Zwei Menschen mit Regenschirm lesen ein Schild an einem Museum, in dem eine Impfstation eingerichtet wurde.
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Benidorm kommt aus den Schlagzeilen als angeblicher Corona-Hotspot nicht raus. Die Landesregierung hat jetzt einen Impfpunkt eingerichtet.

Covid-19 in Spanien

Benidorm: Corona-Hotspot an der Costa Blanca - Was ist dran an den negativen Schlagzeilen?

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Ganz Spanien berichtet über den Corona-Hotspot Benidorm, wo die Inzidenz um ein Vielfaches höher ist als an der restlichen Costa Blanca. Doch was ist dran an der angeblich hohen Ansteckungsgefahr?

Benidorm - Seit Wochen geht Benidorm als Negativ-Beispiel durch die Schlagzeilen in ganz Spanien. Die Corona-Zahlen übersteigen die Covid-Inzidenz der restlichen Costa Blanca um ein Vielfaches, Benidorm liegt mit der Inzidenz weit über dem spanischen Schnitt, und kürzlich sollen sich auch noch Urlauber aus Asturien in der Wolkenkratzer-Stadt an der Costa Blanca angesteckt haben. Doch was ist dran am Corona-Hotspot Benidorm?

BenidormStadt in Spanien
Fläche38,51 km²
Höhe15 m
Bevölkerung67.558 (2018)

Corona-Hotspot Benidorm? Inzidenz viel höher als an restlicher Costa Blanca

Aktuell liegt die 14-Tages-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen in Benidorm bei 353, Stand 14. November. Zum Vergleich: Spanien verzeichnet aktuell eine im europäischen Vergleich niedrige Inzidenz von 82, auf sieben Tage gerechnet liegt der Wert bei 49. In der Region Valencia liegt der durchschnittliche Wert bei 88, und auch in den Nachbar-Gemeinden an der Costa Blanca sind die Zahlen wesentlich niedriger als in Benidorm. Die hohe Inzidenz schreckt Touristen ab, und erst recht, wenn Schlagzeilen von 40 Spaniern, die sich bei einer Busfahrt nach Benidorm angesteckt haben sollen, noch dazu kommen. Die Urlauber aus Asturien wurden nach ihrer Rückkehr aus Benidorm Ende Oktober positiv getestet.

Die Hoteliervereinigung Hosbec und das Rathaus betonen, dass nicht nachgewiesen sei, wo genau sich die spanischen Urlauber infiziert haben. Die Ansteckung könne zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort während der Reise erfolgt sein, heißt es unisono. Immerhin mussten die Asturianer halb Spanien im Bus durchqueren und haben an der Costa Blanca sicherlich auch noch andere Orte besucht. Aber: „Nachrichten über angebliche Corona-Ausbrüche in Benidorm richten für uns als Reiseziel enormen Schaden an“, so Hosbec-Chef Toni Mayor.

Hohe Corona-Inzidenz: „Falsche Zahlen“ Schuld an angeblichem Hotspot Benidorm

Hosbec und Rathaus versuchen schon seit Wochen, die hohen Corona-Zahlen in dem angeblichen Hotspot Benidorm zu revidieren: So rechnet das Gesundheitsministerium die Inzidenz in Relation zur gemeldeten Einwohnerzahl, die in Benidorm bei 65.000 liegt. Ende Oktober hielten sich aber beispielsweise 180.000 Menschen in der Bettenburg an der Costa Blanca auf. „Würde man die Inzidenz an dieser reellen Zahl messen, läge sie unter 100“, so der Hotelierverband in einer Mitteilung.

Dazu kommt, dass sich in Benidorm zwei Privatkliniken befinden, die Patienten aus vielen Orten an der Costa Blanca betreuen. Dort werden auch Corona-Tests durchgeführt, die etliche Reisende je nach Herkunftsland für die Rückkehr in ihre Heimat brauchen. Die Ergebnisse werden alle der Stadt Benidorm zugeordnet, unabhängig davon, wo sich die Testperson wirklich aufgehalten hat, so Hosbec. „Das Bild von einem extrem hohen Ansteckungsrisiko spiegelt nicht die Realität wider“, versichern die Hoteliers. So mussten etwa seit dem 15. Juli lediglich 20 positiv getestete Touristen in Benidorm in Quarantäne geschickt werden - bei einer Gesamtzahl von 400.000 Urlaubern, die sich in dem Zeitraum in der Stadt aufhielten.

Corona-Schlagzeilen und fehlende Senioren: Winter in Benidorm wird hart

Dennoch ist der Schaden in Benidorm angerichtet - und sogar doppelt: Während des Allerheiligen-Wochenendes mussten die Hotels wegen der Schlagzeilen über den angeblichen Corona-Hotspot viele Stornierungen wegstecken, jetzt kommen auch noch die Verzögerungen beim staatlich geförderten Senioren-Ferienprogramm Imserso hinzu. Eigentlich sollten 6.000 spanische Rentner schon ab Mitte Oktober nach Benidorm gekarrt werden, angekommen sind sie dort aber immer noch nicht. Auch deshalb haben zehn Hotels in der Stadt erst einmal wieder geschlossen, zusätzlich zu den 35, die gar nicht erst geöffnet hatten. In den 88 geöffneten Hotels sind die Hälfte der Betten leer. Der Winter wird hart.

Impfstation in Benidorm

Das valencianische Gesundheitsministerium hat eine Impfstation im Benidorms Briten-Viertel Rincón de Loix eingerichtet, um vor allem Ausländer zur Impfung zu bewegen. Es befindet sich im Büro für ausländische Touristen (Sate), Avenida Derramador/Ecke Calle Gerona. Geöffnet ist täglich von 11 bis 17 Uhr. Wer keine spanische Krankenkarte (SIP) hat, bekommt vor Ort gegen Vorlage des Personalausweises eine provisorische. Gespritzt werden nur Erst- und Zweitdosen, die Booster-Impfung wird nach Terminvergabe ausschließlich im Gesundheitszentrum verabreicht.

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