Luis Serna im Rathaus von Calpe.
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Luis Serna als Bürgermeister in Calpe: Niemand hätte für möglich gehalten, dass Serna Kinderpornografie heruntergeladen hat.

Im Zweifel für den Angeklagten

Haftstrafe für Calpes Ex-Bürgermeister Luis Serna reduziert

  • vonStella Kirchner
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Calpe steht unter Schock: Der ehemalige Bürgermeister Luis Serna muss nun doch nur noch drei statt sieben Jahre wegen Verbreitung kinderpornografischer Inhalte ins Gefängnis.

Calpe - Wohl kaum jemand hätte es dem als zurückhaltend und höflich geltenden Bürgermeister der Sozialistischen Partei in Calp zugetraut: Luis Serna hat kinderpornografische Inhalte heruntergeladen und soll sie auch im Darknet weiter verbreitet haben. Der Schuldspruch des Landgerichts in Alicante wegen Kinderpornografie sah für den ehemaligen Arzt eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren vor. Doch nun hat der Oberste Valencianische Gerichtshof das Urteil abgemildert. Ex-Bürgermeister Luis Serna muss nur noch drei Jahre im Gefängnis verbringen.

Der Vorstoß zur Reduktion der Haftstrafe ist laut der Angaben der Zeitung „Las Provincias“ von der Staatsanwaltschaft selbst ausgegangen. Diese hat nämlich neue Untersuchungsergebnisse von Luis Sernas Computer erhalten, die Zweifel daran aufkommen lassen, ob der Ex-Bürgermeister die Fotos und Videos mit kinderpornografischen Inhalten wirklich wissentlich weiterversendet hat. Da ihm der Vorsatz der Aktivität nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, muss er vier Jahre weniger wegen Kinderpornografie ins Gefängnis.

Calpes Ex-Bürgermeister Luis Serna hat Kinderpornografie wohl doch nicht wissentlich weiterverbreitet

In ersten Untersuchungen von Luis Sernas Computer fanden die Ermittler Bilder mit „eindeutig sexuellem und gewalttätigem Inhalt“ aus einem Zeitraum zwischen November 2014 und Juli 2015. Die Opfer, die darauf zu sehen sind, seien alle nicht älter als 16, das jüngste ist ein fünf Monate alter Säugling. In dem Bericht der Polizei in Calp ist von „imagenes muy duras“, sehr schlimmen, extremen Aufnahmen, die Rede. Auf der Festplatte schien das Material offenbar systematisch gespeichert worden zu sein. Es war nach Thematik, Alter oder Herkunft der Kinder geordnet.

Nach der Verhaftung im Februar dieses Jahres herrschte Fassungslosigkeit in Calpe. Nicht einmal die engsten Freunde von Ex-Bürgermeister Luis Serna hatten von Untersuchungen der Polizei gewusst. Damals fand die Polizei auf Sernas Computer Programme zum Herunterladen und Weiterverbreiten der Kinderpornografie sowie einen Explorer, über den Kriminelle Zugang zum Deep Web bekommen, ohne dass die IP-Adresse dabei aufgedeckt wird. Daraus zog sie den Schluss, dass Serna Inhalte - die Rede ist von über 200 Bild- und Videodateien - im Darknet weiterverbreitet habe. Als unwahrscheinlich gilt, dass der Ex-Bürgermeister selbst Pornos produziert hat, noch fanden die Polizisten Hinweise darauf, dass er jemals Minderjährige sexuell missbraucht haben könnte.

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