Eine Schauspielerin im Glitzerkleid und mit einem Mikrofon in der Hand steht lächelnd vor einer Filmklappe zum Streifen „El Cover“.
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Drehen mitten in der Pandemie: Der Film „El Cover“ entstand in einem ausgestorbenen Benidorm.

„El Cover“

Glitzer, Glamour und ein bisschen Scheitern: Film aus Benidorm im Kino

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Benidorm ist außergewöhnlich, in jeder Hinsicht. Ein Film aus der Wolkenkratzer-Stadt an der Costa Blanca erzählt die Geschichte junger Cover-Sänger, die im Nachtleben der Bettenburg auftreten.

Wohl kaum eine andere Stadt an der Costa Blanca spaltet diejenigen, die sie kennen, besuchen oder die Wolkenkratzer argwöhnisch aus der Ferne betrachten, so sehr wie Benidorm. Die schrillen Neonlichter aus den 70ern, die vermeintlich verruchten Shows in den selbsternannten Cabarets und die E-Scooter und Trickbetrüger, die sich die Strandpromenade teilen, rufen von jeher eine Mischung aus Faszination und Abscheu hervor.

BenidormStadt in Spanien
Fläche38,51 km²
Höhe15m
Bevölkerung67.558 (2018)
ProvinzAlicante

Film aus Benidorm im Kino: „El Cover“ über anonyme Sänger aus dem Nachtleben

Benidorm ist ein ständiger Spagat zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter, Schein und Sein – und eine Stadt voller gescheiterter Existenzen, die nicht aufhören wollen zu träumen. Genau darum geht es im Film „El Cover“, vielleicht eine Annäherung für all diejenigen, die sich nicht nach Benidorm trauen und die Kontraste der Stadt an der Costa Blanca erstmal vorsichtig auf der Kinoleinwand beäugen möchten.

In dem Streifen geht es um das Nachtleben zwischen Wolkenkratzern, um junge Sänger, die in Benidorm in den unzähligen Pubs und Bars auftreten und sich Abend für Abend in Adele, Amy Winehouse und Co. verwandeln. Anonyme Musiker, die von der großen Karriere träumen und jede Nacht jemand sind, der das geschafft hat, was sie selbst nie erreichen werden. „Hier nehmen Künstler und Publikum an derselben Lüge teil: Indem sie sie in eine Wahrheit verwandeln“, ist eins der treffenden Zitate aus dem Film.

Regiedebüt für Secun de la Rosa: Film „El Cover“ aus Benidorm

Eine Wahrheit für tausende Briten, die in Benidorm eine Woche im Jahr das Nachtleben bis zum Abwinken ausnutzen. Eine Wahrheit für tausende spanische Rentner, die in Benidorm zwischen den Wolkenkratzern eine Woche Sonne und Strand für einen Appel und ein Ei genießen können. Aber eben auch eine Wahrheit für die anonymen Malocher, die hinter dem Bartresen und auf den winzigen Bühnen in den Pubs stehen. „Benidorm ist Balsam. Hier wird das Scheitern toleriert“, ist ein weiterer Satz aus dem Film. Weil sich Scheitern in Benidorm vielleicht gar nicht so sehr wie Scheitern anfühlt – zumindest, solange die Lüge als Wahrheit aufrecht erhalten bleibt.

Mit „El Cover“, der jetzt in Spanien in den Kinos läuft, feiert der spanische Schauspieler Secun de la Rosa sein Regiedebüt. Herausgekommen ist dabei kein Musical, sondern „ein Film mit Liedern“, wie De la Rosa selbst sagt. „Es ist kein Musik-Film im herkömmlichen Sinne, sondern ein Film über Menschen, die singen. Die Lieder sind Teil der Geschichte“, meint der Spanier im Interview mit der Zeitung „Información“. Und natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, die in dem Streifen aus Benidorm erzählt werden will.

Drehen mitten in der Pandemie: Benidorm als Geisterstadt

Benidorm hat sich zum Filmset gemausert, längst werden zwischen den Wolkenkratzern nicht mehr nur Werbespots, sondern auch Serien und Filme gedreht. Zuletzt bediente sich Goya-Preisträgerin Isabel Coixet für „Nieva en Benidorm“ der Kontraste der einzigartigen Stadt. Und jetzt Secun de la Rosa.

Dabei fielen die Dreharbeiten zu „El Cover“ mitten in die Corona-Pandemie, ausgerechnet ein Film über das Benidormer Nachtleben musste in einer Geisterstadt zwischen leeren Hochhäusern weitergedreht werden. Nach drei Drehwochen kam der Lockdown, die Pause, dann die Wiederaufnahme der Arbeiten in einer völlig anderen Stadt. „Weiterzudrehen war, als wären wir auf einem anderen Planeten gelandet. Wir hatten in einem vollen Benidorm angefangen, wo die Sänger in den Hotels vor besoffenen Touristen sangen. Es war brutal, mitten im Film all das nachzustellen, was plötzlich fehlte“, so De la Rosa.

Jetzt erwacht Benidorm langsam wieder aus der Zwangspause, langsam kehren die Touristen zurück, langsam öffnen die Bars wieder. Noch ist die Stadt aber weit entfernt von dem, was sie vor der Pandemie war. Vielleicht der ideale Moment, sich doch mal hinzuwagen und ein Zwischending zu versuchen. Ein bisschen wirken die Straßen noch wie eine Filmkulisse. Und wer doch die volle Benidorm-Dröhnung will, findet sie im Kino.

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