Ein Kellner zeigt mehreren Gästen einer Bar ihren Platz an einem Tisch.
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Benidorm sucht Kellner und andere Servicekräfte. Eine eigene Jobbörse und eine gestellte Unterkunft sollen helfen.

Arbeiten in Spanien

Benidorm sucht Kellner und Unabhängige - Berufstätige als neue „Touristen“

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Benidorm geht neue Wege auf der Suche nach neuen „Touristen“. Dabei will die Stadt Kellner aus ganz Spanien anlocken sowie Berufstätige, die im Homeoffice arbeiten.

Benidorm – Spätestens seit dem Brexit und Corona kann sich Benidorm nicht mehr nur auf die Briten als treue Urlauber verlassen. Die Wolkenkratzer-Stadt, in der das höchste Wohngebäude Europas steht, sucht neue Kunden für ihren Urlaubs-Gemischtwarenladen – und zwar solche, die die Kassen klingeln lassen und länger als ein paar Tage bleiben. Dabei setzt die Bettenburg an der Costa Blanca nun auf Berufstätige, die im Homeoffice arbeiten und somit überall ihren Laptop aufklappen können – aber auch auf Kellner aus der Umgebung und anderen Teilen Spaniens.

BenidormStadt in Spanien
Fläche38,51 km²
Höhe15 m
Bevölkerung67.558 (2018)

Benidorm auf der Suche nach Kellnern - Mit Unterkunft und Arbeitsvertag

So will Benidorms Gastro-Verband Abreca Kellner aus ganz Spanien anwerben, und ihnen mit dem Arbeitsvertrag auch gleich den Schlüssel für eine Unterkunft übergeben. Dafür hat Abreca unter anderem Gespräche mit dem Verband für Ferien-Apartments, Aptur, aufgenommen. Ziel ist ein Fixpreis von zwölf Euro am Tag, damit die Miete nicht den Lohn schluckt.

Während die Gastronomie von Personalmangel spricht, gibt es in Sozialen Netzwerk auch Kritik an dem Vorhaben. In Benidorm seien etliche Kellner mit Corona arbeitslos geworden, zumal ein Großteil der Lokale noch nicht einmal wieder geöffnet sei: „Man sollte erst die Leute vor Ort einstellen, und wenn damit nicht alle Jobs besetzt werden, Personal von außen dazuholen“, heißt es in einem Facebook-Kommentar. Und warum müssten die Kellner aus Benidorm ganz normal ihre Miete zahlen, während Servicekräfte aus anderen Teilen Spaniens viel günstiger wegkommen?

Benidorm mit eigener Jobbörse für Kellner und andere Servicekräfte

Abreca betont, dass die geplante Online-Jobbörse für jeden offen sei, unabhängig vom Wohnort. Aber für Kellner von außerhalb solle der Umzug nach Benidorm zumindest kein Problem darstellen. Die Idee ist, auf dem Portal Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, also dem Gastro-Gewerbe bei der Suche nach geeignetem Personal zu helfen und den Job-Suchenden, eine Arbeit zu finden.

Die Gastronomen wollen in Benidorm unterdessen auch Ausbildungsprogramme auf die Beine stellen, mit theoretischen Kursen und einem praktischen Teil für angehende Kellner in den Abreca angeschlossenen Lokalen. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Jobbörse im Internet, die spätestens im zweiten Quartal online gehen soll. Sie richtet sich nicht nur an Kellner für Restaurants, sondern auch an Personal in Cafés, Bars und Diskotheken.

Unabhängige anlocken: Hotels in Benidorm bieten sich als Homeoffice an

Auch die Hoteliers gehen neue Wege auf der Suche nach Gästen, die länger bleiben und nicht dem wilden britischen Partytourismus in Benidorm angehören. So arbeitet die Tourismusstiftung Visit Benidorm zusammen mit der Hotelier-Vereinigung Hosbec an einer Strategie, um Berufstätige in die Benidormer Hotelzimmer zu locken, die komplett oder zum Großteil im Homeoffice arbeiten und somit ortsungebunden sind.

Dabei richtet sich das Angebot nicht nur an Telearbeiter, sondern auch an andere potenzielle Kunden, die für ein paar Wochen oder Monate ein Hotelzimmer brauchen: Wegen Bauarbeiten im eigentlichen Zuhause oder wegen der Trennung vom Partner. Geplant sind feste Preise mit Paketen für ein bis zwölf Monate.

„So ein Modell kann sehr gut funktionieren, um die Nebensaison zu beleben“, meint Hosbec-Generalsekretärin Nuria Montes gegenüber der Zeitung „Información“. Laut einem Bericht von Visit Benidorm arbeiteten im ersten Corona-Jahr 2020 elf Prozent der spanischen Angestellten vorwiegend im Homeoffice, im europäischen Schnitt waren es über zwölf Prozent, in Ländern wie Deutschland oder Österreich mit 18 oder Finnland mit 25 Prozent noch wesentlich mehr.

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