Ein Radfahrer fährt durch verbranntes Land bei Torrevieja.
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Verbrannte Erde: So trist sieht es nach dem Brand an der rosa Lagune in Torrevieja aus. Die Ursache: Der Mensch.

Rosa und blaue Lagune

Lagunen von Torrevieja: Verbrannter Naturpark, Flamingos auf der Flucht

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Während an der rosa Lagune von Torrevieja nach einem Großbrand schwere Versäumnisse beim Naturschutz aufgedeckt werden, kehren die Flamingos der blauen Lagune von La Mata den Rücken.

Torrevieja – Das Großfeuer, das am 1. und 2. Mai 2021 im Naturpark der rosa Lagune von Torrevieja fast 20 Hektar Vegetation und etliche Gelege geschützter Vogelarten vernichtet hat, legte grobe Mängel der Landesregierung Valencia frei. Danach habe es die für die Naturparks zuständige Landesregierung seit 15 Jahren versäumt, 23 Hydranten im Bereich Torrevieja Chaparral und San Luis zu installieren, die im Falle von Bränden für schnellen Zugang zu Löschwasser sorgen sollen. Es war die Feuerwehr, die diesen Mangel just beim Brand an der rosa Lagune entdeckte, denn auf ihren Plänen waren die Hydranten eingezeichnet, aber es gab sie nicht, „was im Fall von der Gefährdung von Menschenleben fatale Folgen haben kann“, so die Bomberos.

Hausaufgaben nach Großbrand in Torrevieja: Feuer an rosa Lagune legt schwere Versäumnisse offen

Das Großfeuer in Torrevieja bedrohte nicht nur Bewohner der angrenzenden Wohnsiedlung, sondern auch viele geschützte Tierarten an der rosa Lagune.

Außerdem seien acht Hektar der sogenannten Pufferzone zwischen Naturpark und den Siedlungsgebieten Torreviejas nicht brandschutzgerecht gepflegt, also ausgeholzt gewesen. Das Gleiche gelte für 18,5 Kilometer Wegenetz, die zwar in Plänen eingezeichnet, aber kaum nachvollziehbar waren. Diese Weg sind deshalb so wichtig, weil sie Spaziergänger durch den Park leiten sollen, ohne, dass die geschützten Tiere dabei gestört oder gefährdet werden. Die Bilanz der Sichtungen nach dem Feuer ergab, dass 77 Hektar des Gebietes, die früher für den Weinanbau und andere Landwirtschaft benutzt wurden, aber seit Jahren aufgegeben sind, nach wie vor nicht ordentlich deklariert wurden. Es sei hier nicht überall klar, ob es sich um eine sogenannte Erholungszone, eine Pufferzone oder strikte Schutzzonen handeln soll.

Torrevieja baut sich an die Lagune: Vordringen in Naturräume

Dem Rathaus Torrevieja war die Schlampigkeit des Umweltministeriums in Valencia (zehn der 15 Jahre unter PP, die letzten fünf unter Linksregierungen) allerdings bisher ganz recht. Denn auf einem Teil der Zonen entstanden mittlerweile Urbanisationen, so wie zuvor schon die Siedlung Lago Sal, die vor zwei Wochen von den Flammen derart bedroht worden war, dass Menschen evakuiert werden mussten. Umweltaktivisten und die Bomberos fordern nun das Land Valencia auf, zumindest erst einmal den 2006 verabschiedeten Strukturplan des Naturparks Torrevieja zu erfüllen und an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Denn nur so könne man das fragile Gleichgewicht diese Schutzgebietes auch wirklich bewahren.

Flamingos fliehen aus Torrevieja: Autos und Neugierige vertreiben die Tiere wieder aus Naturpark

An der blauen Lagune von La Mata in Torrevieja fanden die Flamingos beste Brutbedingungen vor.

Während es an der rosa Lagune von Torrevieja - vermutlich wegen Brandstiftung - brannte, fliehen seit Wochen die Flamingos der blauen Lagune. Vor gut einem Jahr, mitten im ersten Coronavirus-Lockdown in Spanien, sorgten hunderte Flamingos in der blauen Lagune von La Mata nicht nur für ein optisches Spektakel, sondern auch für den größten Bruterfolg seit Jahrzehnten. Zunächst 600, bei Nachzählungen über 1.000 Flamingoküken waren in Torrevieja geschlüpft und wurden von ihren Eltern in der Ruhe der Coronavirus-Quarantäne aufgezogen. So viele gab es im Naturpark La Mata noch nie und in der gesamten Comunidad Valenciana, die mit Santa Pola oder der Lagune von Albufera bei Valencia über weitere große Habitate für Flamingos verfügt, sah man so viel Nachwuchs seit zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Neue Normalität, alte Unsitten in Torrevieja: Flamingos der Lagune fliehen vor Verkehrslärm und Spaziergängern mit Hunden

Doch mit der „neuen Normalität“ kehrte allmählich der Alltag in den Naturpark, sprich der neugierige Mensch zurück, der Verkehr an den nahen Straßen, darunter die Autobahn AP7 sowie die Nationalstraße N-322 wurde stärker und störte die Flamingos zusehends. Besonders solche Spaziergänger, die – verbotenerweise – zu nah an die Brutstätten gingen, um dort ein Flamingo-Selfie zu schießen und teils sogar ihre Hunde dabei hatten, setzten dem Frieden der stolz stakenden Vögel zu.

Stolze Flamingo-Eltern in der blauen Lagune von La Mata Torrevieja, die als Kindergärtner eingeteilt sind. Eine 600-köpfige rosa Rasselbande zusammenzuhalten, dürfte keine Kleinigkeit sein.

Die Vogelschützer beobachten seit Monaten eine massive Abwanderung der Flamingos aus Torrevieja. Der größte Teil, so die Ornithologen von La Mata, sei nach Afrika übersiedelt, andere Gruppen zur Fuente de Piedra in Málaga oder der Laguna Pétrola in Albacete, die auch in normalen Zeiten weniger vom Menschen frequentiert seien. Nur kleine Gruppen seien in der Lagune La Mata oder in den nahen Salinen von Santa Pola oder San Pedro (Murcia) verblieben, nachdem die Brut flügge geworden ist.

Dabei seien die sonstigen Bedingungen nach wie vor gut für die Flamingos, der regenreichste April seit 20 Jahren habe den Wasserstand auf einem optimalen Level gehalten, das Nahrungsangebot sei reichlich. Doch die mittlerweile wieder 30.000 Fahrzeuge täglich auf der CV-905 sind schlicht zu viel. Diese kurze Erholung der Natur in Spanien durch Corona war landesweit zu beobachten.

Parkdirektor Francisco Martínez bedauert zwar, dass „wir dieses Naturschauspiel wohl nie wieder hier in diesen Dimensionen erleben werden“, betrachtet die Sache aber auch rational, denn „die Umstände 2020 waren tatsächlich außergewöhnlich“. Immerhin würde man in Torrevieja nun wieder eine größere Zahl anderer Bodenbrüter beobachten, die zum Teil vorher von der schieren Masse der Flamingos verdrängt wurden. Aktionen, wie der Großbrand an der rosa Lagune von Torrevieja Anfang Mai sind dabei natürlich wenig hilfreich.

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