Eine Frau in einem Schneider-Atelier hält ein rotes Kleid hoch
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Luisa Atanor in ihrem neuen Atelier in Altea, wo die Spanierin nachhaltige Mode schneidert.

Slow Fashion aus Spanien

Stille Aktivistin in Altea: Luisa Atanor schneidert nachhaltige Mode

  • VonMathias Pillasch
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Es geht auch anders: In Altea an der Costa Blanca schneidert die Künstlerin Luisa Atanor nachhaltige Mode - als Gegenentwurf zur Billig-Kleidung der großen Konzerne.

Altea – Egal ob in Spanien oder anderswo: Schnäppchen am Wühltisch und Sonderangebote im Online-Handel – man fragt sich bisweilen, wie Kleidungsstücke so günstig sein können. Schnell bekommt man eine unbequeme Antwort – niedrige Preise bedeuten zumeist auch Ausbeutung und miserable Arbeitsbedingungen für die Produzenten der Kleidung. Heutzutage designen die Textilgiganten ihre hauseigenen Kollektionen in hoher Frequenz und trendbezogen. Die Kleidung wird zu niedrigen Preisen produziert und verkauft. Dieses Geschäftsmodell bezeichnet man als Fast Fashion. Fast Fashion orientiert sich nicht an der Langlebigkeit der Produkte, der Nachhaltigkeit ihrer Produktion oder guten Arbeitsbedingungen.

Gegenentwurf zu den Modegiganten: Spanierin schneidert in Altea nachhaltige Mode

Als 2013 ein achtstöckiger Fabrikkomplex in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, einstürzte und tausende Arbeiter unter sich begrub, reifte in Luisa Atanor deshalb eine Entscheidung. Die Spanierin wollte mit ihrer Arbeit in Altea an der Costa Blanca einen Gegenentwurf zum modern gewordenen exzessiven Modekonsum und der Billig-Kleidung der großen Modekonzerne zeichnen. Statt Fast Fashion schneidert die studierte Künstlerin Slow Fashion. Also nachhaltige Mode und damit Kleidungsstücke, die lange halten sollen und aus ökologischen Materialien bestehen, die fair gehandelt wurden. Das nötige Handwerkszeug dazu wurde ihr förmlich in die Wiege gelegt. So half Luisa Atanor bereits in jungen Jahren in der Änderungsschneiderei ihrer Mutter aus und lernte das Handwerk dort von der Pieke auf.

Später begann die Spanierin, ihre selbst geschneiderte nachhaltige Mode aus wiederverwerteten Stoffen zu verkaufen, was jedoch nicht immer einfach war. „Vor einigen Jahren noch hat sich niemand für die Kleidung interessiert, wenn ich geschrieben habe, dass die Stücke aus recycelten Materialien bestehen“, sagt Atanor, aber das habe sich mittlerweile zum Glück ein bisschen geändert. Inzwischen benutzt sie auch mal neue Stoffe, möglichst organische, selten synthetische, aber immer mit dem Auge für die Qualität und den fairen Handel dahinter. Ihre nachhaltigen Kleidungsstücke sind allesamt Unikate, es gibt sie nur einmal.

Wissen weitergeben: Kurse zu nachhaltiger Mode in Altea

Luisa Atanor sieht sich als stille Aktivistin. Als Medienkünstlerin widmet sie sich regelmäßig den Missständen in der Industrie. Belehren möchte sie dennoch niemanden, sondern lieber Alternativen aufzeigen. Ganz in diesem Sinne bietet sie in ihrem Atelier in Altea auch Kurse im nachhaltigen Schneidern an, bei denen man Techniken und den Umgang mit der Nähmaschine lernen kann. Darüber hinaus kann man ihr bunte Sammlungen ausgemusterter Kleidungsstücke geben und daraus etwas ganz Neues entstehen lassen – vom Kleid aus T-Shirt-Resten bis hin zum Kissenbezug aus alten Jeans. „Wir müssen neu lernen, was früher viel normaler war. Nämlich nachhaltiger zu leben. Davon profitieren wir alle: die Konsumenten, die Produzenten und letztendlich der ganze Planet.“ Abgesehen von schärferen Kontrollen der Textilindustrie, wünscht sie sich deshalb auch ein Umdenken in der Gesellschaft und etwas mehr Bewusstsein für die Herkunft der eigenen Kleidung.

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