Ein Botijo-Krug hängt an Seilen an einem Gitter.
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Der Botijo aus Spanien ist ein traditionelles Trinkgefäß aus Ton.

Ton statt Plastik

Spaniens Botijo: Traditioneller Krug mit nachhaltiger Zukunft

  • Anne Götzinger
    vonAnne Götzinger
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Der Botijo aus Spanien ist alles andere als von gestern. Das Töpferdorf Agost an der Costa Blanca hat jetzt eine Werbekampagne für den nachhaltigen Krug gestartet.

Agost – Zwei Tüllen und ein bauchiger Körper charakterisieren den Botijo, den traditionellen Wasserkrug aus Spanien, aus dem in hohem Bogen getrunken wird. Er ist eines der beliebtesten Produkte aus dem Töpferdorf Agost an der Costa Blanca. Das Geheimnis des Tonkrugs besteht darin, dass das Wasser im Innern wegen des porösen Tons, aus dem er gefertigt ist, lange frisch bleibt. „Der Botijo muss schwitzen, dann bleibt der Inhalt selbst bei großer Hitze vier bis fünf Grad kühler als die Außentemperatur“, erklärt Töpfer José Ángel Boix, der die dritte Generation in der Familien-Töpferei Boix in Agost an der Costa Blanca darstellt.

AgostGemeinde in Spanien
Autonome Region Valencia
ProvinzAlicante
Fläche66,46km²
Bevölkerung4.794 (2020)

„Das Wasser hält sich im Botijo den ganzen Tag kühl, ohne dass dafür elektrische Energie genutzt werden muss, die CO2-Bilanz ist gleich null, und sein Gebrauch reduziert den Plastikmüll“, ergänzt Jesús Peidró, Leiter des Töpferei-Museums in Agost.

Botijo aus Spanien: Regierungschef Sánchez und Papst Franziskus erhalten Krug aus Agost

Diesen nachhaltigen Charakter des Starprodukts aus den traditionellen Töpfereien des Ortes wollen das Museo de Alfarería und das Rathaus Agost jetzt bekannter machen und haben einen groß angelegten Werbefeldzug für den Wasserkrug gestartet. So hat etwa Papst Franziskus seinen Botijo aus Agost erhalten, ebenso wie Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez, König Felipe VI., Valencias Ministerpräsident Ximo Puig, verschiedene Bürgermeister der Provinz Alicante und Provinzverwaltungschef Carlos Mazón. Es läuft außerdem eine Fotokampagne, bei der sich Leute mit einem Botijo fotografieren und die Aufnahme unter dem Hashtag #botijolovers an das Museum schicken können. Markenzeichen der Kampagne ist der witzige Mr. Botijo mit Schnurrbart und Knollennase.

Es stecke jedoch keine Nostalgie hinter den Aktionen, sondern – ganz im Gegenteil – ein Zukunftsgedanke. „Wir wollen die Leute dazu bringen, Plastik durch Keramik zu ersetzen“, meint Peidró. „Wir wollen zeigen, dass der Botijo kein Element aus vergangenen Zeiten ist, sondern der Zukunft.“ So gebe es den Krug inzwischen auch in praktischen Formaten, die zu einem modernen Haushalt passen. Doch es geht nicht nur um Klimaschutz und die Zukunft unseres Planeten, sondern auch um die des Töpferhandwerks in Agost. „Es ist ein heikler Moment für die Töpfer“, berichtet Jesús Peidró. Vor allem auch, weil das Handwerk langsam ausstirbt. „Es fehlt der Nachwuchs, denn ohne Zukunftsaussichten wollen sich die jungen Leute in Spanien nicht diesem Handwerk widmen“, gibt er zu bedenken.

Spaniens Botijo: Nachhaltiger Krug steht ganz im Zeichen des Klimaschutzes

Jetzt sei der Moment günstig, um ein Umdenken in Gang zu setzen. „Die Menschen in Spanien leben jetzt umweltbewusster“, sagt Peidró. Eine göttliche Fügung sozusagen. Untermauert wird sie mit den „zehn Geboten des Botijo“, die sich die Macher der Kampagne ausgedacht haben. Sie lauten:

  • Der Botijo löscht den Durst und gibt Energie.
  • Er verbraucht keine Energie zur Kühlung.
  • Er ist biologisch abbaubar und 100 Prozent recycelbar.
  • Es gibt ihn in unendlichen Designs.
  • Er hat sich über Jahrhunderte hinweg als effizient erwiesen.
  • Für seine Herstellung werden Rohstoffe aus der Umgebung verwendet.
  • Er trägt zum Erhalt des Handwerks bei.
  • Er ist ökologisch und langlebig.
  • Er ist Teil unseres Kulturguts, unser Erbe.
  • Neun von zehn Töpfern empfehlen ihn.

„Der zehnte Töpfer empfiehlt ihn deshalb nicht, weil er Töpfe und keine Botijos herstellt“, meint Jesús Peiro mit einem Augenzwinkern. Ob das Rathaus Agost dem Botijo für den Papst wohl auch „Die zehn Gebote des Botijo“ beigelegt hat, verrät der Museumsdirektor nicht. Aber so viel Humor darf man bei Franziskus wohl erwarten, dass er den Botijo-Dekalog aus Spanien nicht als Gotteslästerung empfindet.

Weitere Informationen zum Töpferhandwerk in Agost, Workshops und geführte Routen gibt es auf der Tourismus-Webseite des Ortes. Eine ausführliche Beschreibung des Töpferei-Museums findet sich hier, auch auf Englisch.

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