Die argentinische Flagge hängt an einem Kolonialbau
+
Neues Leben in Argentinien: Alteaner bauen eine kleine Zwillingsstadt in der Region Buenos Aires auf.

Spanier im Ausland

Altea in Argentinien: Migranten gründeten ihre eigene Costa Blanca in Südamerika

  • vonStella Kirchner
    schließen

Menschen von überall zieht es in die malerische Stadt Altea an der Costa Blanca. Im letzten Jahrhundert zogen jedoch Tausende weg und bauten sich ein neues Leben in Argentinien auf - inklusive valencianischer Sprache und Kultur.

  • In Argentinien bauten spanische Migranten von der Costa Blanca ein zweites Altea. 
  • Über 5.500 Migranten verließen Altea zwischen 1890 und 1960 und zogen gen Argentinien.
  • Die Kleinstadt Coronel Dorrego feiert noch heute die Fallas wie Altea und spricht Valenciano. 
Alteaner wandern nach Argentinien aus: Eine bessere Perspektive und das südamerikanische Lebensgefühl lockten die Spanier nach Buenos Aires.

Altea - Residenten, die aus anderen Ländern stammen, leben viele in Altea und das mit gutem Grund: Idyllische Natur am Río Algar und wunderschöne Strände und Buchten treffen hier auf Kunst und Kultur. Doch nur wenige an der Costa Blanca, ob Einheimische, hier „Hängengebliebene“ oder Urlauber, wissen, dass in den vergangenen zwei Jahrhunderten zahlreiche Alteaner selbst ausgewandert sind. „In der Stadtchronik von Altea fehlt praktisch eine komplette Generation“, weiß Cristina Fuster Polvoreda, Lateinamerikawissenschaftlerin, Gymnasiallehrerin und Co-Autorin des Buches „Migració Altea-Argentina“, das sie Anfang des Jahres – allerdings bisher nur auf Valenciano – mit Diego Barber und in Zusammenarbeit mit dem Rathaus veröffentlicht hat. Die Migranten verschlug es damals ganz besonders in ein Land: Argentinien.

Die Autorin beschäftigt sich vor allem mit dem Höhepunkt der Auswanderungswelle zwischen 1890 und 1960, wo schätzungsweise 5.500 Migranten aus Altea ihre Heimat verließen und bei den „Ches“ – wie die Argentinier aufgrund der häufigen Verwendung dieses Ausdrucks in ihrem Dialekt genannt werden – ein neues Leben in Südamerika begannen. Der Name Alteas, der sich vom griechischen Altahia ableitet und „ich heile" bedeutete, findet sich auch in Argentinien noch teilweise wieder, in Fußballvereinen, als Straßennamen oder an Gebäuden.

Bis zum heutigen Tage haben die Alteaner ihre Spuren in Argentinien hinterlassen. Die Kleinstadt Coronel Dorrego im Bundesstaat Buenos Aires, etwa 600 Kilometer von der argentinischen Hauptstadt entfernt, zeigt noch immer viele Überreste ihrer Gründerväter von der Costa Blanca. Dabei geht der Name der Stadt eigentlich auf den argentinischen Widerstandskämpfer Manuel Dorrego zurück, der für sein Engagement in den Unabhängigkeitskriegen gegen die Spanier berühmt geworden war. Bis heute pflegt das Rathaus von Altea einen regen Austausch mit der Zwillingsgemeinde auf der anderen Seite der Welt.

Ausgerechnet Spanier, genauer gesagt Migranten aus Altea, sollten dieses Fleckchen argentinischen Brachlands dann aber vom 19. Jahrhundert an bewohnen. „In Coronel Dorrego tragen noch viele Leute traditionelle Nachnamen aus Altea “, berichtet Autorin Fuster Polvoreda. In der 10.000-Einwohner Stadt gibt es sogar eine Plazoleta Altea, die sehr an die charakteristische Plaça im Altstadtzentrum von Altea erinnert, inklusive kleiner Iglesia mit einem blau-weißen Türmchen. Doch die Migranten sollten nicht nur Spuren in der neuen, sondern auch in der alten Heimat hinterlassen. Fuster Polvoreda und Barber gehen in ihrer Forschung davon aus, dass Alteas Stadtbevölkerung allein von 1910 bis 1932 von 6.473 auf 4.886 Einwohner sank, das entspricht fast einem Viertel der Bevölkerung.

Altea: Eine kleine Version des Kirchplatzes hat auch Coronel Dorrego in Argentinien.

„Wir sprechen hier vor allem von jungen Männern, die in Argentinien Arbeit gefunden haben. Das hatte drastische Folgen für Altea. Die Stadt verlor einen Großteil ihrer Industrie und musste viel Geld für externe Arbeitskräfte ausgeben, um ohne die Migranten überhaupt noch wirtschaftlich aktiv zu sein“, führt die Autorin aus. Auf der anderen Seite floss aber auch viel Geld aus Südamerika an die Costa Blanca. „Argentinien boomte, die Arbeiter wurden gut bezahlt und schickten Geld nach Hause“, erklärt die Autorin.

Eine Besonderheit der Beziehung zwischen Altea und Coronel Dorrego ist jedoch, dass die beiden Städte den Kontakt nie abbrachen. Im Jahr 2001 erklärten sie sich sogar ganz offiziell zu Partnerstädten. „Die Bewohner von Coronel Dorrego sprechen sogar Valenciano, wenn auch eine veraltete Form. Die Migranten haben es ja schließlich vor hundert Jahren mit nach Südamerika genommen“, weiß die Autorin Fuster Polvoreda, die selbst Familie in Argentinien hat. „Die Stadt hat sogar ein eigenes Fallas-Kommitee, weil sie auch dort ein wichtiger Feiertag sind.“ Wenn auch die Cremà, die traditionelle Verbrennung der Figuren, etwas kleiner ist als an der Costa Blanca, hat sich doch ein Teil der valencianischen Kultur in Südamerika bewahrt. Hier ein kleiner Eindruck von der argentinischen Version der Fallas:

  • Stella Kirchner
    schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare