Hotel Gran Sol in Alicante
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Das Hotel Gran Sol in Alicante hat 50. Geburtstag. Wahrzeichen oder Schandfleck?

Stadtführer Alicante

Hotel Gran Sol in Alicante: 50 Jahre und kein bisschen schöner

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Das Tryp Hotel Gran Sol in Alicante wurde 1971 eingeweiht und dominiert bis heute das Stadtpanorama. Wie konnte das passieren? - Kleiner Stadtführer durch Alicante

Alicante –Das Hotel Gran Sol ist mit 97 Metern und 30 Stockwerken zwar nur das dritthöchste Gebäude Alicantes, aber von den dreien fällt es am meisten auf. Oder steht im Weg. Oder stört den Blick. Oder ist Wahrzeichen. Orientierungspunkt für desorientierte Touristen. Die Meinungen über das Gran Sol Alicante, Teil der Tryp Hotels der Meliá-Gruppe gehen weit auseinander. Und das war schon vor Errichtung des Gebäudes, das 1971 eingeweiht wurde.

Der Klotz fällt in die Zeit des Tourismus-Booms in Spanien, als bereits Ende der 50-er Jahre die reiche und gut mit der Nomenklatura des Franco-Regimes vernetzte Familie Alonso die Stadt dazu bewegte, ihr das Grundstück direkt im historischen Zentrum neben der Explanada zu verkaufen und eine Genehmigung für die Errichtung eines Hotels zu geben, das damals wie heute den ästhetischen Rahmen des Viertels sprengt. 123 Zimmer beherbergt der architektonisch einfallslose Bau, der zunächst „Edificio Alonso“ hieß und dessen einzige Qualität in der grandiosen Aussicht von den oberen Stockwerken besteht. Dort, in der 26. Etage, lädt das programmatische Restaurant „Convistas“ (Mit Ausblick) zu Frühstück, Brunch und Paella mit 360 Grad-Stadtpanorama, fast auf Augenhöhe mit den Zinnen der nahen Burg Santa Barbara.

Twin Towers Alicante: Hotel Gran Sol sollte einen Zwillingsturm bekommen

2003 wurde der Wolkenkratzer generalüberholt, auch die 1968 vom Maler Manuel Baeza angebrachten Wandmalereien, von denen die „Gran Sol“, die große Sonne ins Auge sticht. So wie das Haus ins Stachel der Altstadt. Den wollte ein Bürgermeister einmal ziehen oder zumindest verkürzen und es wurde ernsthaft überlegt, die Hälfte der Etagen wieder abzutragen. Schon während der Bauphase, 1966, tauchten Pläne auf, dem Gran Sol ein Gran Luna beizustellen und Alicante eine Art Twin Towers zu schenken. Die Debatte darüber beherrsche wochenlang die Zeitungen der Stadt, es wurde auf Benidorm verwiesen, sogar über ein Manhatten an der Costa Blanca spekuliert.

Normalerweise ist die Explanada in Alicante im Sommer überfüllt. Die Tourismusindustrie leidet in Spanien am meisten unter dem Coronavirus. Die jüngste Quarantäne in Großbritannien gibt dem Sommer 2020 in Spanien den Rest.

Es war ausgerechnet das eigentlich francohörige spanische Militär, das diesem Wahn einen Riegel vorschob. Weniger aus Gründen des Denkmalschutzes als aus purer Bequemlichkeit. Denn auf dem für den zweiten Turm vorgesehenen Grundstück stand und steht ein Ferienheim der Landstreitkräfte, das die Armee bis heute betreibt und von dem es sich nicht vertreiben lassen wollte.

Dem Höhenflug in Alicante konnte nicht gänzlich Einhalt geboten werden, das Estudiotel Alicante, auch als Riscal bekannt und das Wohnhaus El Barco überragen mit 117 und 111 Metern das Gran Sol noch, sind allerdings nicht so zentral platziert. Das eigentliche Dilemma aber sind Verfall und Leerstand vieler historischer Bauten, auf die man aus dem Gran Sol herabblicken kann. Im „Barrio“ verfallen regelrecht frühere StadtPaläste oder bleiben von charmanten Bürgerhäusern aus dem 18. Jahrhundert nur die Fassaden übrig, während das entkernte Innere AirBnB-optimiert per Gentrifizierung angestammte Familien und damit den gewachsenen Charme des Zentrums vertreibt. Das Problem Alicantes ist so gesehen mehr die Breite als die Höhe.

Auslastung der Hotels in Alicante bei fast 80 Prozent - Deutsche lieber in Ferienwohnungen

Die Hotels der Provinz Alicante erreichten im Juli eine Auslastung von 78 Prozent, jene der Stadt Alicante sogar fast 80 Prozent. Das meldet die Asociación Provincial de Hoteles de Alicante. Damit lag die Auslastung um fast 20 Punkte über dem Juni und sogar um 33 Prozentpunkte über dem Wert des Juli im Katastrophenjahr 2020. Allerdings fehlen nochmals 11,7 Punkte, um an die Rekordwerte aus dem Juli 2019 anknüpfen zu können, in dem die Hotels zu 90 Prozent belegt waren.

Knapp 53 Prozent der Gäste kommen aus dem Inland, davon fast jeder dritte aus Madrid, 28 Prozent aus der Heimatregion Valencia, gefolgt von Kastilien La Mancha mit 8,7 Prozent. Bei den internationalen Gäste führen erstmals die Franzosen (13,4) vor den Briten (8 Prozent). Das kleine Dänemark überholt mit einem Anteil von 7,3 Prozent bei den Nächtigungen die Deutschen (5,6 Prozent), was aber auch an den unterschiedlichen Urlaubsgewohnheiten (Ferienwohungen) liegt. Schweden kommen auf 7, Belgier und Niederländer auf je 5,5 Prozent. Die höchsten Auslastungen erreichten Hotels in Jávea (94,2), Playa San Juan (92,5 und El Campello (89 Prozent), die niedrigste wurde in Orihuela (53 Prozent) und anderen Binnenorten gemessen.

Lust auf Alicante: Ein kleiner Stadtführer

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