Ein Mann mit Maske spaziert durch eine Altstadtstraße und blickt nach oben, wo sich ein Netz mit Fischen über die Straße spannt.
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Spaziergang unterm Meer: Benissa holt diesen Sommer den Strand ins Dorf.

Kunst in den Straßen

Sommer in Benissa: Künstler holen Strand und Meer in die Altstadt

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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Eine Ausstellung in Benissa bringt Kindheitserinnerungen an Strandbesuche und Sommertage am Meer in die Straßen der Altstadt. Der Künstlerverein GAB hat die Werke an und zwischen Fassaden installiert. Zu sehen sind sie in der Costa-Blanca-Gemeinde noch bis 5. September.

Benissa - Strandsachen und Verpflegung wurden auf Esel oder später ins Auto gepackt und los ging es, Richtung Meer. Für Benissas Einwohner der 60er Jahre und folgenden Jahrzehnte war es ein emotionaler Moment, wenn sie im Sommer „de marà“ gingen, also an den Strand. Fürs Abendessen, für einen oder auch mehrere Tage. Mit Familien und Freunden.

BenissaGemeinde in Spanien
Höhe254 m
Fläche69,71 km²
Bevölkerung10.768 (2018)
ProvinzProvinz Alicante

Sommer in Benissa: Wenn der Strand ins Dorf kommt

Einen nostalgischen Blick werfen jetzt die Künstler des Benissaner Kunstvereins Gab auf diese Zeit. Indem sie es genau umgekehrt machen. Statt Sachen aus dem Dorf Richtung Strand zu schleppen, holen sie in diesem Sommer den Strand in das Costa-Blanca-Dorf. Mit 13 Installationen in den Straßen von Benissas sehenswerter Altstadt, die manch einen Moment der „marà“ neu erleben lassen - und dem Ortskern von Benissa ein sommerliches Flair verleiht, welches zum Beispiel auch Calpes Altstadt auszeichnet.

Der „Strandspaziergang“ in Benissa beginnt bei den drei in Maschendraht gewickelten Styropor-Figuren, die es sich auf den Bäumen am Beginn der Puríssima-Straße bequem gemacht haben und mit ausgeworfener Angel auf einen Fang hoffen. „Es gab keine Uhren und keine Eile. Man hat einfach das Geräusch der Wellen genossen“, beschreibt Gab die Situation im Spanien der 60er Jahre.

„Ich war begeistert von der Angelrute, die mein Opa mir gemacht hatte. Dieser Moment war unserer, mit seinen Geschichten und Erlebnissen“, blickt Yolanda Giménez zurück, die den kleinen Kahn ihres Großvaters in der Calle Puríssima schweben lässt. Etwas weiter, in der kleinen Carrer Àngel, fliegen Möwen aus Pappmachee durch die Luft. Künstlerin Michelle Howlett erinnern sie an ihre Heimat Gales, wo die Vögel ein nahendes Unwetter ankündigten. Auch das gehört zu den Strand-Erinnerungen eines Costa-Blanca-Ortes wie Benissa, in dem heute verschiedenste Nationalitäten zusammenleben – mit Kindheiten und Sommer-Erfahrungen in verschiedensten Ländern.

Strand in Benissas Altstadt: Erinnerungen an KIndheits-Sommer

Wichtig für den Tag am Strand war die Verpflegung. Oft kam sie aus Konserven, die Gab in der Ausstellung zu einer Art hängender Mauer zusammengesetzt hat, anschließend kann der Besucher in der pittoresken Calle de los Desemparados, die auch ein interessantes Museum beherbergt, bei einem „Spaziergang unter Wasser“ abtauchen und beim Blick nach oben einen Schwarm aus Meerestieren aller Art entdecken. Vielleicht ein Anreiz, in diesem Sommer die Unterwasserwelt der Costa Blanca bei einem echten Tauchgang zu erkunden? Sowohl an der Küste von Benissa, als auch an anderen Orten des Mittelmeeres gibt es dafür ideale Stellen.

„Sobald wir am Meer waren, sind wir ins Wasser gesprungen“, erinnert sich Rosa Sala Máñez mit einem Werk an einer Hausfront. Autoreifen aller Größen hängen dort, den Kindern dienten sie im Sommer als Schwimmreifen, um sich auf den Wellen treiben zu lassen. Es wurden Muschelketten gebastelt – in Netzen gefangen hängen sie als Installation von einem Haus in der Calle Santa Anna herab –, und auch das Strandspielzeug, mit dem einer der Bäume an der Plaçeta Vella dekoriert ist, durfte nicht fehlen. „Während die Erwachsenen das Zelt aufbauten, das Essen vorbereiteten und Meerestiere fingen, spielten wir ununterbrochen. Nach dem Essen machten die Erwachsenen lange Siestas und wir spielten weiter“, schreibt Gab dazu.

Sommer in Benissa: Strandspielzeug im Baum, Strandnacht an der Hausfassade.

Sommer am Strand: Benissas Familien zog und zieht es an die Küste

Wie all das genau ausgesehen haben mag, zeigen vor einem Fenster in der Calle Puríssima Schwarz-Weiß-Fotos, eine Art Erinnerungstuch aus Sand und Muscheln entführt in Strandnächte unter dem Sternenhimmel der Costa Blanca, in einer Straße hängen Fischernetze von Balkon zu Balkon, in einer anderen wird auf die Bedeutung der Seegraswiesen hingewiesen.

Strand-Deko in Benissas Altstadt: Muschelketten und Fischernetze.

„Aufs Meer schauen“ lautet der Titel eines Gemäldes von María José Peris. Mit seinen Lichtspielen und Blautönen, den seichten Wellem und dem unendlichen Horizont gibt es all das wieder, was schon damals Benissas Familien an die Küste gezogen hat. Und was auch heute noch den Reiz der Meereslandschaft ausmacht und Tag für Tag Besucher an die schönsten Buchten der Costa Blanca lockt.

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