Spaniens Premier Sanchez steigt in einen Zug.
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In Alicante stieg Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez am 1. Februar in den AVE, um die neue Strecke bis Elche und Orihuela zu eröffnen.

Eisenbahn in Spanien

Neue AVE-Strecke Madrid-Elche-Orihuela von Spaniens Regierungschef Sánchez eröffnet

  • vonMarco Schicker
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Am Montag, 1. Februar, hat Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez höchstpersönlich in Elche und Orihuela das neue Teilstück des Hochgeschwindigkeitszuges AVE eröffnet und Hoffnung auf bald wieder „landesweite Mobilität“ geschürt. 90 Passagiere fuhren schon mit. Am Rande gab es Proteste und es bleibt eine lange Wunschliste an die Bahn offen.

Elche/Orihuela - Am Montag, 1. Februar, hat Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez höchstpersönlich das neue Teilstück des Hochgeschwindigkeitszuges AVE eröffnet, das ab sofort zweimal täglich Orihuela und Elche mit Madrid verbindet. Das Projekt, das sich mehrfach verzögerte, kostete rund 1,5 Milliarden Euro und der Süden der Provinz Alicante verspricht sich davon Impulse für Tourismus und Wirtschaft.

AVE Sánchez: Neue Zugstrecke in Zeiten der Unbeweglichkeit

Doch die Eröffnung der neuen Bahnstrecke hatte Dimensionen, die weit über eine übliche Eröffnungszeremonie hinausreichten. Zunächst mühte sich Pedro Sánchez die Absurditität einer neuen Bahnstrecke in Zeiten der Corona-bedingten Unbeweglichkeit der Bevölkerung in positives Licht zu rücken. Die Strecke sei ein Symbol "für die vollständige Wiedererlangung der Mobilität des Landes in den nächsten Monaten", die mit einer wirtschaftlichen Erholung einhergehen werde, so der Regierungs- und PSOE-Chef.

AVE-Eröffnung in Elche und Orihuela: Opposition bleibt weg

Der Vorhang auf und viele Fragen offen. Pedro Sánchez bei der Eröffnung der neuen Zugstrecke nach Elche im Süden der Provinz Alicante.

Flankiert wurde Sánchez auf der Fahrt von Alicante bis Elche und Orihuela von seinem Verkehrsminister José Luis Ábalos und seinem Parteifreund Ximo Puig, Ministerpräsident der Comunidad Valenciana. PP-Vertreter, etwa Orihuelas Bürgermeister oder Funktionäre von der PP-dominierten Provinzverwaltung Alicante, die sonst keinen Fototermin auslassen, ließen sich nicht blicken, die PSOE der Provinz warf ihnen in einer Aussendung einen unanständigen "Boykott" vor.

Eröffnung der neuen Bahnstrecke in Alicante: In 2,5 Stunden nach Madrid

Renfe, die spanische Eisenbahngesellschaft, hat sich einige Mühe gemacht, die neue Strecke attraktiv zu machen. Die Fahrzeit von Orihuela über Elche bis Madrid soll maximal zwei Stunden, 30 Minuten betragen, zum Auftakt schaffte man es zehn Minuten schneller. Bei der Premiere - der erste Zug ging 6.28 Uhr am Morgen in Orihuela ab sowie der Gegenzug 6.55 Uhr in Madrid Atocha - probierte die Bahn mit rund 90 Passagieren auch das Handling der neuen Zubringer aus Cartagena und Murcia aus, die so direkten Anschluss an den AVE bekommen. Diese Zubringer werden mit Talgo-Zügen beim Kauf eines AVE-Tickets kostenlos gestellt.

AVE Hochgeschwindigkeitszüge: Cartagena und Murcia auf der Warteliste

In ein paar Jahren sollen auch Cartagena und Murcia (dort nach heftigen Protesten von Anwohnern unterirdisch) direkt ans Netz, auf dem bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell gefahren wird. Einige Teilstücke, die jetzt eröffnet wurden und die unter anderem durch fünf Tunnel, der längste bei Callosa über zwei Kilometer lang - treffen sich dann mit den noch fehlenden Strecken am Knotenpunkt Monforte del Cid. Bis dahin fahren täglich zwei Züge von Orihuela über Elche nach Madrid und zwei zurück, was eine Kapazität von 1.264 Passagieren ergibt - wenn man wieder freier reisen darf.

90 von 1.260 möglichen Passagieren transportierte der AVE Madrid-Elche-Orihuela am ersten Tag. Corona bremst auch die Bahn aus. Hier am neuen Terminal „Miguel Hernández“ in Elche.

S-Bahn, Küstenzug für Torrevieja und Airport-Anschluss Alicante ist vielen wichtiger als ein "mediterraner Korridor"

Während Sánchez über die Relevanz und die "soziale, grenzüberschreitende Funktion des mediterranen Korridors" vor coronareduziertem Publikum referierte, der theoretisch vom ungarischen Záhony an der ukrainischen Grenze bis nach Algeciras und irgendwann bis Lissabon führen soll, sind die Forderungen in der Vega Baja und Alicante an die Bahn kleinteiliger, aber auch lebensnaher:

Es fehlt bis heute der Bahnanschluss Alicantes und Elches an deren Flughafen, Torrevieja und Orihuela Costa, zusammen real über 200.000 Einwohner, fordern sowohl eine Verbindung zum AVE-Anschluss und damit eine Bahnverbindung von Orihuela Stadt an die Strände von Torrevieja und Orihuela Costa, als auch einen Küstenzug, der gegen die jährlich anwachsenden Staus und die Taktung und die Stationen vieler Cercanía-Nahverkehrszüge fährt, dort wo er noch fährt, oft an den Bedürfnissen vorbei. Und nicht zuletzt bleibt immer noch das größte Manko: Die fehlende Bahnverbindung zwischen den beiden großen Touristenzentren der Region Valencia und Andalusien.

So bleibt der Vorwurf im Raum, den auch die Gewerkschaftsföderation CC.OO am heutigen Festtag formulierte, der Staat subventioniere mit dem Hochgeschwindigkeitszug AVE ein Madrid-zentriertes Bahnnetz für Besserverdiener, während ökologisch und sozial sinnvolle Nebenstrecken stiefmütterlich behandelt oder ganz aufgegeben würden.

Demos im Keim erstickt: Wütende Wirte und Rechte demonstrieren gegen Sánchez bei Eröffnung in Elche und Orihuela

Den Auftritt des Regierungschefs Pedro Sánchez im Süden Alicantes nahmen vor allem in der Kreishauptstadt der Vega Baja, Orihuela, einige Dutzend Demonstranten zum Anlass, ihren Unmut über das Management der Corona-Pandemie, speziell die Lasten der Gastronomie zu äußern. Ein großes Polizeiaufgebot hielt die Protestierenden auf Abstand, bei denen sich anhand der Transparente bald herausstellte, dass es sich weniger um wütende Wirte als um selbsternannte Weltenretter handelt, die unter anderem meinen, Sánchez würde "als Marionette der EU Spanien in den Abgrund" führen. In Elche wurde eine Gastro-Demo hingegen gleich vorab untersagt.

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