Urlauberinnen laufen am Strand in Calp entlang.
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Calp hat den sommerlichen Tourismus eingeläutet.

Calp Coronavirus

Calp gegen Touristen? Einwohner haben Angst vor eingeschlepptem Coronavirus

  • vonStella Kirchner
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Calp hat den Sommer und somit auch den Tourismus eingeläutet. Doch einige Calpinos sorgen sich darum, dass die Urlauber das Coronavirus einschleppen könnten. 

  • Calp hängt maßgeblich vom Tourismus ab.
  • Einige Bewohner der Stadt fürchten Neuinfektionen mit dem Coronavirus durch Urlauber.
  • Calp war in den letzten Monaten kaum von Infektionen mit Covid-19 betroffen.

Calp - „Turismofobia“, Tourismus-Phobie, auch gern in ihrer Spezialform als „Madrileñofobia“, Madrilenen-Phobie, ist das Modewort schlechthin in der „neuen Normalität“ nach dem Coronavirus. Doch ist dieses Gefühl auch an der Costa Blanca und in Calp zu finden, die vom Tourismus lebt?

CalpKleinstadt in Spanien
Fläche23,51 km²
Höhe59 m
Bevölkerung29.718 (2011) (Instituto Nacional de Estadística)
ProvinzProvinz Alicante
BürgermeisterAna Sala

Tourismus-Phobie denken sich doch nur die Medien aus, um neue Corona-Geschichten zu bekommen. Wir Calpinos sind sehr dankbar, dass die Urlauber endlich zurück sind“, meint Julio Martínez, der als Schneider vor allem Calps Fiestas mit bunten Kostümen ausstattet. Er fürchtet, dass Berichte über Küstenbewohner, die Urlauber ablehnen, dafür sorgen, dass die Saison nicht ins Laufen kommt. „Es ist doch ganz einfach: Urlauber bringen Geld in die Wirtschaft und sichern das Auskommen der gesamten Gegend“, findet Martínez. „Wenn wir wieder ‚Normalität‘ in Spaniens Urlaubsorten nach dem Coroanvirus haben wollen, müssen auch Touristen wieder kommen. Ein Sommer in Calp ohne Besucher ist ja nicht normal.“

„Calp braucht Touristen“: Wie die Wirtschaft von Urlaubern abhängig ist

Ganz so positiv sind aber nicht alle Calpinos den Touristen gegenüber eingestellt. „Wir hier in Calp waren wochenlang zu Hause, haben es geschafft, weitestgehend ohne Sars-CoV-2-Infektionen auszukommen und jetzt können wieder alle unkontrolliert von überall herkommen“, beschwert sich Apothekerin Mirella Blum. Doch gleichzeitig fragt sie sich, was aus der touristisch geprägten Gemeinde würde, falls die nationalen und internationalen Gäste nicht kämen. „Unsere Wirtschaft hängt am Tourismus. Vielleicht wäre es an der Zeit, dieses Modell zu überdenken anstatt, wie es gerade ältere Menschen hier häufig tun, die Besucher zu verteufeln“, überlegt sie. Diejenigen Touristen, mit denen sie Kontakt hatte, seien auch sehr vorsichtig gewesen.

„Meiner Erfahrung nach sind die Touristen hier in Calp sogar verantwortungsvoller als Einheimische“, erzählt María Munzo, die als Kellnerin abwechselnd im Restaurant der Eltern in der Altstadt und in einem Touristen-Restaurant am Arenales-Strand arbeitet. „Leuten aus Madrid oder England ist die Pandemie zum Beispiel viel bewusster, weil sie weit mehr darunter gelitten haben als wir“, überlegt sie. „Einige liegen wegen Corona sogar mit Maske an Calps Stränden, das wäre mir persönlich viel zu heiß“, lacht sie.

Calp: Coronavirus-Infektionen an überfüllten Stränden?

Doch auch darin unterscheiden sich die Wahrnehmungen in Calp. „Die Leute wollen einfach nur noch raus an den Strand, koste es, was es wolle“, meint Nuria Ruíz, die einen kleinen Schreibwarenladen in der Altstadt betreibt. „Am Wochenende wollte ich mit meiner Familie in eine Bucht in Jávea und die Polizei musste sie schließen, weil die Leute einfach die Abstandsregeln missachtet haben. Das finde ich sehr ignorant“, beschwert sie sich. Auf die Urlauber verzichten möchte aber auch sie nicht: „In der Semana Santa hat unser Geschäft sehr viel Verlust gemacht, obwohl bei uns kaum Touristen einkaufen. Aber die Calpinos, die bei uns kaufen, arbeiten überwiegend im Tourismus und haben kein Auskommen, wenn die Ausländer, Madrilenen und Co. nicht da sind“, erklärt sie.

Calpes Rettungsschwimmer im Einsatz: Strandsicherung mit Maske

Trotzdem werde ihre Familie jetzt wohl seltener an den Strand oder in die Altstadt von Calp gehen als in anderen Jahren. „Sicher ist sicher, ich habe große Angst vor einem neuen Lockdown“, gesteht sie. „Die Ausländer werden am Flughafen zumindest kontrolliert, aber ein kranker Spanier kann ohne Probleme von A nach B kommen. Das bereitet vielen von uns ein ungutes Gefühl“, so Ruíz. Von einer „Phobie“ könne aber trotzdem keine Rede sind. „Jeder ist in Calp willkommen, solange er sich verantwortungsbewusst verhält.“

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