Fahne und Wappen von Altea.
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Fahne und Wappen von Altea mit dem Habsburger Doppeladler.

Orte an der Costa Blanca

Altea: Wie Habsburgs Doppeladler ins Stadtwappen geriet

  • vonMarco Schicker
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Für ein paar Tage Weltruhm: Mit Wein und Mandeln empfingen die Bürger von Altea 1705 einen Habsburger, der sich just hier an der Costa Blanca zum König von Spanien aufschwang. Der kleine Verrat an Spanien ist Altea bis heute ins Stadtwappen geschrieben.

  • Von Dénia und Altea aus eroberten die Briten Gibraltar.
  • In Altea krönte sich ein Habsburger Erzherzog zum König von Spanien - für ein paar Tage.
  • Alteas Dorfpfarrer empfing die Österreicher und spekuliert auf Vorteile für die Stadt. Der Doppeladler blieb als Erinnerung daran das Stadtwappen.

Altea – Nach der Rückeroberung von den Mauren im 13. Jahrhundert gehörte die Bucht von Altea mal zum Königreich Valencia, dann zur Krone von Aragón. Piraterie, Pest und Vertreibungen entvölkerten die Gegend im 17. Jahrhundert fast. Familien aus Mallorca, Aragón und Katalonien und Kastilien wurden angesiedelt. Seit der Neugründung 1617 dümpelte Altea in gepflegter Monotonie: Landwirtschaft, Fischerei, später Tourismus und etwas Kunst. Entlang des Camino real kann man heute die Geschichte Alteas nachlesen.

Doch zweimal, 1704 und 1705, wurde Altea mit seinen damals gerade 1.200 Einwohnern kurz zu einem Schauplatz der Weltgeschichte. Es wütete der Spanische Erbfolgekrieg. Bourbon gegen Habsburg: Die spanische Linie der Habsburger war erloschen, die Bourbonen wollten Philip von Anjou, Enkel des Sonnenkönigs, auf Spaniens Thron setzen. Die Österreicher einen Habsburger aus Wien.

England und Holland gegen Frankreich, gegen Spanien, gegen Österreich: Altea mittendrin

England gegen Frankreich: Die Seemächte Britannien und Holland wollten eine starke Achse zwischen Spanien und Frankreich verhindern. Sie schlugen sich auf die Seite Österreichs, nachdem ihr eigentlicher Favorit für den spanischen Thron, ein politisch schwacher Prinz aus Bayern, 1699 plötzlich verstorben war.

Jeder gegen jeden: Die untereinander verschwägerten, aber verfeindeten Herrscherhäuser Europas nutzten die Stunde für Neuordnungen. Preußen tauchte am Horizont auf, bedrängte Österreich in Schlesien und Böhmen. Russland und das Osmanische Reich stritten auf dem Balkan um die Vorherrschaft.

Eroberung Gibraltars begann in Dénia und Altea

Und Mittendrin: Altea. In den Kriegsjahren wurde Altea zweimal von der Koalition der Seemächte als Brückenkopf für Spanien erwählt. 1704 kam die britische Flotte nach Dénia und Altea und stach von hier aus in See, um das strategisch entscheidende Gibraltar an der Meerenge zwischen Europa und Afrika zu erobern und sich auf der iberischen Halbinsel – bis heute – einzunisten. Schilderungen von Commander George Rooke und dem Prinzen von Hessen-Darmstadt loben den Schutz der Bucht von Altea, von der Sierra Bernia und dem „Mount Benidorme“, heute Sierra Helada, abgeschirmt. Die Truppen nutzten den Río Algar, um unkompliziert Trinkwasser zu tanken.

Die Bucht von Altea von einer der vielen Aussichtspunkte in der Altstadt aus gesehen. Von hier startete auch ein österreichischer Erzherzog, um Spanien zu erobern.

Der Dorfpfarrer von Altea lässt die Österreicher rein: Erzherzog Karl krönt sich an der Costa Blanca zum spanischen König

Ein Jahr später, am 24. Juli 1705, legte Erzherzog Karl in Lissabon ab, um die österreichischen Interessen durchzusetzen. Auf Höhe Gibraltar stießen anglo-holländische Verbände zu ihm und landeten im August in Altea. Die Truppen des Marqués de Ariza, Madrids Statthalter und daher auf Seiten des Bourbonen, kanonierten von Cap Negret aus lustlos die Flotte und streckten alsbald die Waffen.

Die Bevölkerung Alteas soll den Habsburger „mit Mandeln, Wein und Jubel“ empfangen haben, wie eine Chronik vermerkt. Der damalige Pfarrer, Martí Morales, und sein Adjunktus Jaume Ripoll hatten für die Ankömmlinge Stimmung gemacht, sich daraus persönliche Vorteile erhoffend. Den Bürgern hatte der Pfarrer eingetrichtert, dass nur die Österreicher die Privilegien Aragóns und Valencias, die Machtteilung zwischen Cortes und Krone schützen würden. Mit den Franzosen aber würden Steuern und ein Madrider Zentralstaat kommen. Mit Letzterem behielt der Pfarrer recht.

Alteas kleiner Verrat an Spanien

In Altea proklamierte sich der Erzherzog selbst zu König Carlos III. von Spanien (es gab dann später einen echten Carlos III., der war aber Bourbone) und stickte der „Krönungsstadt“ aus Dankbarkeit für ihre Gastfreundschaft das Wappen der Habsburger auf ihr Banner. Sie trägt es bis heute. Ende August stach Karl von Altea gen Norden aus, was für die spanisch-französische Allianz überraschend kam, denn man erwartete einen Feldzug zu Lande oder über den Atlantik. Doch die Habsburger-Allianz eroberte zuerst im Oktober Barcelona und bald darauf València, wissend, dass die Granden ihnen dort eher gesonnen waren.

Die Schlacht von Almansa bei Albacete 1707 beendete die habsburgischen Ambitionen. Felipe V. de Borbón wurde König. Die Krone von Aragón und so auch das Königreich Valencia hörten auf zu existieren, – um später und bis heute als einer der Mythen des katalanischen Separatismus aufzuleben.

Der Zentralstaat entstand, aber Spanien konnte nie mehr an Glanz und Gloria unter Carlos I. anknüpfen. Dreimal noch mussten die Bourbonen den Thron verlassen und kamen wieder, doch auch das Spanische Königshaus ist nur noch ein Schatten seinerselbst. Auch Altea kehrte in ruhige Fahrwasser zurück, behielt aber den Doppeladler in der Flagge, als Erinnerung an ein paar Tage Weltruhm durch einen kleinen "Verrat".

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