Blick auf die Kirche Santa Maria in Alicante.
+
Die Basílica Santa María in Alicante ist die älteste erhaltene Kirche der Stadt.

Stadtgeschichte(n) Alicante

Alicantes älteste Kirche: Santa María, nah am Wasser gebaut

  • vonMarco Schicker
    schließen

Die Basílica Santa María de Alicante im Altstadt-Barrio ist die älteste Kirche der Stadt, sie entstand noch vor der größeren Konkathedrale. Dementsprechend viel hat sie erlebt.

Alicante – Errichtet wurde die Iglesia de Santa María de Alicante zunächst im spätgotischen Stil auf den Grundfesten der Hauptmoschee der Medina Al-Laqant oder Madîna Laqant, wie Alicante während der islamischen Epoche hieß. Jaime I., König von Aragón, befahl nach der Eroberung 1264 die „Reinigung“ der Kultstätte, also ihre Christianisierung und die Tilgung „falscher“ Riten.

Sowohl die Moschee als auch der erste Kirchenbau standen direkt an der der alten Stadtmauer, die gleichzeitig Kaimauer war. Die Gläubigen in Alicante beteten damals mit Meerblick. Die Uferlinie des Mittelmeeres verlief bis knapp vor das heutige Rathaus. Die Explanada, das gesamte Hafengelände und der Stadtstrand El Postiguet sind auf künstlichen Landgewinnen errichtet. Teile der maurischen Stadtmauer sind noch an der Plaza Paseíto Ramiro direkt an der N-332 nur 100 Meter von Santa María und im Untergeschoss zu sehen.

Basilika Santa Maria Alicante: Ein Wunder aus der Asche

Der Bau der Kirche zog sich in mehreren Etappen hin, weshalb sich vor allem im Inneren, aber auch teilweise am Hauptportal bereits der Renaissance-Stil und - wie überall in Spanien, viel Barock - erkennen lässt. Der rechte Turm stammt in seinen Grundfesten noch aus der ersten Bauphase im 14. Jahrhundert, der linke Turm wurde 1713 errichtet. Die Kirche grenzte an ein Kloster und beides wurde wie eine Festung ausgebaut, was wegen der vielen Piratenangriffe auch geboten war.

Die Kanonenkugel in der Kirche Santa Maria in Alicante soll noch aus der Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges 1709 stammen.

Am 31. August 1484 vernichtete ein Großbrand Teile des Hauptaltars, das Chorgestühl, die Orgel und fast alle Gemälde. Darunter auch die meisten der erst 1480 vom valencianischen Künstler Rodrigo de Osona fertiggestellten 14 Tafelbilder mit Szenen aus dem Leben der Jungfrau María. Anfang des 20. Jahrhunderts tauchten zwei der Tafeln wieder auf, Alicantinische Landgrafen, einer davon mit dem zweiten Nachnamen Ladrón (Dieb) - nomen es omen - versteigerten sie in London. Über eine weitere Auktion gelangten sie in den 1940er Jahren in den Besitz des Prado in Madrid, in deren Depot sie offensichtlich sicherer sind als in ihrer Heimatstadt Alicante.

Eine weitere Tafel ist im unweit gelegenen Palacio Gravina, dem Museum der Schönen Künste von Alicante, verwahrt, wobei deren Echtheit umstritten ist, einige Kunstexperten halten sie für eine Replik aus der Barockzeit. Der Chronist Viravens überliefert uns aus den Stunden des Brandes ein Wunder, wie sie bei solchen Katastrophen gerne geschehen gemacht wurden. Ein tränenüberströmter Pfarrer fand in den rauchenden Trümmern eine völlig unversehrte Schatulle mit einigen Reliquien. Das war natürlich ein Zeichen. 1602 nahm der Vatikan das zum Anlass, kirchenweit das Fest des heiligsten Sakraments auszurufen, das die Anwesenheit Jesu Christi bei den Sakramenten (Taufe, Kommunion etc.) bezeugen soll.

Feuer und Flamme für die Jungfrau in Alicante

Santa María in Alicante wurde wieder aufgebaut und erfuhr noch bis ins 18. Jahrhundert seine Barockisierung wie leider so viele alte Kirchen, die mit goldenem Tant überzogen wurden und ihre ursprüngliche Gestalt und Einrichtung verloren.

Das heutige Hauptportal mit der Marienfigur über dem Eingang stammt von 1728, im Inneren aber findet man noch immer die originalen Gewölbe und einige Altarelemente aus der Renaissance – in Alicante eine absolute Rarität –, dazu zwei Gemälde und ein Relief aus der Zeit vor 1500, eines davon auch von Osona.

Eine spätgotische Säulenhalle und Altar-Schiffe aus der Renaissance. Blick ins Innere der Kirche Santa Maria von Alicante, der auch die Barockisierung nicht erspart blieb.

Die wassernahe Lage wäre der Kirche bald wieder zum Verhängnis geworden. Im Spanischen Erbfolgekrieg Anfang des 18. Jahrhunderts griffen französische Truppen Alicante an, bis heute steckt in einer der Mauern des Seitenschiffes eine rostige Kanonenkugel fest. Fremdenführer behaupten stur, es sei das Original. Noch übler mitgespielt wurde Santa María im Spanischen Bürgerkrieg. Anarchisten plünderten 1936 die Kirche, wieder brannten Heiligenbilder, die Orgel und auch das Renaissance-Taufbecken wurde zertrümmert. Auf einem Schafott auf dem Vorplatz ging der Altar in Flammen auf. Bis 1939 wurde das Gotteshaus dann als Lager für das Militär missbraucht.

Erst 2007 erfolgte, auf Antrag des Rathauses, die Beförderung der Kirche zur Basilika durch den Vatikan. Sie ist wegen ihrer Schönheit und pittoresken Lage bis heute die bevorzugte Feierstätte der Alicantiner für Taufen, Hochzeiten und Todesfälle und alles was dazwischen liegt.

Mehr Stadtgeschichte(n) aus Alicante:

Apokalypse in Alicante: Die letzten Tagen des Spanischen Bürgerkriegs.
Carmen in Alicante: Von der Tabakfabrik zum Kulturzentrum Las Cigarreras.
Dem Stierkampf ein Adiós: Die Plaza de Toros in Alicante.
Burg von Alicante: Das Castillo de Santa Bárbara muss man sich erobern.
Der Brunnen der Geschichte: Die Plaza Luceros von Alicante.
Magische Nächte in Alicante: Die Fiestas de las Hogueras de San Juan.
Der Bauch von Alicante: Mercado Central, die Markthalle Alicantes.
Marmor und Erinnerungen: Alicantes Flaniermeile Explanada.
Auf der „besten Erde der Welt“: Alicantes ältester Tourismus-Slogan.
Spiegel einer Stadt: Das Museum der Schönen Künste von Alicante.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare