Nach dem Sterben von Tausenden von Fischen räumen Helfer das Mar Menor auf so gut es geht. Foto: Ángel García

Angekündigte Katastrophe

San Pedro del Pinatar - ste. Selten war ein Name so sehr Programm: Mar Menor bedeutet in etwa „klein...

San Pedro del Pinatar - ste. Selten war ein Name so sehr Programm: Mar Menor bedeutet in etwa „kleineres Meer“ – und genau diese geringe Größe soll der Lagune in der vergangenen Woche zum Verhängnis geworden sein. Drei Tonnen tote Fische, Krebse und andere Meerestiere wurden seit Donnerstag, 10. Oktober, an den Strände angeschwemmt, die Frage ist nur, warum. Relativ sicher ist, dass Sauerstoffmangel im Wasser Schuld war, was an sich keine Neuigkeit wäre. Ohne einen Aus- oder Abflusspunkt ist es praktisch unmöglich für ein Gewässer, sich nach eingetretenem Sauerstoffmangel wieder selbst zu regenerieren. Das Mar Menor ist somit vergleichbar mit einem See. Auch die geschäftsführende spanische Umweltministerin Teresa Ribera (PSOE), die das Gebiet am Mittwoch, 16. Oktober, unter der Leitung des Umweltverbandes Anse (Asociación de Naturalistas del Sureste) besuchte, fand kritische Worte für das Krisenmanagement der PP-geführten murcianischen Landesregierung. Sie spricht von einem „Umweltnotstand“, der „sehr ernste und rigorose Maßnahmen“ erfordere. Sie betont, dass die Landesregierung, die den Landwirten traditionell sehr zugewandt ist, nicht in der Situation sei, Forderungen zu stellen. Die Suche nach der Wahrheit Der Ort San Pedro, der ganz im Norden der Lagune liegt, macht von außen betrachtet gute Miene zum bösen Spiel, die Strände sind zwar noch gesperrt, aber Reinigungskräfte sind im Dauereinsatz, um die toten Tiere aus dem Blickfeld zu entfernen. Fragt man allerdings abseits von Polizei und Vertretern der Regierung nach, wird schnell deutlich, wie groß die Unzufriedenheit tatsächlich ist. „Uns werden nur Lügen erzählt. Die murcianische Regierung schaut immer weg, wenn die Landwirtschaft das Meer verpestet und ich bin mir sicher, dass auch das aktuelle Fischsterben keine natürliche Ursache hat“, klagt beispielsweise Iván Moreno, Kellner des Restaurants Los Molinos. Damit spielt er auf die Erklärung von Wissenschaft und Regierung an, die das Fischsterben aktuell auf die starken Unwetter im September zurückführen. Regen – und damit Süßwasser – angereichert mit Schmutzpartikeln aus der Luft seien demnach auf die Meeresoberfläche gelangt. Durch die starken Winde der letzten Woche habe sich dieses sauerstoffarme Süßwasser mit den unteren Schichten aus sauerstoffreichem Salzwasser vermischt, wodurch das Mar Menor praktisch „umgekippt“ sei. Auch die anderen Bewohner San Pedros sind skeptisch, was die Erklärung des Wetterphänomens Dana zum Schuldigen für die Umweltkatastrophe angeht. Nicht nur einmal wird die Frage laut, wieso erst Wochen nach den Unwettern tonnenweise Fische sterben mussten. Für den aufgebrachten Ort, der von Tourismus und Fischfang lebt, fehlt ein entscheidender Faktor in dieser Rechnung. „Jahrelang konnten die Landwirte mit dem Mar Menor alles machen, was sie wollten, und jetzt bekommen wir alle die Quittung dafür“, wettert Miguel Henarejos Villegas, dessen Eltern das kleine Hotel Alaska, nur wenige Meter vom Strand entfernt, gehört und der auch für die oppositionelle PSOE im Stadtrat sitzt. Er sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der ökologischen Situation und dem Rückgang der Touristen, die Familie wird das Hotel künftig nur noch fünf statt sieben Monate im Jahr öffnen. „Ich bin mir ganz sicher, dass auch diesmal wieder eine schädliche Chemikalie wie Methan oder verpestetes Abwasser ins Meer geleitet worden sind, die dem Ökosystem jetzt den Rest gegeben haben. Starke Unwetter hatten wir schon früher und dabei sind nicht so viele Fische gestorben“. Dieser Meinung schließt sich auch der Direktor der Fischereigenossenschaft von Pinatar, Jesús Gómez, an. „Ganz sicher hat diese Situation ihren Ursprung in der Vergangenheit. Das Meer wurde so sehr verseucht, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis es kollabiert. Von Seiten der Fischereigenossenschaft haben wir immer wieder informiert und demonstriert, aber nichts ist passiert“, bedauert er.

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