Mehrere Personen mit den gleichen dunklen T-Shirts haben sich zu einem Gruppenfoto an einem Aussichtspunkt mit Bergen im Hintergrund versammelt.
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Gegen Waldbrand-Gefahr im Sommer: Freiwillige von Benissas Verein Abai.

Gefahren des Sommers

Einsatz gegen Waldbrand: Wie Freiwillige im Sommer Benissas Berge im Blick halten

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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Nach einem Waldbrand vor knapp 30 Jahren wollten Bürger helfen und schlossen sich in Benissa zum Verein Abai zusammen. Noch heute kontrollieren die Freiwilligen Sommer für Sommer die Berge im Norden der Costa Blanca - um möglichen Flammen keine Chance zu geben.

Benissa - Um 15 Uhr ist Schichtwechsel. Die beiden Freiwilligen, die seit 10.30 Uhr mit Ferngläsern Benissas Berge nach dem kleinsten Funken absuchen, dürfen Feierabend machen, das nächste Zweierteam sorgt bis 20 Uhr dafür, dass in Bernia und Co. kein Funke eine Chance hat, sich zu einem Waldbrand auszubreiten. Und das sieben Tage die Woche, den ganzen Sommer durch. Bis die Subvention, die Abai, also Benissas Brandvorsorge-Verein, von der Regierung des Landes Valencia erhält, aufgebraucht ist. Spätestens aber bis 15. Oktober, wenn das Verbrennen von Grünschnitt an der Costa Blanca wieder erlaubt ist.

BenissaGemeinde in Spanien
Höhe254 m
Fläche69,71 km²
Bevölkerung10.768 (2018)
ProvinzProvinz Alicante
Autonome GemeinschaftValencia

Waldbrand-Gefahr im Sommer: Alarmstufe drei für Benissas Freiwillige

„Wenn wir im Sommer, wie bei der jünsten Hitzewelle, Alarmstufe 3 für Brandgefahr haben, ist es wirklich furchtbar“, sagt Rosa Sala, Abai-Vorsitzende und Mitgründerin. „Da reicht schon ein Funke, und alles brennt und kann bei trockenem Wind kaum gelöscht werden.“ Für Abai bedeutet Alarmstufe 3 natürlich vor allem höchste Aufmerksamkeit beim Blick in die Berge der Costa Blanca – auch damit sich nicht ein Waldbrand der Dimension wiederholt, der damals, vor knapp 30 Jahren, zur Gründung der Gruppe geführt hat.

„Bei einem Großfeuer verbrannten die gesamten Berge von der Oltà und Bernia“, erinnert sich Sala an die Katastrophe in Benissa. Auch an die ersten Versuche zu helfen, erinnert sie sich. „Wir wollten mitlöschen, waren aber überhaupt nicht vorbereitet, näherten uns dem Waldbrand in Sandalen und kurzer Hose so sehr, dass wir in dem Sommer unser Leben aufs Spiel setzten“, sagt sie und weiß heute, dass sie dabei zudem die Arbeit der professionellen Feuerwehr behinderten.

Keine Chance für Waldbrand in Benissa: Effektive Arbeit im Sommer

Doch Rosa Sala und ihre Mitstreiter gaben nicht auf, nahmen nach dem Waldbrand an Brandschutz-Kursen teil und schlossen sich zu Abai zusammen – zunächst mit der Idee, auch künftig bei Löscharbeiten zu helfen. Nach gut drei Jahren und manch einem Einsatz wurde ihnen klar, dass die Feuerwehr besser ihre Arbeit alleine erledigen kann und es die Brandvorsorge ist, für die es, auch an der Costa Blanca, Personal braucht. Seitdem gehen die Freiwilligen im Sommer mit Fernglas in die Berge von Benissa, beobachten kritische Gebiete von Aussichtspunkten aus, informieren aber auch Wanderer, die gerade in Coronazeiten die Bergwelt neu für sich entdeckt haben, über korrektes Verhalten.

„Unsere Arbeit im Sommer ist sehr effektiv“, sagt Rosa Sala. Nicht nur, weil die Freiwilligen aus Benissa ein Feuer entdecken, bevor es die Chance hat, sich zu einem dieser verheerenden Waldbrände auszubreiten, die Spanien immer wieder erfassen.. „Dazu kommt, dass fast alle Feuer auf Brandstiftung zurückzuführen sind. Unsere Kontrollarbeit wirkt abschreckend auf Pyromanen. Je mehr von uns in den Bergen sind, umso besser.“

Weshalb neue Freiwillige auch immer herzlichst willkommen sind. 30 Personen zählt Abai zurzeit, 15 bis 20 davon sind im Sommer bei der Bergbewachung im Einsatz – nicht viele für den Sieben-Tage-Job, bei dem aus der Subvention maximal ein belegtes Brot für den Einsatz sowie ein T-Shirt und eine Mütze pro Person herausspringen. Der Rest wird für den Mietwagen ausgegeben, mit dem die Trupps in die Berge von Benissa fahren, plus Benzin. „Wer Autofahren und sehen kann, kann uns helfen“, sagt Rosa Sala.

Keine Chance für Waldbrand: Abai hält im Sommer Benissas Berge im Blick.

Nicht nur gegen Waldbrände im Sommer: Benissas Freiwillige ganzjährig im Einsatz

Nur ein bisschen Bürokratie komme bei der Waldbrand-Vorsorge noch dazu. So muss vor jedem Einsatz die Kommunikationsstelle der Landesregierung kontaktiert werden, um die aktuell an der Costa Blanca herrschende Alarmstufe zu erfahren, auf einem Blatt werden Daten und Beobachtungen des Einsatzes festgehalten und anschließend weitergegeben. Keine schwierige Aufgabe also. „Aber es ist nicht leicht, jemanden davon zu überzeugen, im Sommer bei Alarmstufe drei in Benissas Berge statt an den Strand zu gehen“, gibt Sala zu.

Wobei Abai noch einiges mehr zu bieten hat und sich längst von einem Brandschutz- zu einem Umweltverband gemausert hat. Mit Aufforstungen, Infomaterial über heimische Pflanzen, einem Bienenprojekt, Schulworkshops und ständig neuen Ideen. Es gibt also viel zu tun. Auch außerhalb der Waldbrandgefahr im Sommer.

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