Zwei Männer in Sommerkleidung lehnen sich an einen hohen Stapel mit Weintrauben des Unternehmens Uva Cabrera.
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Weintrauben für Moscatel-Liebhaber: Dani Cabrera (r.) aus Benissa beliefert Madrid und Katalonien.

Weinlese in Spanien

Weintrauben in fünfter Generation: Moscatel als Familientradition in Benissa

  • Anne Thesing
    VonAnne Thesing
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Weinlese in der Marina Alta: Traktoren bringen die Moscatel-Trauben in die Kooperativen, in Garagen und Lagerhallen sortieren Saisonarbeiterinnen faule Weintrauben von den guten aus - für das Familienunternehmen Uvas Cabrera aus Benissa ist auch in fünfter Generation viel zu tun.

Benissa - Seine Freunde erhielten als Strafe ein Playstation-Verbot, wenn sie etwas angestellt hatten, Dani Cabrera durfte nicht raus aufs Feld und auch nicht auf den Traktor. „Das war meine Strafe“, sagt er. „Ich wollte eben schon als Kind Landwirt werden.“ Ein Wunsch, der sich erfüllt hat. 65 Hektar Felder mit der berühmten Moscatel-Weintraube bewirtschaftet das Familienunternehmen „Uvas Cabrera“, das der 31-Jährige zusammen mit seinem Vater Ximo in Benissa führt.

BenissaGemeinde in Spanien
Höhe254 m
Fläche69,71 km²
Bevölkerung10.768 (2018)
ProvinzProvinz Alicante
Autonome GemeinschaftValencia

Moscatel in Benissa: Junger Landwirt im Weintrauben-Geschäft

Dani Cabrera ist damit einer der ganz wenigen jungen Bauern im Geschäft und auch einer der ganz wenigen, die, egal welchen Alters, überhaupt von der Landwirtschaft leben können. „In Benissa sind mein Vater und ich die einzigen professionellen Landwirte, die ihren Verdienst zu 100 Prozent aus der Landwirtschaft ziehen“, sagt er. Grund genug, stolz zu sein. Auch darauf, dass er an der Costa Blanca zum Fortbestehen eines Familienunternehmens beiträgt, das mit ihm bereits in der fünften Generation Moscatel-Weintrauben anbaut.

Viel Zeit zum Plaudern hat Dani Cabrera eigentlich gerade nicht. Anfang August hat rund um Benissa die diesjährige Weinlese begonnen, „sie dauert bis spätestens 15. Oktober, es sei denn, es regnet vorher und die Moscatel-Trauben werden schlecht“, sagt er und ist erleichtert, dass die vergangenen regnerischen Tage seinen Weintrauben nichts anhaben konnten. „Am meisten Schaden richtet der Regen im Mai an, wenn der Wein in der Blüte steht, und ab 10. September, wenn er die Moscatel-Trauben am Weinstock zum Faulen bringt“, sagt er. Trotzdem sei ihm ein Jahr mit Regen lieber als ohne. „Zwar mussten wir in diesem Jahr wegen relativ häufiger Niederschläge mit Pilzen kämpfen, aber jetzt ist die Qualität der Weintrauben dafür spektakulär.“ Der Regen habe die Moscatel-Trauben schön groß wachsen lassen.

Von Benissa in die Hauptstadt: Moscatel-Weintrauben in Madrid beliebt

300.000 Kilo Weintrauben seien im vergangenen Jahr geerntet worden. Die meisten verkaufen die Cabreras aus Benissa als Tafeltrauben in anderen Regionen Spaniens wie Madrid, Nordspanien und Katalonien, aber auch knapp 7.000 Flaschen des Moscatel-Weins „Ximo Cabera“ wurden abgefüllt. Darüber hinaus liebäugelt Dani Cabrera mit der traditionellen Rosinenherstellung, „aber mit unseren kleinen, durch Terrassen begrenzten Feldern ist es schwierig, mit der günstigen Traubenkonkurrenz aus Kalifornien mitzuhalten“, sagt er.

Die Tafeltraube funktioniert dafür umso besser – zumal der Moscatel in Benissa und auf den anderen Feldern der Marina Alta genau das bekommt, was er braucht: Sonne, Wärme und Meeresbrise. Cabreras Geheimnis, um vom Weintrauben-Anbau leben zu können? „Viel Arbeit“, sagt er. „Du musst immer auf deine Felder achten, Urlaub ist zwischen März und Winter nicht möglich.“ Doch die Arbeit lohnt sich – nicht nur für Dani, seinen Vater und alle Liebhaber der Moscatel-Weintraube. „Wir pflegen nebenbei auch die Landschaft, die sonst verkommen und mit Unkraut zuwachsen würde. Und wir leisten Brandschutz“, sagt er - eine auch in der Marina Alta sehr wichtige Aufgabe. „Bebaute Felder wirken wie Brandschneisen.“

Saisonarbeiterinnen sortieren die Moscatel-Weintrauben in Benissas Garagen.

Gute und schlechte Moscatel-Weintrauben: Frauen mit geübtem Blick

Dass die Costa Blanca sich in der Weinlese befindet, ist derweil nicht nur an den Erntehelfern auf den Feldern zu sehen. Mit Trauben vollbeladene Traktoren bringen die Ernte in die im vergangenen Jahr von der Coronavirus-Pandemie so gebeutelten Kooperativen wie Teulada oder Jalón, und wer beispielsweise durch Benissa spaziert, wird in manch einer Garage Frauen, die sogenannten „Estisoradores“, an einem runden Drehtisch zwischen Bergen von Moscatel-Trauben arbeiten sehen. „Sie entfernen die Weintrauben, die verfault sind oder zum Beispiel von Vögeln angepickt wurden“, sagt Cabrera. Allein sein Unternehmen beschäftige knapp 30 dieser Saisonarbeiterinnen. „Diese Arbeit gibt es so seit jeher, und sie muss nach wie vor per Hand durchgeführt werden“, erklärt er und kümmert sich wieder um seinen Traumberuf.

Zum Thema: Spanien und sein Wein - Die wichtigsten Rebsorten im Überblick

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