Eine Gruppe Besucher schaut sich die Ruine an den Banos de la Reina an.
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Calp will Baños de la Reina zubetonieren lassen: Ist das Archäologie oder kann das weg?

Baupolitik in Calp

Calp: Strände wegen Missachtung der Coronaregeln geschlossen, Bürger sehen Ursprung im Massentourismus

  • vonStella Kirchner
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Calp schließt seine Strände wegen Missachtung der Corona-Regeln. Bürger sehen den Ursprung der Besuchermassen am Strand im Massentourismus und in Calps Baupolitik. 

  • Calp musste am Sonntag (19. Juli) seine Strände wegen Überfüllung schließen. Einheimische klagen, die Stadt sei selbst Schuld an den Besuchermassen.
  • Calps Baustadtrat Juan Manuel del Pino droht Kritiker, er werde seine „Geheimnisse und Verdienste offen legen“, sollte dieser sein „Chaos" nicht beseitigen.
  • Hochhaus „Edificio Calalga" am Fossa-Strand wird doppelt so hoch wie ursprünglich beantragt.
  • Bürger deckten Ungereimtheiten bei in Calp aktiven Bauträgern auf.

Calp –Von Anfang an hat der Entwurf für das neue Edificio Calalga in Calp am Fossa-Strand für Aufruhr gesorgt. Das aktuell mit neun Stockwerken für Calper Verhältnisse noch relativ durchschnittliche Hochhaus soll abgerissen und stattdessen ein Turm mit 19 Stockwerken gebaut werden – und das in allererster Strandlinie der Costa Blanca

CalpKleinstadt in Spanien
Fläche23,51 km²
Höhe59 m
BevölkerungBevölkerung: 29.718 (2011)

„Kein Massentourismus in Zeiten von Corona!": Bürger gehen gegen Calps Baupolitik auf die Barrikaden

Update 20. Juli: Calp musste am Sonntag seine Strände wegen Überfüllung komplett schließen, weil die Sicherheit vor dem Coronavirus nicht zu gewährleisten war. Betroffen war unter anderem auch der Fossa-Strand, an dem das Hochhaus Edificio Calalga gebaut werden soll. Außerdem wurden Arenal-Bol, Puerto Blanco, Cantal Roig und die Baños de la Reina dicht gemacht. Anwohner gehen nun auf die Barrikaden und fordern gegenüber der Online-Zeitung „Marina Plaza“, dass die Stadt „endlich den Massentourismus aufgibt“ und versteht, dass eine solche intensive Bebauung zu Massen an Touristen führt. Die Unwetter des letzten Jahres und jetzt die Coronavirus-Pandemie zeigen, wie schädlich das Modell des Massentourismus sei, so die Bewohner. „Wir protestieren nicht, weil sie unsere Sicht verdecken, sondern wir protestieren für die Sicherheit aller, der Einheimischen wie Touristen“, zitiert die Zeitung. Der Kritik schließen sich auch die Costanachrichten-Leser an. „Benidorm 2.0“ schreiben die einen, „Korruption auf höchster Ebene“ die anderen. „Wann reagieren endlich die Bürger?“, fragt sich eine Leserin. Andere Gemeinden wie Altea unterstützen Umweltschützer und gehen gegen Massentourismus vor.

Lokalpolitiker aus Calp droht Kritiker des Edificio Calalga

Das hat auch den Autor und Historiker José Luis Luri dazu veranlasst, in der linksgerichteten Online-Zeitung „Marina Plaza“ einen offenen Brief gegen die Baupolitik in Calp zu veröffentlichen. Daraufhin soll Baustadtrat, Juan Manuel del Pino, dem Calpino eine WhatsApp-Nachricht mit dieser Drohung geschickt haben: 

Mein Freund, du hast eine rote Linie überschritten, was mir die Erlaubnis gibt, über deine Vergangenheit und deine Verdienste zu sprechen. Du tust den fortschrittlichen Leuten kaum einen Gefallen, für die du meinst zu sprechen. Es ist niemals zu spät, ein Chaos zu beheben.

Juan Manuel del Pino per WhatsApp an José Luis Luri (Quelle: „Marina Plaza“)

Bauträger zahlt dem Calper Rathaus eine Million für die Lizenz für mehr Stockwerke

Dabei konnte auch der kritische Beitrag von José Luis Luri (spanisch) nichts mehr gegen den am Montag vom Stadtrat in Calp beschlossenen Zuschlag für das Hochhaus ausrichten. Der Bau ist genehmigt, genauso wie die Höhe von 19 Stockwerken anstatt der ursprünglichen neun. Dafür bestätigte Baustadtrat Del Pino den Eingang von einer Million Euro vom Bauträger an das Rathaus. Kritiker Luri hingegen findet, Calp habe sich über den Tisch ziehen lassen, da ein so hoher Apartmentturm in allererster Strandlage eine starke Verschlechterung des Stadtbildes verursache. 

Durchgeführt wird das Projekt von Construcciones Europeas de Jávea S.L. mit Sitz in der Calle Carlos Benimeli 14 (spanischer Handelsregistereintrag) und auch die Firma selbst steht in neueren Debatten immer wieder in der Kritik. Denn die Bürgerpartei Defendamos Calpe, die im Stadtrat in der Opposition sitzt, hat aufgedeckt, dass das Unternehmen seine Anschrift in Jávea gleich mit zwei weiteren Firmen teilt, die im Übrigen beide ihrerseits Bauvorhaben in Calp realisiert haben, beziehungsweise aktuell betreuen. Dabei handelt es sich um die Firma Gearing One S.L. (spanischer Handelsregistereintrag) und die Firma DBA Concept Project S.L. (spanischer Handelsregistereintrag) Letztere teilt mit Construcciones Europeas sogar noch den Geschäftsführer, Oleg Belokurov (spanischer Handelsregistereintrag). Dieser leitet zusätzlich zu den Immobilienfirmen in Jávea auch noch zwei Firmen in Torrevieja, auch dort besitzen beide Firmen dieselbe Anschrift.

Calps heikle Baupolitik: Drei konkurrierende Bauträger mit derselben Adresse und demselben Chef

In Calp sind jedoch nur die drei Firmen mit Sitz in Jávea urbanistisch in Erscheinung getreten. Gearing One kaufte laut Handelsregistereintrag ein Grundstück in der Manzanera-Urbanisation. Dieses war im Gegensatz zu den meisten anderen Strandgrundstücken im Ort noch nicht bebaut. Im vergangenen Dezember erhielt Gearing One dann vom Rathaus die Erlaubnis, das zu ändern.

Calp betoniert archäologische Stätte zu: Die Baños de la Reina

Und das, obwohl die Firma aus Jávea in einen Rechtsstreit mit dem vorherigen Eigentümer, Cimenta 2, verwickelt war, weil es die Zahlungsfrist nicht eingehalten hatte. Passiert ist auf dem Grundstück bislang auch noch nicht viel, denn zusätzlich zu der Eigentumsfrage steht auch noch eine archäologische Untersuchung aus, da hier noch unentdeckte römische Ruinen vermutet werden. Die letzte der drei Firmen aus Jávea, DBA Concept, ist nach Angaben der Bürgerpartei Defendamos Calpe zuständig für den Abriss einer alten Villa aus den 1940er Jahren, der sogenannten Casita Blanca.

„Dass drei Firmen, die in Calp Bauaufträge erhalten haben, dieselbe Anschrift in Jávea haben, ist schon ein merkwürdiger Zufall“, meint Defendamos-Sprecher Francisco Quiles Zaragoza gegenüber der CBN. Er betont gleichzeitig, dass er dem Rathaus keine Unterstellungen machen wolle. „Die Bürger sollen lediglich verstehen, wie die Baupolitik in Calp wirklich läuft“, findet er.

Baupolitik Calp: Keine Beweise für Fehler beim Edificio Calalga

Calps Baupolitik am Fossa-Strand: Calalga-Turm will doppelt so hoch hinaus wie das aktuelle Gebäude.

Dabei sei für viele Calpinos von großem Interesse, genau zu wissen, wonach die Vergabe von Großprojekten wie dem Calalga-Turm entschieden werde. „Momentan wissen wir lediglich, dass es drei Baufirmen gibt, die scheinbar sehr viel gemeinsam haben. Wir haben aber keine Beweise dafür, dass diese Firmen gegen irgendwelche Kartell-Regeln verstoßen haben, noch, dass das Bauamt von Calp einen Fehler gemacht hat“, macht Quiles deutlich.

Das Bauamt unter der Leitung von Juan Manuel del Pino zeige sich wiederum gegenüber der Bürgerpartei Defendamos Calpe wenig kooperativ. Seit Anfang dieses Jahres, als die Bürgerpartei entdeckte, dass zwei der drei Firmen dieselbe Anschrift haben, fordert sie eine Stellungnahme vom Rathaus. „Damals wussten wir nur von zweien der drei Firmen, die wir mittlerweile kennen. Damals sprachen Vertreter des Bauamts von Zufall“, berichtet Defendamos-Sprecher Quiles. Für die PP zählt der Immobiliensektor an der Costa Blanca zu den wichtigsten Wirtschaftskräfen.

Baupolitik Calp: Bewohner und Opposition fordern weitere Untersuchungen

Um den Sachverhalt der drei Bauträger wirklich aufzuklären, müssen nun verschiedene Bauprojekte der letzten Jahre aufgearbeitet werden, meint er. „Das Rathaus sollte die entsprechenden Baulizenzen offenlegen, an denen diese drei Firmen beteiligt waren. Dann können die Bürger sich selbst ein Bild machen, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist“, so Quiles. Auf Nachfragen der CBN bezüglich Genehmigungen, die den drei Firmen zugesprochen wurden, haben Juan Manuel del Pino und das Rathaus von Calp bislang keine Stellungnahme abgegeben.

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