“ Und auch der Kommerz war längst im Fußball eingekehrt, die Banden des Platzes voller Werbung. „Auf der Anzeigetafel standen nicht die Namen der Clubs, sondern der Firmen, für die sie warben. Auf einem Zettel musste man nachlesen, wer die Teams waren“, berichtet López.

Costa Blanca: Schönste Plätze in Alicante - Kaffee im alten Stadion

Auch Stars mit all ihren Allüren gab es, erzählen uns die Rentner beim Kaffee auf dem Platz de la Viña. „Wir hatten den Ungarn Nagy, ein Genie, aber nur, wenn er wollte. Einmal trabte er nur rum, die Fans wollten seine Auswechslung. Da schnappte er sich wütend den Ball, umdribbelte alle und schoss das Tor – und ging raus“, erzählt Fußballfan Durá. Burgos, Ungarn, Paraguay – für die jungen Anwohner, die nichts als ihr Viertel kannten, kam Spanien und die Welt ins Stadion Campo de la Viña. Heute sind die Männer selbst rumgekommen. López reiste vor der Corona-Krise etwa nach Marseille, Durá nach Polen.

Schönste Plätze in Alicante - Keine „guten alten Zeiten“

„Uns ist es gut ergangen“, sagen die Senioren und genießen sichtlich ihren Kaffee auf einem der schönsten Plätze von Alicante. Von einer vermeintlich „guten alten Zeit“ wollen sie nicht schwärmen. Zu bewusst sei ihnen der Vorteil vieler heutiger Möglichkeiten. „Den neuen Videoschiedsrichter im Fußball etwa finde ich gut“, versichert Eduardo Durá. „So bekommen endlich nicht nur Barcelona oder Madrid Vorteile.“ Manuel López stimmt zu, sagt aber: „Ich hoffe bald meine Enkel zum Spiel mitnehmen zu können. Mal sehen, ob sie, wie wir damals, umsonst ins Stadion hineinkommen.“

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