Fischer auf einem Fischerboot schleppen Plastikkisten mit frisch gefangenen Krustentieren an.
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Auch Calpes Fischer sind besorgt: Ist die Fischzucht an der Küste für sie eine Gefahr?

Umstrittenes Projekt

Fischzucht in Calpe: Gegner fürchten Gefahr für die Küste

  • Anne Thesing
    vonAnne Thesing
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Calpes Küste soll Standort für eine Riesen-Fischzucht-Anlage werden. Nachdem das Land Valencia grünes Licht für das Projekt gegeben hat, fürchten Gegner eine Gefahr für Tourismus, Umwelt und örtliche Fischer.

Calpe - Ungewöhnlich groß war und ist auch weiterhin die Einigkeit in Calpe, wenn es um den Widerstand gegen den seit Jahren geplanten Ausbau der Fischzucht-Anlage an Calpes Küste geht. Entsprechend heftig ist die Kritik jetzt, nachdem das Umweltministerium der Region Valencia das Projekt des Unternehmens Niordseas S.L., die Fischzucht-Anlage um ein beachtliches Maß zu vergrößern, genehmigt hat – wenn auch mit strengsten Auflagen. Von allen Seiten fürchtet man eine Gefahr für Calpes Küste.

CalpeKleinstadt in Spanien
Fläche23,51 km²
Höhe59 m
Bevölkerung29.718 (2011)
ProvinzProvinz Alicante

Fischzucht in Calpe: Küstenstadt befürchtet Gefahr für Tourismus

Auf einer Fläche von 55 Hektar sind 45 statt wie bisher 12 Käfige geplant, die Produktion in der Fischzucht soll von bisher 214 Tonnen auf 3.000 Tonnen im Jahr gesteigert werden. Mit einer Aussicht auf viele in der Gastronomie gern gesehene Goldbrassen, Seebarsche und Adlerfische, die darüber hinaus wesentlich günstiger sein dürften, als die traditionell in Freiheit gefischten, wie sie Calpes Fischervereinigung anbietet. Immerhin, so heißt es in dem Projekt, soll die Farm eine Öko-Farm werden, mit zertifiziertem und nachhaltigem Fischfutter - „Bio“ ist eben auch in Spanien ein immer schlagkräftigeres Argument, nicht nur bei Fischen. Der Standort der Fischfarm wird sich südwestlich des Hafens, 1,9 Meilen von der Küste entfernt und in einer Tiefe von 38 bis 46 Metern befinden.

Die Entfernung zur Küste und die Tiefe hätten sich zwar gegenüber dem abgelehnten Vorprojekt verbessert, betont das Rathaus von Calpe, trotzdem sei man dagegen. Für Samstag, 12. Juni, 12 Uhr, ruft das Rathaus daher zu einer Protestkundgebung an der Plaza Colón auf. „Wir sind besorgt über die Auswirkungen auf den Tourismus, die Wasserqualität und die Fischindustrie“, heißt es in einer Pressemitteilung. Gefahren sieht auch die Opposition in dem Fischzucht-Projekt – wenn auch der PSOE-nahe Umweltverband Acec die Beweggründe der PP-Regierung, sich so vehement gegen die Farm zu stellen, bezweifelt. Gehe es ihr doch vor allem um die gefährdeten Privilegien „einiger Hausbesitzer in erster Strandlinie“. Acec setzt derweil auf eine Unterschriftenaktion auf der Plattform change.org.

Fischzucht in Calpe: Fischer befürchten Gefahr für Küstenlandschaft

Und Calpes Fischer? Man habe den Standort mit ihnen abgestimmt, verteidigt Niordseas das Projekt. Zudem würden bei den 40 neuen Arbeitsplätzen, die die Fischfarm bereithält, die örtlichen Fischer bevorzugt. Diese allerdings wollen davon nichts wissen. Es habe keine Zusammenkunft gegeben, um den Standort festzulegen, beteuert der Vorsitzende der Fischergemeinschaft, Paco Catalá, in der Online-Zeitung „La Marina Plaza“. Auch habe man die Fischer nicht darüber informiert, dass sie bei den neuen Stellen als erstes berücksichtigt würden. Mehr noch. „Ich kenne keinen einzigen Bootsbesitzer, der für dieses Projekt ist, das furchtbar in die Natur unserer Küste eingreift“, betont auch Catalá die Gefahren es Projekts.

Mehr Fisch an Calpes Küste: Auch Goldbrassen sollen sich in der Fischzucht-Anlage vermehren.

Der vereinte Gegenwind spiegelt sich auch in all den Eingaben wider, die von unterschiedlichsten Seiten zu dem Projekt gemacht worden waren. In Gefahr sah man vor allem Umwelt, Wirtschaft und Tourismus. Die Uni Valencia zum Beispiel warnte vor einer Bedrohung der ohnehin schon gefährdeten Edlen Steckmuschel, zudem könnten Fischfutter und Antibiotika die Meeres-Fauna aus dem Gleichgewicht bringen. Das Rathaus kritisierte, dass ein Gutachten über die Auswirkung auf wilden Fisch und die Strömungen fehlte, Calpes Unternehmerverband warnte, dass der Umweltschaden sich negativ auf den Tourismus auswirke, der sich ja gerade von der Corona-Krise zu erhohlen scheint, Eigentümergemeinschaften von Wohnungen in erster Strandlinie wiesen auf die negativen optischen Auswirkungen hin.

Vorteile statt Gefahren an Calpes Küste: Fischzucht-Anlage will für Tourismus werben

Und trotzdem: Das Land Valencia entschied sich für das Projekt, nachdem es 2018 ein noch viel weitergehendes an der Costa Blanca abgeschmettert hatte. Dieses hatte vorgesehen, die Fischfarmen von Calpe und Altea zu einer „Makrofarm“ zusammenzuführen – was jedoch verschiedene schützenswerte Orte betroffen hätte, weshalb das Land den Vorschlag zurückwies. 2018 ließ das Unternehmen die Aufzuchtfarm in Altea ganz schließen und konzentrierte sich stattdessen auf die Ausweitung in Calpe. Was sich lohnen dürfte. Selbst die Produktion von Calpe und Altea zusammengerechnet kam nur auf 455 Tonnen im Jahr – jetzt sollen es, nur an der Küste von Calpe, 3.000 werden.

Niordseas stellt derweil die Vorteile seines Projekts in den Vordergrund. So könnte die Farm durch Initiativen für ökologischen Tourismus sogar eine Attraktion werden, statt, wie von den Gegnern befürchtet, eine Gefahr für den Tourismus.

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