Finca auf dem Land in Spanien.
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Arzt-Betrüger richtet Praxis in Finca bei Valencia in Spanien ein. (Symbolbild)

Betrüger festgenommen

Falscher Arzt in Valencia behandelte Briten gegen Krebs für 20.000 Pfund

  • vonStella Kirchner
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Die Polizei hat nahe Valencia in Spanien einen Betrüger verhaftet, der Briten als angeblicher Arzt für mehrere Zehntausend Pfund sogar gegen Krebs behandelt hatte. Er soll außerdem Arbeiter auf seiner Finca ausgebeutet haben.

Picassent – Ein Facharzt mit viel Erfahrung verdient in der Regel viel Geld, umso mehr, wenn er mit Privatpatienten arbeitet. Gut von seiner Arbeit leben konnte auch der mutmaßliche Arzt-Betrüger in Picassent bei Valencia, der vor allem unter britischen Patienten als Krebsspezialist galt. Die Krux bei der Geschichte: Der Mann war gar kein Arzt oder er konnte zumindest nicht vorweisen, jemals in einer Ärztekammer in Spanien eingetragen worden zu sein.

Betrüger-Arzt beutet Landarbeiter aus und hält sie wie Sklaven

Der Betrüger fiel der Polizei auf, weil er neben seiner Privatklinik ein Landhaus bewirtschaftete, wo er gegen sämtliche Arbeitsschutzmaßnahmen verstieß. Seinen acht Erntehelfern zahlte er 750 Euro im Monat und zog ihnen 200 Euro Miete ab. Dafür mussten die Männer täglich bis zu zwölf Stunden arbeiten und erhielten weder Urlaub noch freie Wochenenden. Die Arbeiter lebten in unhygienischsten Verhältnissen, mit Nagetieren und gefährlichen Insekten im Raum. Zusätzlich beobachtete der Besitzer des Hauses seine Arbeiter rund um die Uhr mit einem Videoüberwachungssystem und verbot ihnen, die Finca zu verlassen – wohl um eine Anzeige zu verhindern. Einzelne der Helfer setzte der falsche Arzt auch als Krankenpfleger ein, obwohl sie keinerlei medizinische Ausbildung genossen hatten.

Seine Arztpraxis, ebenfalls im Landhaus eingerichtet, hielt der Besitzer des Chalets jahrelang vor den valencianischen Gesundheitsbehörden geheim. Im Zuge des Verfahrens gegen den mutmaßlichen Betrüger untersuchte die Polizei auch seine berufliche Vita und fand heraus, dass der angebliche Arzt weder in der valencianischen Ärztekammer, noch in irgendeinem anderen von Spanien anerkannten Verbund als Mediziner registriert ist.

Arzt-Betrüger verlangt 20.000 Euro für Behandlungen

In der Privatpraxis behandelte der angebliche Arzt Menschen mit schweren Herz-Kreislaufbeschwerden und chronischen Krankheiten, setzte Bluttransfusionen und behandelte sogar Krebspatienten. Eine Therapie bei ihm kostete seine zumeist britischen Patienten zwischen 10.000 und 20.000 Pfund, berichtet die Polizei. Viele kamen extra für die Behandlung nach Spanien, andere waren Residenten.

In weiteren Untersuchungen fanden die valencianischen Behörden zudem heraus, dass der vorgebliche Arzt auch zahlreiche medizinisch fragwürdige Entscheidungen traf. So verschrieb er seinen Patienten Substanzen und Medikamente, die in Spanien gar nicht zugelassen waren. Davon befanden sich große Mengen in seiner nicht genehmigten Praxis, genauso wie eine Vielzahl komplexer medizinischer Gerätschaften im Wert von etwa einer halben Million Euro, die eigentlich nur für Krankenhäuser zugelassen sind, berichtet die Tageszeitung „Levante“. Zusätzlich befanden sich 5.000 Euro in bar, Gold- und Silberbarren und eine Vielzahl von wertvollen Schmuckstücken im Gebäude des mutmaßlichen Betrügers.

Falscher Arzt stellt falsche Medizin her

Als Nahrungsergänzungsmittel gegen die zumeist dramatischen Beschwerden seiner Patienten soll der Mann seine eigenen, in der Finca angebauten, Kräuter und Pflanzen verkauft haben. Selbst wenn von einzelnen Pflanzen heilende Kräfte nachgewiesen sind, seien diese bei den teils heftigen Krankheiten wenig nützlich gewesen. Diese hat er zusätzlich wohl über einen Online-Shop vertrieben und nach ganz Europa exportiert. Belege für die Vorwürfe lieferte der Computer der heimlichen Praxis des Betrügers. Die Polizei kündigt weitere Untersuchungen an.

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