In Spanien stehen in einer Kirchentür zwei Erstkommunionkinder in weißen Kleidern.
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Bistum Alicante mit Jahresbilanz: Wegen Corona kaum Kirchen-Feiern.

Spanien im Corona-Herbst

Bistum Alicante zieht Jahresbilanz: Wo ist Corona? - Kirche zwischen den Zeiten

  • vonStefan Wieczorek
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Für die Christen der Costa Blanca beginnt am 28. November mit dem Advent das neue Kirchenjahr. Das Bistum Alicante zieht Bilanz: Bevor Corona-Krise in den Zahlen auftaucht, werden Bedürftige versorgt.

Alicante/Orihuela - Katholische und evangelische Christen sind an der Costa Blanca gewissermaßen die ersten, die das missratene Coronavirus-Jahr verabschieden können. Denn schon Ende der Woche begrüßen sie ein neues Jahr: Das Kirchenjahr, das am Vorabend des ersten Advents – diesmal Samstag, 28. November – beginnt, während Weihnachten an der Costa Blanca weiter in den Sternen steht. Einer der letzten Akte des alten Kirchenjahres war am 8. November der Tag der diözesanen Kirche, also das Fest der katholischen Bistümer. In Orihuela-Alicante legte die Diözese da, wie immer, die Zahlen des Jahres offen. Allerdings nicht der letzten 365 Tage, sondern des vorherigen Kalenderjahres – 2019.

Bistum Orihuela-Alicante (Diócesis de Orihuela-Alicante)Römisch-katholisches Bistum in Spanien
Fläche: 4.415 km²
Kirchenprovinz: Erzbistum Valencia
Oberhaupt:Bischof Jesús Murgui Soriano

Bistum Alicante mit Jahresbilanz: Corona fehlt, Bischof Jesús Murgui appelliert

Die Jahresbilanz des Bistums Alicante mit Zahlen vom vergangenen Kalenderjahr (und nicht dem endenden Kirchenjahr) - dieser Umstand ist nichts Besonderes, doch diesmal besonders markant. Fällt in der Statistik doch das Element weg, das – ob Kirche oder Welt – die nähere Vergangenheit dominierte wie nichts anderes: Die Coronavirus-Pandemie.

Eine kuriose Zeitreise bietet daher das neue Heft „Nuestra Iglesia“, das in den Kirchen der Provinz Alicante ausliegt und unter dem folgenden Link angesehen werden kann. Ein Blick zurück, aber ohne Corona: Ein Bistum, das munter je 40,9 Millionen Euro einnahm und ausgab. 9,5 Millionen flossen von den Gläubigen aufs kirchliche Konto, davon ein Drittel durch den Klingelbeutel in den Gottesdiensten. Keine Spur vom März 2020, als der Lockdown hier den großen Einbruch brachte.

Zwei Monate später hatte die katholische Kirche von Spanien 40 Millionen Euro durch die Ausfälle verloren, hieß es im Mai. Der gesamte Corona-Schaden im Bistum Orihuela-Alicante wird wohl noch berechnet. Im Heft zum Fest der Diözesen nennt auch Bischof Jesús Murgui das Coronavirus nur zart und nicht beim Namen. „Dieser Tag erinnert uns, dass wir eine Familie sind“, schreibt Murgui, „aber keine geschlossene Familie, sondern eine, die offen für alle ist. Und das macht uns zu aktiven und solidarischen Menschen in der schwierigen Zeit, die wir als Gesellschaft erleben müssen“, so der Bischof von der Costa Blanca.

Bistum Alicante mit Jahresbilanz: Vor Corona 6.500 Taufen, 7.300 Kommunionen

Ferner schrieb der katholische Hirte von Alicante: „Wir sind auch eingeladen, unsere diözesane Kirche finanziell zu unterstützen, da sie vor allem in Zeiten der begrenzten Treffen die Großzügigkeit der Gläubigen benötigt.“ Woher kam die finanzielle Unterstützung des Bistums im Jahr vor Corona? 4,6 Millionen Euro erhielt es laut Jahresbilanz über die staatliche Steuer, 2,3 Millionen aus Immobilien, 24,1 Millionen durch Subventionen. Bei den Ausgaben des Bistums gingen 3,3 Millionen Euro in pastorale und soziale Hilfen, 4,6 Millionen in Gehälter von Geistlichen, 17,1 Millionen in Bezahlung angestellter Laien, eine halbe Million ins Priesterseminar, zehn Millionen in die Instandhaltung von Gebäuden und 2,5 Millionen, um außergewöhnliche Kosten zu decken.

Mai 2020 an Costa Blanca: In Orihuela stürzte wegen Regen eine Kirche teils ein.

2019 wurden im Bistum Alicante 6.500 Kinder getauft. 400 weniger als 2018 – aber dafür gab es mit 7.300 Erstkommunionen 500 mehr als im Vorjahr. Mit 1.048 wurde eine Ehe weniger geschlossen als ein Jahr zuvor. Das Kirchenleben floss in Ruhe vor sich hin. Spätestens das Heft zum Diözesetag 2021 wird jedoch auch hier einen Corona-Erdrutsch preisgeben.

All die Ausfälle – Kinder ohne Taufe, Begräbnisse ohne Gemeinde, Sonntagsmessen ohne Besucher – werden in der Jahresbilanz für das Jahr 2020 wie ein gewaltiger Schub in der Glaubenskrise aussehen. Hat die Corona-Krise vielleicht tatsächlich zu einem solchen Schub geführt? Das wird die Glaubenspraxis nach der Pandemie zeigen. Derweil setzt das Bistum Alicante auf sein eigentlich zentrales Anliegen - das soziale Engagement für Bedürftige.

Bistum Alicante, Jahresbilanz 2019: Vor Corona 40.000 Bedürftigen geholfen

Laut neuer Jahresbilanz des Bistums Alicante hatte die Kirche im Jahr vor Corona 3.700 Migranten und Flüchtlingen, 31.000 Armen, 921 Frauen und Opfern häuslicher Gewalt, 1.150 Arbeitslosen, 1.047 Alten und Behinderten unter die Arme geholfen. Aber der Bedarf explodierte unter Corona, meldete die Cáritas Orihuela-Alicante im Mai – und hatte da bereits 32.300 durch die Pandemie bedürftig gewordene Menschen versorgt. Nun, zum Ende des Kalenderjahres 2020, schlagen Hilfswerke und Lebensmittelbanken wegen grassierender Armut in Spanien Alarm.

So rückt auch im Bistum Alicante durch die Corona-Krise die Zuwendung zu den Bedürftigen und Schwachen stärker als bisher in den Vordergrund. Das passt zur Reform von Papst Franziskus, der am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres einen „Welttag für Arme“ einführte, den am 15. November auch die Kirche an der Costa Blanca beging. Der finale Akt des katholischen Kirchenjahres war dann am 22. November „Cristo Rey“. Für Christus, einen König zwischen den Zeiten: ohne üppigen Besitz wie das katholische Bistum, sondern nur mit einer Dornen-Corona auf dem Kopf.

In der Lesung am Festtag sagte dieser König (Mt 25,31-46): „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen, ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. (...) Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Kein Wunder, dass an der Costa Blanca auch das Tourismuspfarramt der Evangelischen Kirche in Dénia zu Lebensmittelspenden für bedürftige Familien aufruft.

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