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Benidorm: So sah die Bettenburg an der Costa Blanca früher aus

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Von: Judith Finsterbusch

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Blick von oben auf die Hochhäuser und Strände von Benidorm.
So kennt man Benidorm heute: Hochhäuser, Hotels, Touristen. Früher sah die Bettenburg ganz anders aus. © David Revenga

Kaum zu glauben, dass in der heutigen Bettenburg Benidorm noch vor wenigen Jahrzehnten Maultierkarren über staubige Wege holperten. Ein Sammler hat der Hochhaus-Stadt jetzt Fotos aus der Zeit vor dem Tourismus-Boom zur Verfügung gestellt.

Benidorm - Wer heute durch die Häuserschluchten zwischen den Hochhäusern von Benidorm an der Costa Blanca spaziert, kann sich kaum vorstellen, dass hier einst Maultierkarren über staubige Straßen holperten. Dabei war die heutige Bettenburg par excellence noch vor wenigen Jahrzehnten ein ärmliches, fast vergessenes Fischerdorf an der Mittelmeerküste von Spanien. Bis die Touristen kamen, ab den 1960er Jahren, und den Namen Benidorm in Europa bekannt machten.

Benidorm: Fotos zeigen heutige Hochhaus-Stadt vor Tourismus-Boom

Genau aus diesen zunächst zögerlichen Anfängen des Tourismus in Benidorm sind jetzt 86 Schwarz-Weiß-Fotos aufgetaucht, die damals ein britischer Urlauber geschossen hat – zu einer Zeit, als in Spanien kaum jemand überhaupt eine Kamera besaß und in Benidorm noch kein einziges Hochhaus stand. Über Umwege sind die alten Aufnahmen nun ins Archiv der Stadt gelangt, der Niederländer Wim Kuipers übergab sie dem Rathaus.

Schwarz-Weiß-Foto von einem Maultierkarren auf einer Straße
Noch in den 1960er Jahren fuhren in Benidorm Maultierkarren über staubige Straßen. © Rathaus Benidorm

Kuipers selbst ist in der spanischen Tourismus-Branche keineswegs ein Unbekannter. Nachdem der Niederländer die Hotelfachschulen in Lousanne und Maastricht besucht hatte, verschlug es ihn in den 1960er Jahren ins andalusische Westerndorf Tabernas, wo er mit drei Mitstreitern ein mobiles Restaurant aufbaute, das die Schauspieler in der Wüste mit Essen versorgte. Er wurde der jüngste Vize-Direktor eines Luxushotels in Spanien, nach seiner Zeit beim Hotel Al-Andalús in Torremolinos eröffnete er das damals größte Restaurant an der Costa del Sol. Etliche berühmte Schauspieler sollen extra nach Torremolinos gekommen sein, um im „Florida“ zu essen. Später wechselte der Unternehmer in die Immobilienbranche.

Benidorm: Niederländer stößt auf alte Fotos aus Benidorm

Doch die andalusische Küste hat dem Niederländer noch viel mehr zu verdanken, und so kommen wir zurück an die Costa Blanca nach Benidorm: Wim Kuipers machte es sich zur Lebensaufgabe, alles, was er über die Vergangenheit der Ferienorte El Ejido und Torremolinos in Andalusien in die Finger bekommen konnte, aufzuspüren und zu sammeln. Seit Jahrzehnten hat er Dokumente, Bücher und Fotos zusammengetragen, die ältesten über 200 Jahre alt. Als er schließlich das Fotoalbum einer britischen Familie kaufte, die ihre Ferien Anfang der 1960er an der spanischen Mittelmeerküste verbrachte, fand er darin mehrere Seiten mit alten Fotos aus Benidorm.

Schwarz-Weiß-Foto von einem leeren Strand.
Das Marconi-Hotel, hier Anfang der 1960er Jahre, gibt es heute noch in Benidorm. © Rathaus Benidorm

Aufgenommen wurden die Fotos wohl zwischen 1959 und 1962. „Dank der Bilder wissen wir, dass die Familie im Hotel Rosaleda untergebracht war. Auf den Fotos sind Besuche auf dem Wochenmarkt in den Straßen Martínez Oriola und Costera del Barco zu sehen, die Familie badete am Poniente-Strand, spazierte durch die Straßen Tomás Ortuño und Carreró dels Gats und besuchte den Hafen“, erklärt Stadträtin Ana Pellicer. Kuipers hat der Stadt die alten Fotos kostenlos überlassen, so wie er es schon etliche Male in Andalusien getan hat – in El Ejido ist dem Niederländer mittlerweile sogar ein Platz gewidmet.

Benidorm: Fotos von früher kann bald jeder anschauen

„Ein Ort, der seine Geschichte nicht kennt, ist ein Ort, der einen Teil seiner Erinnerung verliert“, pflegt Kuipers zu sagen. Bei seinen Recherchen über die Vergangenheit spanischer Ferienorte hat der Niederländer weder Kosten noch Mühen gescheut, eine Anekdote erzählt der heute 81-Jährige besonders gern: „Einmal bin ich über zehn Stunden Auto gefahren, um ein Buch zu bekommen, das einzige Exemplar, das es noch gab, geschrieben von einem Intellektuellen über die Alpujarra.“

Die alten Fotos vom Benidorm der frühen 1960er Jahre sind nun zunächst Forschern zugänglich, bald soll sich auch die allgemeine Öffentlichkeit ein Bild von einer Zeit machen können, in der noch Maultierkarren über die staubigen Wege der heutigen Hochhaus-Stadt holperten - und in der sich ein Niederländer in genau dieses Spanien „von früher“ verliebte.

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