Ein Mann steht vor einer Infotafel an der Küste hoch über dem Meer.
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Der Aussichtspunkt in der Malladeta-Bucht eröffnet einen Panoramablick auf die Costa Blanca.

Heiliger Ort der Iberer

Magische Bucht an der Costa Blanca: Malladeta ‒ Tor zur Einöde bei Villajoyosa

  • Anne Götzinger
    VonAnne Götzinger
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Die Malladeta-Bucht an der Costa Blanca hatte bereits für die Iberer etwas Magisches. Bei einem Ausflug an die südliche Küste von Villajoyosa lassen sich ihre Zeugnisse und andere interessante Reste erkunden.

Villajoyosa – Ein roter Feuerball erscheint am äußersten Ende der kleinen Insel vor der Costa Blanca, schiebt sich langsam in die Höhe und malt einen gleißenden Lichtkegel auf das Meer. Der Sonnenaufgang genau über der heutigen Isla de Benidorm zeigte den Iberern im 4. Jahrhundert vor Christus an, dass es Zeit war, mit dem landwirtschaftlichen Zyklus zu beginnen. Das spektakuläre Äquinoktium über der Insel, an dem Tag und Nacht etwa gleich lang sind, kann noch heute zweimal im Jahr – um den 21. März und den 22. September – von der Cala de la Malladeta in Villajoyosa aus beobachtet werden.

VillajoyosaGemeinde in Spanien
Autonome GemeinschaftValencia
ProvinzAlicante
Fläche20,45 km²
Einwohner34.673 (1. Jan. 2019)

Doch auch im restlichen Jahr gibt es in der Bucht im Stadtteil Paraís einiges zu entdecken. Zum einen die Reste der Tempelanlage, in der die Iberer die Muttergöttin – bei den Karthagern Tanit, die Göttin der Fruchtbarkeit – verehrten. Im Vilamuseu in Villajoyosas Innenstadt können Besucher unter anderem eine kleine Figur der Erdgöttin und andere Weihgaben betrachten, die in der Ausgrabungsstätte in der Malladeta-Bucht gefunden wurden. Zu sehen sind in der Malladeta-Bucht außerdem die freigelegten Reste von neun Räumen, die um das Jahr 100 vor Christus von iberischen Siedlern erbaut, aber schon etwa 75 Jahre später verlassen wurden. Auch in Dénia findet man interessante Reste aus der Zeit der Iberer.

Bucht an Costa Blanca gibt weiten Blick auf Alicantes Küste frei

Ein paar Schritte weiter stolpern Besucher der Bucht über ein weiteres Phänomen. An einem Aussichtspunkt offenbart sich ein atemberaubender Blick über die Küste Richtung El Campello und Alicante – und auf eine landschaftliche Besonderheit. Ab der iberischen Tempelanlage geht es rund zwölf Kilometer gen Süden, auf und ab über karge Hügel – noch trockener als die umliegende Landschaft. Eine Einöde. Der Archäologe Enrique Llobregat bezeichnete diesen Abschnitt in den 1980er Jahren als Frontera Desierta, als verlassene Grenze.

Heute ist das Gebiet freilich nicht mehr komplett menschenleer. Selbst diese Kargheit hat die Bauwirtschaft nicht abgeschreckt, zu lukrativ sind Immobilien mit Blick aufs Meer. Doch immerhin handelt es sich tatsächlich noch immer um einen der jungfräulichsten Abschnitte an der Küste der Provinz Alicante, die man sonst eher an der Küste von Murcia vorfindet.

Die dritte Kuriosität in der Malladeta-Bucht sind die Ruinen der Villa Giacomina. Der Arzt Alfonso Esquerdo (1860-1922) ließ sie 1910 im Stil des Historismus erbauen. Ihre Fassade, oder was davon übrig ist, vereint gotische und arabische Elemente sowie einen Judenstern an jedem Fenster. Die Mischung aus christlichen, islamischen und jüdischen Elementen sowie die schwarzweißen Bodenkacheln im Eingangsbereich, die die Gleichheit der Rassen symbolisieren sollen, stehen mit Esquerdos Freimaurertum in Verbindung.

Bucht des Psychiaters: Restaurierung von Turm des Dr. Esquerdo beginnt

Alfonsos Onkel, der berühmte, aus Villajoyosa stammende Psychiater José María Esquerdo, hatte bereits einige Jahre zuvor in der Bucht einen Turm errichten lassen, um dort sein Studierzimmer samt Bibliothek einzurichten. Das Gebäude imitiert andere Verteidigungstürme entlang der Küste Alicantes und prägt noch heute das Panorama der Malladeta-Bucht. Von ihm aus konnte der Arzt nicht nur weite Teile der Küste überblicken, sondern auch das Sanatorium für psychisch Kranke, das er am benachbarten Strand Paraíso hatte bauen lassen, von dem heute jedoch nichts mehr übrig ist.

In der Bucht an der Costa Blanca finden Besucher Reste einer Iberer-Siedlung.

Die Stadt Villajoyosa plant eine Restaurierung sowohl der Villa als auch des Turms. Und tatsächlich, Anfang November hat die erste Phase der Arbeiten am Turm des Psychiaters begonnen. Das auf die Restaurierung von historischen Gebäuden spezialisierte Unternehmen Cúpola wird das Projekt ausführen, das zuvor die Forschungsgruppe Gira der Universität Alicante ausgearbeitet hat. Für Planung und Ausführung der ersten Phase wird die Stadt insgesamt 27.000 Euro aufbringen.

Restaurierungsprojekt in Bucht: Problematischer Portlandzement wird ersetzt

Um das als lokales Kulturgut deklarierte Monument vor dem Verfall zu schützen, war die äußere Fassade vor einigen Jahren schon einmal mit Portlandzement konsolidiert worden, was den Wänden mit der Zeit jedoch noch mehr schadete. Denn dieser Zement sei kaum atmungsaktiv, sehr starr und gebe noch dazu Salze in die Mauern ab, heißt es aus dem Amt für Kulturerbe. Weitere Probleme sind Feuchtigkeit und Graffiti an den Wänden.

Die erste Phase des Restaurierungsprojekts wird deshalb darin bestehen, den Verfall der Fassade zu bremsen, indem der Portland-Zement entfernt und durch Mörtel ersetzt wird, der mit dem originalen Baustoff des Turms kompatibel ist. Außerdem sollen die beiden Zugänge ins Innere des Turms mit Gittern verstärkt werden. Bleibt abzuwarten, ob eine Restaurierung auch für die Villa Giacomina rechtzeitig kommt, oder ob ihre Mauern irgendwann denen der Iberer gleichen.

Infos: Die Malladeta-Bucht liegt in Villajoyosas südlichem Stadtteil Paraís. Besucher parken am besten am Beginn der Avenida Marina Baixa (neben dem Kreisverkehr mit dem Salsa-Club Paraís). Die Fundstätte Santuari La Malladeta ist ab dort ausgeschildert. Weitere Informationen über die Route durch die Bucht gibt es auf der Internetseite des Vilamuseu.

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