Auferstanden aus Vulkanasche

Alteas idyllische Bucht: Umweltschützer aus Spanien kämpfen für Cala del Soio

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Altea: Umweltschützer wollen die Cala del Soio vor dem Tourismus retten.
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Im idyllischen Städtchen Altea an der spanischen Costa Blanca hat Umweltschutz eine lange Tradition. Doch die kleine Bucht Cala del Soio und ihr 225 Millionen Jahre altes Vulkangestein sind in Gefahr.

  • Gegen Tourismus: Umweltschützer wollen Alteas Bucht Cala del Soio retten.
  • Costa-Blanca-Städtchen Altea hat seinen Charme trotz Massentourismus‘ im benachbarten Benidorm bewahrt.
  • Spektakulär alte Cala aus Vulkangestein von vor 225 Millionen Jahren.

Altea- Als ein Eiland inmitten der Bettenburgen Benidorm und Calp hat Altea sich immer einen gewissen eigenen künstlerischen und alternativen Flair bewahrt. Riesige All-Inclusive-Partyhotels und überfüllte Strände und Buchten sucht man hier vergeblich. Auch der Umweltschutz hat schon lange Tradition in Altea: Bereits unter Diktator Franco, der die komplette Küste am liebsten in einen einzigen Hotelbunker verwandeln wollte, drückten die Anwohner und Umweltschützer der übrigen Costa Blanca ihren Protest aus - damals noch in Nacht- und Nebelaktionen.

Altea: Tourismus greift 225 Jahre alte Naturbucht an

Wesentlich weiter zurück noch liegt die Geschichte der kleinen Bucht Cala del Soio nördlich vom Strand Cap Negret. Ganze 225 Millionen Jahre ist die kleine Bucht aus Vulkangestein nämlich schon alt. Doch zum Leidwesen der Umweltschützer ist an der Bucht ein kleiner Sporthafen, als Portet bekannt, angesiedelt. Der Betreiber möchte die Hafeneinfahrt neu ausrichten und baggert dafür fleißig in Millionen Jahren gewachsenen Vulkangestein herum. Eingerahmt von der Sierra Helada im Süden und dem Peñón de Ifach im Norden – beides staatliche Naturschutzgebiete – entstand dieses spezielle Fleckchen Küste aus einem bis heute bestehenden Unterwasservulkan. Biologe Joan Piera aus Altea hat sich viele Jahre mit der Natur in seiner Stadt beschäftigt, von der bergigen Küste über das Gebirge Sierra Bernia bis hin zum Fluss Algar. Der Naturwissenschaftler und Umweltschützer stellt klar: „Wir sprechen hier von einer Zeit, in der es noch den großen Urkontinent Pangea gab, es war also alles ein zusammenhängendes Land.“

Alteas Natur schützen: Joan Piera kennt die Cala del Soio in und auswendig.

Doch auch im Jahr 2020 ist das vulkanische Erbe der kleinen Cala del Soio in Altea noch präsent, man kann es sogar mit bloßem Auge erkennen. „Diese dunklen Steine mit glitzernden Mineralablagerungen zeugen allesamt vom Vulkan“, erklärt Piera. „Die Entstehung von Mineralien wird durch Konvektion ausgelöst. Die tiefen Gewässer werden vom Magma erwärmt und weisen höhere Temperaturen als die Oberfläche auf. Außerdem unterscheiden sich die chemischen Strukturen in der Tiefe stark vom dem übrigen Meerwasser. Das setzt einen Konvektionsstrom in Gang, der mit den von der Küste abbröckelnden Gesteinsstückchen ionisiert. In Folge dessen bilden sich Mineralgesteine“, erklärt der Wissenschaftler die besondere Geologie der Cala del Soio.

Altea Umweltschutz: Tourismus zerstört Naturschätze

Diese einmaligen Vorgänge und Mineralienvorkommen sind schon lange bekannt. „Der illustre valencianische Botaniker Antonio José de Cavanilles untersuchte die Cala in Altea schon vor 225 Jahren, katalogisierte alle seltenen Mineralien und zeigte auch, dass die Bucht ein Paradies für verschiedene Tier- und Pflanzenarten ist“, macht Biologe und Umweltschützer Piera deutlich. Von diesen Lebewesen hat der Portet tatsächlich einige zu bieten. Bis zu 1.000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten sind hier gelistet. Gerade die Pflanzen sind schon sehr alt, viele davon sind in mehreren hundert Jahren gewachsen. „Es gibt Studien, dass wir allein 100 Jahre bräuchten, um die Bucht in Altea in den ökologischen Zustand zurückzuversetzen, der vor dem Sturmtief Gloria herrschte“, erklärt Piera. Die Umweltzerstörung durch den Tourismus sei hingegen nicht so genau beziffert und würde es vermutlich auch nicht werden.

Allein 100 Jahre bräuchte die Bucht in Altea, um zu ihrem natürlichen Zustand vor dem Unwetter zurückzukehren. Die Schäden durch den Tourismus sind wohl wesentlich höher.

Joan Piera, Biologe aus Altea

Im Gegensatz zum Sturm sind die Bauarbeiten aber vermeidbar. Das meint zumindest der Anwohnerverein Associació de Veïns de l‘Olla i Cap Negret, der Ende Februar, kurz vor Ausbruch der Coronavirus-Krise, über 500 Menschen und alle Parteien aus Alteas Stadtrat, von der konservativen PP bis hin zur linken Altea amb Trellat mobilisieren konnte. „Die ersten Bauarbeiten haben in den 70ern angefangen, noch in der Franco-Diktatur“, erinnert sich Rafael Llorca Signes vom Verein. „Damals konnten wir nicht frei unsere Meinung sagen, aber wir haben immerhin schon Informationsblätter verteilt“, erzählt der Alteaner, der sich seit Jahrzehnten für den Umweltschutz organisiert. Jetzt scheinen die Bauarbeiten zum Erliegen gekommen zu sein, Corona macht es möglich. „Wir haben geltend gemacht, dass sich archäologische Exponate in der Bucht befinden und das nationale Institut für Archäologie prüft unser Anliegen jetzt. Wie alle Behördenvorgänge hat sich auch diese Entscheidung durch das Coronavirus verzögert“, erklärt der Umweltschützer Llorca Signes. Eine endgültige Entscheidung erwartet der Verein in wenigen Wochen.

Alteas Küste: Der Hafen soll ausgebaggert werden.

Umweltschutz Altea: Keine neuen Fehler mehr machen

Für den Umweltschützer aus Altea kommt es aber nicht auf die Vergangenheit, sondern vor allem auf das Hier und Jetzt an, denn es geht darum, die Natur, die noch existiert, zu bewahren. „Das, was schon bebaut wurde, kann nicht rückgängig gemacht werden, aber es gibt noch so vieles hier, was sich zu schützen lohnt“, so Llorca Signes. Dabei verweist er auch auf den kleinen Fossilstrand, der oberhalb des Sporthafens an der Cala del Soio in Altea liegt. Die Mitglieder des Nachbarschaftsvereins beobachten die Arbeiten des Hafenbetreibers nun genau. „Sobald die Bagger Vulkangestein berühren, zeigen wir ihn an.“

Doch der Tourismusunternehmer ist nach Auffassung des höchsten spanischen Gerichts, dem TS, im Recht. Umwelt- und Baustadtrat von Altea, José Orozco (Compromís), erklärt den Costa Nachrichten: „Wir haben bis zum Obersten Gerichtshof gegen das Bauprojekt an der Cala del Soio geklagt, aber verloren. Jetzt können wir nichts weiter tun, als die Arbeiten hinauszuzögern, bis die Konzession 2023 ausläuft, und hoffen, dass das Küstenamt dann unserer Bitte nachkommt, keine Lizenz für den Hafenbetrieb mehr zu vergeben.“ Stattdessen möchten die Gemeinde Altea und Umweltschützer ein Museum über den Klimawandel eröffnen.

Alteas schönste Bucht: Rafael Llorca Signes (l.) und Joan Piera (r.) wandeln auf 225 Millionen Jahren Vulkangeschichte.

Umweltministerium hilft: Cala del Soio soll nicht bebaut werden

Selbst das valencianische Umweltministerium beschäftigt sich mit dem Naturschutz in Altea. Landesumweltministerin Mireia Mollà unterstützt die Forderung, touristische Bauvorhaben in Altea zugunsten des Naturschutzes zu unterbinden. „Es ist meine Aufgabe, das Naturerbe der Comunidad zu schützen“, erklärt sie. Im September des vergangenen Jahres hat sie die kleine Cala del Soio mit in den Naturschutzplan ihres Ministeriums aufgenommen. Gegen den Vertrag mit dem Betreiber des Hafens, der bis 2023 gilt, kann aber auch sie nichts unternehmen.

Vielleicht kann aber auch das Coronavirus neben verlangsamten Behördengängen noch einen weiteren Anlass zur Besserung geben. Noch immer ist die spanische Grenze für ausländische Urlauber geschlossen und wird erst am 1. Juli wieder geöffnet. Selbst wenn es nach und nach wieder mehr Flüge von Deutschland nach Spanien geben wird, gilt es als sicher, dass die Anzahl der Urlauber stark limitiert werden wird- vor allem auch an den Stränden. Lohnt es sich dann für den Betreiber überhaupt noch, die Hafeneinfahrt umzulegen, wo doch der Tourismus im Jahr 2020 eher mau ausfallen wird und er seine Konzession im Jahr 2023 mit ziemlicher Sicherheit verlieren wird? Auch unter den Touristen hat ein Umdenken stattgefunden, viele von ihnen bevorzugen mittlerweile kleinere Hotels auf dem Land als die großen Bunker wie in Benidorm. „Ich hoffe einfach, dass die Bagger für immer aus der Cala del Soio verschwinden", sagt Umweltschützer Rafael Llorca Signes bestimmt, auf dass die kleine Bucht in Altea noch 225 Millionen weitere Jahre überlebt.

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